Inhalt.
Hauptnavigation.
Suche.
Bild vergrößern bzw. verkleinern
Bildunterschrift:
Im Wein liegt die Wahrheit – aber auch das Potenzial zur Geldanlage?
]
Sie wollen ein Investment, garantiert über 10% und jederzeit liquide? Nun, was die Prozente und was die Flüssigkeit angeht, sind Sie mit einer Geldanlage in edlen Weinen richtig. Schon die alten Römer waren überzeugt: In vino veritas – im Wein liegt die Wahrheit: Aber: Ist er tatsächlich das Wahre, wenn es um unsere Spargroschen geht? Machen wir die Weinprobe:
Mögliche Wertsteigerungen
Wir besuchen zwei passionierte Weinsammler. Niki Buchheim hat zu DM-Zeiten einen Wein für 300 DM erworben. Heute ist er etwa 7.000 Euro wert – ein sagenhafter Wertzuwachs! Aber die wenigsten Weine gewinnen an Wert, wenn man sie lange liegen lässt: Nur Riesling, Spätburgunder und Bordeaux Cuvees altern in Würde. Und auch von denen werden nicht alle automatisch immer teurer. Um wirklich wertvoll zu werden, muss der Wein einen berühmten Namen haben.
Einstiegspreise
Weinexperte Nedjelko Mrcela führt Weinart, einen internationalen Weinhandel, der sich auf "große Weine" spezialisiert hat, etwa einen 1990er Haut-Brion für 1.300 Euro. Als Investment kommen nur wenige Weingüter, sprich Chateaux, überwiegend aus dem Bordeaux infrage. Ihre Namen sind eingeführte Marken: man kann darauf vertrauen, dass sie langfristig werthaltig sind, weil sie weltweit berühmt sind. Doch genau deshalb ist es schwierig für Privatleute, sie zu einem Preis zu erwerben, bei dem sich eine Investition lohnt, so Nedjelko Mrcela: "Wir haben erstmal das Chateau, der Produzent, der einen sehr hohe Preis heute nimmt, dann der Handel in Bordeaux, über den das alles heute läuft, der will auch was verdienen, dann der inländische Handel, sodass der schon zu einem sehr hohen Einstiegspreis einsteigt, oder er kriegt das günstiger, muss aber im Paket jede Menge anderer Weine abnehmen, die keinerlei Potential für Wertsteigerungen haben." (www.weinart.de)
Subskribieren
Die Alternative für den privaten Sammler: neuen Wein kaufen, also zuschlagen, bevor der Wein in der Flasche ist. Das wird "subskribieren" genannt, derzeit möglich für 2011er Jahrgänge. Auch das ist nicht gerade billig. Sechs Flaschen Chateau Lafite-Rothschild 2011 können schon über 3.500 Euro kosten. Und es ist eine Spekulation auf die Zukunft, so der Weinkenner Kay Sauckel: "Man muss nachlesen, wie bei Aktien auch, was für Fakten und Zahlen es gibt, wie der Sommer war, wie die Ernte war, wie er im Fass schmeckt, muss man sich drauf verlassen, und dann subskribieren und dann hoffen, dass er doch steigt. Dass er gut verkauft wird. Dass er knapp wird."
Ein weiteres Risiko: man gibt dabei das Geld nicht dem Weingut, sondern einem Händler. Niki Buchheim hat noch zu DM Zeiten erlebt, "dass ich 12.000 DM einem Händler gegeben hab, für wichtige Chateaux und ich hab nichts bekommen, der hat Pleite gemacht."
Lagern
Hat der Weinliebhaber einen guten Tropfen ergattert, muss er ihn auch noch dunkel, vibrationsfrei und mit gleich bleibender Temperatur nicht über 18 Grad lagern. Niki Buchheim beziffert die Investition für die Kühlung und Lüftung seines Weinkellers auf 2.500 Euro, dazu kommen, je nach Sommer, noch 1.000 bis 1.500 Euro zusätzliche Stromkosten.
Oder man lagert seine Lieblingsflaschen bei der Winebank in Eltville mitten in Deutschland. Sie bietet wohltemperierte Privat-Depots in angenehmer Atmosphäre. Kostenpunkt: 600 Euro pro Jahr das kleine Fach, 2.400 Euro das große. Trotz dieser stolzen Preise sind die Kapazitäten fast ausgebucht, so Chef Stefan Ress: "Wir haben im Moment 5 oder 6 freie Fächer, die noch zur Verfügung stehen." (www.winebank.de)
Wiederveräußern
Der Weinanleger, der in die großen Weine mit den bekannten Namen investiert hat, wird schnell wieder flüssig. Denn diese Tropfen werden laufend gehandelt, etwa an der Weinbörse in London:
http://www.liv-ex.com/staticPageContent.do?pageKey=Fine_Wine_100
Allerdings müssen sich Privatleute für den Verkauf ihrer Flaschen über die Börse an Händler wenden, die über eine Mitgliedschaft bei der Börse verfügen. Oder man gibt seinen Wein an ein Auktionshaus. Die bekanntesten Versteigerungshäuser sind Sotheby's und Christie's. Sie haben auch Ansprechpartner in Deutschland.
Aber mit den Preisen geht es an der Weinbörse seit geraumer Zeit bergab. Experte Nedjelko Mrcela erläutert, dass die Preisentwicklung des Sachwertes Wein mitnichten unabhängig ist vom allgemeinen ökonomischen Geschehen: "Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, fühlen die Leute, die normalerweise Geld für große Weine ausgeben, sich auch ärmer, und kaufen nicht so viel, als wenn sie sich gut fühlen und darum herum alles rosarot ist."
Restrisiko
Das fürchtet jeder Weinkenner am meisten: Dass er nach 20 oder gar 40 Jahren feststellen muss: Die Flasche korkt.
Autorin: Katharina Adami
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 24.11.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.