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Seniorendorf

Im Seniorendorf alt werden

Das Seniorendorf (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Das Seniorendorf. ]
Wohin mit uns wenn wir mal alt sind? Wie wollen wir dann leben? Diese Fragen haben sich Henriette und Dieter Drieszen und Friedel und Bärbel Blady vor etwa zwei Jahren gestellt. Und die beiden Ehepaare haben schließlich die gleiche Lösung gefunden. Sie sind jetzt Nachbarn im ersten Seniorendorf Deutschlands im niedersächsischen Meppen. Ein privater Investor hat hier auf 19.000 Quadratmetern 33 Häuser errichtet zum Preis von 140.000 bis 200.000 €. Der Mietpreis beträgt etwa 7,50 € pro Quadratmeter. Kaufen konnte diese Häuser jeder, aber einziehen dürfen nur Personen oder Paare, von denen mindestens einer 60 Jahre alt ist. Mittlerweile sind alle Häuser verkauft. Die meisten werden von den Besitzern selbst bewohnt.

Über die Schwelle tragen

Ein weiteres Gemeinschaftshaus entsteht (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Ein weiteres Gemeinschaftshaus entsteht. ]
Keller haben die bis zu 120 Quadratmeter großen Häuser nicht. Die Räume sind großzügig geschnitten für zwei Personen. Die meisten kommen als Paar hierher, wie Henriette und Dieter Drieszen. Sie haben ihr Haus mit Garten in Dinslaken verkauft als Henriette Drieszen krank wurde – nach langer Diskussion.

Henriette Drieszen: "Mein Mann wollte das Haus nicht verkaufen. Der hat gesagt ich bleib hier drin bis man mich über die Schwelle trägt. Ich hab dann gesagt, überleg mal. Ich hatte gesundheitliche Probleme. Und ich hab’ gesagt ich kann das nicht mehr."

Vor allem den großen Garten schaffte Henriette Drieszen nicht mehr. Jetzt, in ihrem neuen Haus ist alles kleiner, auch der Garten.

Genau wie bei den Nachbarn, den Bladys. Früher ist das Paar häufig umgezogen, hat auch mehrere Jahre in den USA gelebt. In ihrem letzten Haus in Essen haben die Bladys dann 26 Jahre gewohnt. Das schüttelt man nicht so einfach ab.

Friedel Blady: "Wenn man 26 Jahre in einem Haus gewohnt hat, dann fällt das schwer. Das fängt bei den Lichtschaltern an, die man 26 Jahr benutzt hat, und irgendwo such ich immer noch die Schalter. Und das sagt mir immer, dass ich noch nicht ganz angekommen bin."

Noch mal neu anfangen

Angekommen wohin? Was ist das überhaupt, ein Seniorendorf? In den USA entstanden Seniorenstädte schon in den 60er Jahren, die sogenannten Sun-Cities, die in der Regel von wohlhabenden Pensionären bewohnt werden, umgeben von einem Stab von Hilfskräften, vom Gärtner bis zum Wachmann. Teilweise wurden sogar die Besuchszeiten für die Kinder der Senioren beschränkt. Sun-City in Arizona zum Beispiel hat rund 40.000 Einwohner.

Die Bewohner verbringen ihre Freizeit zusammen (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Die Bewohner verbringen ihre Freizeit zusammen. ]
Damit ist das Seniorendorf in Meppen nicht vergleichbar. Alles ist viel kleiner, und es darf auch jeder Besuch empfangen so viel er will. Und junge Menschen, so versichern die Bladys und die Drieszens, sind hier gern gesehen. Die Senioren hier, so sagen sie, wollen sich nicht abschotten, sondern sie sind einfach auf der Suche nach Gleichgesinnten. Die meisten, die hierher gezogen sind, möchten noch mal von vorne anfangen.

Dieter Drieszen: "Wir haben 14 Jahre in einer wundeschönen, lebhaften Siedlung gewohnt. Dort lebten nur junge Menschen, sehr angenehme Menschen mit Kindern, wunderbar – aber die jungen Menschen gingen arbeiten. Wir waren praktisch die Aufpasser der Siedlung. Also fand kaum eine Kommunikation statt."

Friedel Blady: "Die Leute die hier einziehen fangen neu an. Hier gibt es 36 neue Menschen, die man kennen lernt und die anderen wollen einen  auch kennen lernen. Einen Umzug in eine bestehende Siedlung hinein hätten wir nie gemacht."

Und wenn jemand krank wird?

Henriette und Dieter Drieszen gehen mit ihrem Hund spazieren (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Henriette und Dieter Drieszen gehen mit ihrem Hund spazieren. ]
Noch sind Gehstöcke und Rollatoren eine Seltenheit im Alltagsleben der Bewohner. Die meisten sind noch rüstig, auch die Drieszens. Sie lieben es mit ihrem Hund lange Spaziergänge zu machen. Das Seniorendorf liegt idyllisch, Wald und Wasser sind nur gute 100 Meter entfernt.

Sieben Jahre lang haben sie Dieter Drieszens demente Mutter gepflegt, eine sehr anstrengende Zeit. Das gleiche wollen sie ihren eigenen Kindern nicht zumuten, wenn sie selbst mal krank werden.

Dieter Drieszen: "Mit unserem Umzug hier her haben wir unseren Kindern ein Stück Freiheit gegeben. Und umgekehrt haben wir  uns entschieden in der Entschleunigung zu leben. Wir wollten unser Leben nicht ausschließlich unseren Kindern und Enkelkindern widmen."

Aber wer soll sich dann um sie kümmern, wenn sie mal krank und gebrechlich werden? Dazu hat der Investor eine "Kümmerin" eingestellt. So lautet Annette Kellersmanns offizielle Berufsbezeichnung hier im Seniorendorf. 25 Euro pro Monat zahlt jeder Bewohner dafür. Sie soll sich kümmern wenn die Senioren hier in Not geraten. Annette Kellersmann wird zwar selbst keine Pflege übernehmen, aber sie wird die Pflege organisieren – wenn die Senioren das möchten. Bisher müssen nur wenige ihre Dienste in Anspruch nehmen.

Annette Kellersmann organisiert die Pflege der Senioren (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Annette Kellersmann organisiert die Pflege der Senioren. ]
Annette Kellersmann: "Es gibt Haushalte, da wird auch jetzt schon ganz viel Hilfe benötigt, zum Beispiel im Sterbefall. Aber eigentlich sind die meisten gesund und können noch alleine gut zurecht kommen."

Die Türen sind extrabreit (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Die Türen sind extrabreit. ]
Und dieses "gut zurecht kommen" wird durch die Bauweise der Häuser unterstützt. Die Türen zum Beispiel sind breiter als normal, Duschen sind ebenerdig, Waschbecken mit einem Rollstuhl unterfahrbar.

Alle Einrichtungen sind rollstuhlgeeignet (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Alle Einrichtungen sind rollstuhlgeeignet. ]
Behindertengerecht gebaut und eine Kümmerin für Notfälle: ob das ausreicht als Vorsorge fürs Alter wird sich voraussichtlich erst in einigen Jahren zeigen, wenn mehr der jetzt noch rüstigen Senioren hilfsbedürftige geworden sind. Bis dahin, so scheint es, und so versichern es uns auch die Bladys und die Drieszens, haben die meisten hier aber noch einmal eine richtig gute Zeit.

http://seniorenwohnpark-am-heideweg.de/

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 24.06.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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Sendetermin
So, 24.06.12 | 16:30 Uhr