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Eisenmangel – oft unentdeckt

Blutprobe im Labor Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Blutprobe im Labor ]
Eisenmangel kennen viele Frauen, aber auch bei Männern kann er unentdeckt Ursache zahlreicher Beschwerden sein. Das Spurenelement Eisen ist für uns lebensnotwendig: Es wird benötigt, um rote Blutkörperchen zu bilden, ist wichtig für das Immunsystem und unerlässlich für die Funktion der Muskelzellen und vieler Enzyme. Eisen muss mit der Nahrung aufgenommen werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt dabei eine Zufuhr von 10 mg/Tag für Männer und für Frauen von 15 mg/Tag. Der erhöhte Bedarf bei Frauen besteht bis zu den Wechseljahren durch den Blutverlust bei der Menstruation.

Rote Beetesalat mit Apfel Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Rote Beetesalat mit Apfel ]
Der beste Eisenlieferant ist Fleisch, denn unser Körper kann es daraus am leichtesten herauslösen. Auch in pflanzlicher Nahrung ist Eisen enthalten, allerdings in einer Form, die für unseren Körper weniger gut verwertbar ist. Besonders viel Eisen enthalten (außer Fleisch, Wurst oder Leber) trockene Datteln und Aprikosen, Feldsalat und Vollkornprodukte. Dabei handelt es sich besonders um „alte“ Getreidesorten wie Quinoa und Amaranth. Auch Nüsse, Hülsenfrüchte oder Rote Bete enthalten viel Eisen. Verbessert wird die Eisenverwertung, wenn man gleichzeitig Vitamin C zuführt, einen Feldsalat also beispielsweise mit Orangenspalten zubereitet. Gehemmt wird die Eisenaufnahme durch den Konsum von Alkohol und Koffein.

Überschüssiges Eisen wird bis zu einer gewissen Menge in Leber und Milz gespeichert. Dieser Eisenspeicher wird dann „angezapft“, wenn zu wenig Eisen zugeführt wird. Sind die Eisenspeicher leer, entsteht Eisenmangel.

Doch Eisenmangel entsteht nicht nur durch verminderte Eisenaufnahme, sondern auch durch erhöhten Verlust. Der häufigste Grund sind Blutungen: Aus dem Magen-Darm-Trakt oder verstärkte Menstruationsblutungen, wie sie beispielsweise bei Gebärmuttermyomen auftreten. Ein weiterer Grund sind Entzündungen im Körper. Denn durch Infektionen wird das Speichereisen blockiert und kann nicht verwertet werden.

Typische Symptome bei Eisenmangel sind Kopfschmerzen, Kälteempfindlichkeit, sowie Müdigkeit und Konzentrationsmangel. Auch das Haar- und Nagelwachstum sind oft gestört. Bis sich der Eisenmangel auf eine Störung der Blutbildung auswirkt und es zu einer Anämie (Blutarmut) kommt, dauert es jedoch meist mehrere Monate.

Im Labor (Bild: rbb/ rbb) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Messen des Cholesteringehaltes im Blut ]
Im Blut kann man den Eisenmangel frühzeitig feststellen. Bei einem Eisenmangel ist das Speichereisen Ferritin erniedrigt, ebenso im Verlauf der Hb- oder Hämoglobin-Wert, der die Menge an roten Blutkörperchen angibt. Das Transportmolekül Transferrin bringt das Eisen aus dem Speicher in den Organismus. Bei reinem Blutverlust ist der Transferrin-Wert erniedrigt. Liegt jedoch eine Entzündung vor, ist der Wert typischerweise erhöht. Durch Eisentabletten oder -infusionen können die Speicher wieder aufgefüllt werden. Normalerweise fühlt sich der Patient dann schnell wieder fit. Doch das ist nicht immer so: Bei dauerhaftem Eisenmangel trotz Therapie sollte nach weiteren Ursachen geforscht werden. Ein Eisenmangel ist nicht immer banal, sondern kann auch auf Schwerwiegenderes hinweisen, wie z.B. eine Krebserkrankung.

Davon abzuraten ist es jedoch, ohne gesicherte Diagnose zu frei verkäuflichen Eisenpräparaten zu greifen. Ohne Kontrolle der Blutwerte ist die Gefahr einer Überdosierung groß und zu viel Eisen kann dem Körper schaden. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung sei nicht auszuschließen, dass "bei einer dauerhaft hohen Versorgung mit Eisen das Risiko für die Entstehung von Herz- Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes steigt".

Besonders häufig greifen Schwangere zu Nahrungsergänzungsmitteln: Eine Studie der TU München zeigte, dass 65 Prozent der werdenden Mütter Eisenpräparate einnehmen, zum Teil in sehr hohen Dosen. Doch nur etwa 15 Prozent der Schwangeren leiden an einem Eisenmangel und nur für diese Betroffenen ist die Eisensubstitution sinnvoll. Auch in der Schwangerschaft gilt also, dass die Einnahme von Eisenpräparaten nur nach Ermittlung der Blutwerte erfolgen sollte. Nicht zuletzt deshalb, weil mögliche Gesundheitsfolgen für das Kind wenig bekannt sind.

Günstiger ist auch hier eine ausgewogene Mischkost aus Fleisch, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten, denn damit ist eine Überdosierung ausgeschlossen.

Experte im Beitrag:
Dr. med. Stephan Rackwitz
Internist
Hämatologie & Intern. Onkologie
Senftenberger Ring 5 a
13439 Berlin

Info-Box: Informationen zur Studie zur Eisenversorgung von Schwangeren:
Zentrum für Ernährungsmedizin d. TU München
Gregor-Mendel-Str. 2
85350 Freising-Weihenstephan
 nutritional-medicine@wzw.tum.de
www.em-tum.de

Weitere Links:

Info-Box: Hinweise des Bundesinstituts für Risikobewertung zu Eiseneinnahme:
www.bfr.bund.de

Broschüren des aid-Infodienstes:

Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE,
Heft 1016, 2011, 3,00 €

Das beste Essen in der Schwangerschaft,
Heft 1605, 2013, 2,50€.
www.aid.de

Expertenforen zu Ernährung des aid infodienst:
www.was-wir-essen.de
Über die Foren erhältlich man von Ernährungsexperten auch kostenlos individuelle Antworten.

Filmbeitrag: Pia Busch
Infotext: Susanne Faß

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 19.01.2013. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
Sa, 19.01.13 | 17:03 Uhr