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Spendenbetrug mit Tieren

Wie mit dem Mitleid mit Tieren Geschäfte gemacht werden

Esel (Bild: photos.com) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Mit dem Mitleid mit Tieren werden Geschäfte gemacht. ]
Wir planen ein Spendenexperiment. Mit Redaktionshund Jacob und versteckter Kamera wollen wir eine Straßensammlung machen – im Namen eines völlig frei erfundenen Tierschutz-Vereins. Selbstverständlich werden wir das Geld nicht behalten. Im Gegensatz zu vielen anderen, die mit der Spendenbereitschaft der Deutschen krumme Geschäfte machen.

Facebook zum Beispiel ist eine ideale Plattform für Betrüger. Wir treffen Christina Schmidt: Eine seriöse Tierschützerin, die in dieser Szene seit Monaten recherchiert. Sie macht uns auf eine Seite aufmerksam, die an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist. Dort werden Spenden für die Hündin Hope gesammelt. Sie soll in Spanien leben und mehrfach geschlagen worden sein. Babys hat sie natürlich auch. Das zieht besonders gut.
Das Problem dabei: Hope existiert gar nicht. Die Spenden für die Tierarzt-Rechnung fließen trotzdem. Tierschützerin Christina Schmid: „Das ist total irre. Ich beobachte das seit Kurzem erst. Hier ist schon wieder eine Heide, die schreibt: '20 Euro soeben los geschickt mit ganz viel Liebe und Hoffnung für Hope und ihr Baby."

Um die Überweisungen am Laufen zu halten, werden die gutgläubigen Spender regelmäßig mit Neuigkeiten versorgt. So soll der kranke Hund nach einigen Tagen erstmals das Schüsselchen leer gefuttert haben. Das öffnet Herz und Portemonnaie. Christina Schmid: „Helmut hat 20 Euro gespendet, Nina 20 Euro, Petra 20 Euro, Susanne 5 Euro, Sandra 5 Euro. Da kommt innerhalb kürzester Zeit jede Menge zusammen."

Noch während unserer Dreharbeiten wird der Schwindel von der Polizei aufgedeckt. Unter Betrugsverdacht: Eine Frau aus Baden-Württemberg, die mutmaßlich ihren privaten Kontostand aufbessern wollte. Dazu Bernhard Kohn, Pressesprecher der Polizeidirektion Aalen: „Nach dem jetzigen Stand unserer Ermittlungen sind mehrere Tausend Euro auf dieses Spendenkonto, das im Internet angegeben war, geflossen. Inzwischen haben wir auch die Wohnung der Tatverdächtigen durchsucht, dort verschiedene Beschlagnahmen durchgeführt."

Das schmutzige Geschäft mit der Tierliebe blüht. Das musste auch Jill Peter erfahren. Vor ihrer Dalmatinerhündin hatte sie einen krebskranken Mischling – und mit dem wollten Spenden-Betrüger kürzlich Kasse machen. Drei Jahre nach seinem Tod, wohlgemerkt. Die Fotografin hatte die Erkrankung auf ihrer privaten Seite dokumentiert. Dort wurden die Bilder des toten Hundes geklaut und bei Facebook als Notfall eingestellt, für den eine Operation finanziert werden muss.

Betrugs-Opfer Jill Peters erinnert sich: „Ich war total geschockt, als ich gesehen habe, dass mein Foto von meinem Hund, den ich 2009 habe einschläfern lassen müssen wegen seines Krebses, missbraucht worden ist für einen Spendenaufruf. Ausgerechnet auch noch im Tierschutzbereich. Das macht mich fassungslos."

Zurück zu unserer Straßensammlung für den nicht existierenden Tierschutzverein. Kaum zu glauben: Ohne zu fragen, wer wir genau sind und was wir mit den Spenden vorhaben, wirft im Schnitt fast jeder zweite Passant Geld in unsere unverplombte Büchse. Gleich im Anschluss geben wir die Spende zurück. Vier Euro waren es beispielsweise bei einem Paar, das nach der Aufklärung völlig überrascht ist: „Ihr habt dazu gepasst, zu dem Bild mit dem Hund. Das kam auch sehr glaubwürdig rüber. Von dem her hätte ich jetzt keine Bedenken gehabt, euch was zu geben. Auch mit dem Hund und der Aufschrift. Das hat Sinn gemacht für mich.“ Die Menschen spenden quer durch alle Altersgruppen. Alle aus demselben Grund, den eine Passantin auf den Punkt bringt: „Weil man ja gerne auch hilft. Und man weiß ja, dass die Tiere in Not sind."

Burkhard Wilke ist Geschäftsführer beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin, das das allgemein anerkannte Spendensiegel vergibt. Er rät Spendenwilligen dringend zur Vorsicht:

„Man sollte sich konzentrieren auf einige, wenige Organisationen. Man sollte dann darauf achten, dass die Organisationen mindestens auch als gemeinnützig anerkannt sein sollten. Nicht jeder e.V. ist auch gemeinnützig. Die Gemeinnützigkeit stellt zumindest eine Basisprüfung durch das Finanzamt sicher. Und generell kann man als Drittes sagen: Je emotionaler die Spendenwerbung, umso vorsichtiger sollte man sein. Seriöse Organisationen überzeugen, aber sie setzen mich nicht unter Druck."

Auf der Straße ein ganz anderes Bild. In der Vorweihnachtszeit sieht man sie überall: Tierschutzvereine, die Passanten mit Fotos ködern und abkassieren. Auch, wenn sie nicht gemeinnützig sind. Die meisten fragen gar nicht danach – so wie etwa ein Herr, der spontan helfen will.

Auch die fiktive Sammelaktion der "Ratgeber"-Redaktion zeigt: Gespendet wird scheinbar mehr mit dem Herzen als mit dem Verstand – und dadurch haben Betrüger ein leichtes Spiel. Unsere Ausbeute: 60 Euro in einer Stunde.

Autoren: Johannes Thürmer, Lisa Wurscher

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 24.11.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
Sa, 24.11.12 | 17:03 Uhr