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Immobilienboom

Lohnen sich Bausparverträge?

Bausparen hat für viele eher ein altbackenes und antiquiertes Image. Seit Ausbruch der Finanzkrise hat sich das allerdings gründlich geändert. Da Immobilien für viele im Moment als besonders sichere und wertbeständige Anlage gelten, ist auch die Immobilienfinanzierung wieder ein großes Thema. Damit sind auch Bausparverträge wieder in. Aber für wen lohnen sie sich?

Immobilie (Bild: picture-alliance/dpa) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Lohnt sich der Abschluss eines Bausparvertrages? ]
Wer jetzt Häuslebauer werden will, hat gut lachen. Denn die Zinsen für Immobiliendarlehen gehen seit Jahren nach unten. Für einen 10-jährigen Immobilienkredit zahlen Sie im Moment durchschnittlich nur etwa 2,5 Prozent. Doch nicht jeder kann die günstigen jetzt Zinsen nutzen und sofort ein Haus bauen oder kaufen. Oft fehlt es schlicht am Eigenkapital. 20 Prozent der Kaufsumme sind absolutes Minimum.

Bausparvertrag: Erst sparen, dann bauen

Das notwendige Kapital zunächst ansparen und trotzdem von den niedrigen Zinsen profitieren? Das geht – mit einem Bausparvertrag. Das vereinfachte Prinzip: Bausparer schließen einen Vertrag über eine bestimmte Summe ab. Nun zahlen sie zunächst regelmäßig in den Vertrag ein. Das ist die Ansparphase. Nach einer gewissen Zeit, zum Beispiel nach sieben Jahren, wenn eine gewisse Summe angespart ist, bekommt man das Recht auf ein Immobiliendarlehen, meist etwa in der gleichen Höhe. Der Vorteil ist, dass schon heute dafür niedrige Kreditzinsen vereinbart werden.

Der Nachteil ist aber: Auch für das angesparte Geld gibt es meist nur kümmerliche Zinsen, oft nicht einmal 1 Prozent. Ob sich das unterm Strich lohnt, hängt von der Entwicklung der Kreditzinsen in der Zukunft ab. "Wenn die Zinsen so niedrig bleiben sollten, wie sie heute sind, dann würde sich ein Bauspardarlehen unterm Strich nicht lohnen. Wenn die Zinsen steigen, dann wird man natürlich froh sein, wenn man einen Bausparvertrag in der Hinterhand hat", erklärt Jörg Sahr, Immobilienfinanzierungsexperte bei der Stiftung Warentest.

Bankkredit oder Bauspardarlehen?

Wenn man sich bereits sicher ist, jetzt eine Immobilie kaufen oder bauen zu wollen, und man genügend Eigenkapital hat, dann lohnt sich ein Bausparvertrag in der Regel nicht. Schließlich ist es nicht notwendig, die niedrigen Zinsen für die Zukunft zu konservieren. Wer einen Bankkredit abschließen möchte, sollte aber in jedem Fall die Konditionen genau vergleichen.

Das niedrige Zinsniveau derzeit ist Grund für eine weitere Besonderheit: Hat man einen Bausparvertrag bereits angespart und steht vor der Zuteilung eines Bauspardarlehens, sollte man unter Umständen einfach darauf verzichten. Denn unterm Strich kann auch hier ein Bankkredit günstiger sein, da die vermeintlich niedrigen Zinsen, die man vor ein paar Jahren vereinbart hat, im Vergleich zu den heutigen Mini-Kreditzinsen unter Umständen zu hoch sind.

Bausparen als Kapitalanlage?

Auch wer gar keine Immobilie bauen, kaufen oder sanieren möchte, kann einen Bausparvertrag abschließen – eben als reine Kapitalanlage. Doch was früher ein beliebtes Anlageprodukt war, lohnt sich heute oft nur selten, weil die Bausparkassen im Moment eben nur minimale Guthabenzinsen zahlen. Immerhin es gibt Ausnahmen: Verzichtet man auf das Darlehen, kann man in einzelnen Tarifen sogar über 3 Prozent Zinsen bekommen. Ob das wirklich geeignet ist, hängt natürlich von den eigenen Anlagezielen ab.

Früher war es besser

Früher boten die Bausparkassen ja noch deutlich mehr Guthabenzinsen an. Wer vor ein paar Jahren abgeschlossen hat, konnte sich oft Zinsen von bis zu 5 Prozent sichern. Wer heute noch so einen Altvertrag hat, lässt ihn am besten einfach weiterlaufen und freut sich über die hohen Zinsen. Den Bausparkassen ist das allerdings ein Dorn im Auge. Sie wollen die hohen Zinsen heute nicht mehr zahlen und hätten die für sie ungünstigen Verträge lieber heute als morgen vom Bein.

Jörg Sahr von der Stiftung Warentest kennt die Fälle, in denen Versicherungen die Verträge entweder kündigen oder, noch schlimmer, ihre Kunden teils massiv bedrängen, selbst zu kündigen. Doch was sind die Rechte der Bausparer in solch einem Fall? "Wissen muss man, dass die Bausparkasse erst dann kündigen darf, wenn das Guthaben die Bausparsumme erreicht. Das ist der früheste Termin der Kündigung. Wenn man noch nicht die volle Bausparsumme erreicht hat, dann braucht man sich auch nicht durch Schreiben ins Bockshorn jagen lassen. Wir empfehlen: Wenn man den Vertrag noch möglichst lange nutzen möchte, sollte man vielleicht bei 80 bis 85 Prozent der Bausparsumme keine Einzahlungen mehr leisten und dann einfach nur noch die Zinsen kassieren", erklärt Jörg Sahr.

Wann gekündigt werden darf, steht manchmal auch ausdrücklich im Kleingedruckten der Verträge. Die genauen Bedingungen sollte man sich auch vor dem Abschluss eines neuen Vertrages durchlesen. Wichtig ist auch, Tarife zu vergleichen und unabhängigen Rat einzuholen, etwa bei Verbraucherzentralen. Dann kann der Bausparvertrag im Moment tatsächlich ein guter Weg sein, sich den Wunsch vom Eigenheim in der Zukunft zu erfüllen. Als reine Geldanlage taugt er wegen der Niedrigzinsen dagegen nur selten.

Autor: Sebastian Hanisch

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 24.11.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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Sendetermin
Sa, 24.11.12 | 17:03 Uhr