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Bildunterschrift:
Bei der Immobilienfinanzierung auf die Höhe der Tilgungsrate achten
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ARD Ratgeber Geld deckt auf: Banken schwätzen Verbrauchern sündteure Baufinanzierungen auf. Hier geht es um bis zu sechsstellige Summen. Dabei merkt der Kunde nicht, dass er über den Tisch gezogen wird. Und so funktioniert der Abzocker Trick. Um das Darlehen abzuzahlen, zahlt der Kunde monatlich Zins und Tilgung. Zusammen ergeben sie die Darlehensrate. Der Tilgungsanteil kann bei Vertragsschluss frei gewählt werden.
Und genau das ist der Knackpunkt.
Wir verschaffen uns einen Marktüberblick. Die Zinsen sind derzeit sehr günstig. Viele Banken ködern genau damit Kunden und bieten ihnen günstige monatliche Raten an. Wir holen Finanzierungsangebote ein, im Internet aber auch direkt vor Ort bei der Bank. Und das empfehlen uns zwei Berater nach unserem Gedächtnisprotokoll: "Seit die Zinsen so gesunken sind, macht Immobilien kaufen richtig Spaß. Da kann man schon mitmachen, mit sehr niedrigen Raten." Oder: "Wir haben hier eine tolle Rate für Sie. Äußerst günstig ist das im Moment, die monatliche Belastung schafft man, bei einem Prozent Tilgung." Das sei kein Problem. Was das aber heißt, bei einem Darlehen in Höhe von 200.000 Euro, einem Zins von 2,5 Prozent, einer Laufzeit von 10 Jahren berechnen wir in Modell eins. Man empfiehlt uns einen Tilgungsanteil von einem Prozent.
Das ergibt eine monatliche Rate von 580 Euro. Klingt aufs erste tatsächlich günstig. Wie sehen das die Verbraucherschützer? Ist die ein Prozent Tilgung ratsam fragen wir den Finanzexperten Sascha Straub: "Ein Prozent Tilgung sagt mir noch nicht, ob ich und wann ich am Ende getilgt habe. Man muss das durchrechnen, hier sind ganz klar Zahlen gefragt. Und ob nun 1,0 Prozent, 1,5 Prozent oder 2,0 Prozent, das macht enorme Unterschiede aus und in diesen Details werden die Verbraucher nicht aufgeklärt." Die Restschuld beträgt nach zehn Jahren bei einem Prozent Tilgung immer noch 177.300 Euro.
ARD-Ratgeber Geld lässt einen unabhängigen Experten ran. Er rechnet für uns höhere Tilgungsanteile durch und liefert nicht nur einen riesigen Zahlensalat, sondern auch ein unglaubliches Ergebnis! Wer sich 200.000 Euro leiht, zum Zinssatz von 2,5 Prozent und in einem zweiten Modell nun fünf Prozent tilgt, wieder bei einer Laufzeit von zehn Jahren, der hat zwar eine höhere Rate, monatlich sind das dann 1.280 Euro, allerdings hat er nur noch eine Restschuld von 86.520 Euro. Zur Erinnerung: Bei einem Prozent Tilgung waren das ganze 177.300 Euro.
Doch als wir uns auf den Weg machen und in einer Stichprobe zehn Banken testen, welches Modell sie vorschlagen, die Ein-Prozent-Tilgung oder, wenn möglich mehr, raten uns nur zwei Banken zu einer höheren Tilgung. Acht Banken schweigen sich dazu aus. So würde sie künftig ein Bombengeschäft erwarten. Verbraucherschützer Sascha Straub erklärt, warum: "Nach Ablauf der zehn Jahre Zinsbindungsfrist werden die Karten neu gemischt. Wir werden auch damit rechnen müssen, dass der Zins dann höher sein wird, das bedeutet auch, dass man durchaus wieder mit einer höheren Zinsbelastung rechnen muss."
Denn Finanzexperten rechnen mit einer Zinssteigerung in den nächsten Jahren. Wie gravierend sich diese dann auf alternativ hohe Tilgungshöhen in den ersten zehn Jahren bei einem Anschlussdarlehen auswirkt, zeigt sich erst, wenn wir weiterrechnen: Im elften Jahr prognostiziert unser Experte für beide Modelle einen Zins von sechs Prozent. Der Experte setzt eine monatliche feste Rate von 1.100 Euro für beide Modelldarlehen ein. Dann dauert es bei anfänglicher ein-prozentiger Tilgung noch ganze 27 Jahre, bei der Fünf-Prozent- Tilgung hingegen nur noch acht Jahre bis das Darlehen auf null ist.
Niedrige Anfangstilgung, da zahlt der Bankkunde drauf, die Bank kassiert ab, empört sich der Verbraucherschützer. "Das ist der gewaltige Unterschied, wo man auch sieht, wo im Grunde durch eine niedrige Tilgung die Bank entsprechend auch verdient." Insgesamt 231.600 Euro an Zinsen hat der Kunde am Ende der Laufzeit in Modell eins, im Modell zwei nur 60.200 Euro bezahlt. Deshalb: Lieber nachrechnen und nicht auf die Bank verlassen.
Bericht: Sabina Wolf
Stand: Ende Oktober 2012
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 27.10.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.