So kann Bewegung Krankheiten bekämpfen

Silke Aulhorn im Ziel der Marathon-Staffel
Silke Aulhorn hat Depressionen. Langfristig gesehen, möchte sie weniger Psychopharmaka einnehmen. Mit einer Laufgruppe nimmt sie am Münchner Stadtmarathon teil.

Volkskrankheit Depression

Depressionen gehören zu den häufigsten und meist unterschätzten Krankheiten.  Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 psychische Erkrankungen, wie Depressionen, die zweithäufigste Volkskrankheit sein werden. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums leiden schätzungsweise 350 Millionen Menschen weltweit unter einer Depression.

In Deutschland sind derzeit etwa vier Millionen Menschen erkrankt. Jeder fünfte Deutsche bekommt im Laufe seines Lebens einmal eine Depression. Nicht immer wird die Krankheit erkannt und optimal behandelt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Angst vor Stigmatisierung oder aber mangelnde Energie, sind Gründe für Betroffene, keine Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Ursachen für Depressionen sind vielfältig. Grundsätzlich trägt jeder Mensch das Risiko in sich, depressiv zu werden. Doch ob jemand erkrankt oder nicht, hängt von verschiedenen Einflüssen ab: Zum Beispiel von einer erblichen Veranlagung, körperlichen Faktoren oder auch vom persönlichen Lebensumfeld.

Mit Bewegung die Depression bekämpfen

Depressionen werden in der Regel mit Psychotherapie und Medikamenten behandelt. Wie genau die Therapie abläuft, hängt von der persönlichen Krankengeschichte und den jeweiligen Wünschen und Vorstellungen der Patienten ab.

Bewegung bzw. körperliches Training unterstützt jede Therapie bei Depressionen. Damit ist kein Hochleistungssport gemeint, sondern gemäßigte und regelmäßige sportliche Betätigung. Sie kann ein erster Schritt gegen Ermüdung und Antriebslosigkeit sein, die Menschen mit Depressionen plagen können. Ob Sport allein Depressionen heilen kann, ist umstritten. Belegt ist aber, dass Bewegung das Befinden bei Depressionen bessert und andere Behandlungen sinnvoll unterstützt. Wichtig ist, zu Beginn des Trainings einen allgemeinen Gesundheits-Check zu machen. Nur so kann sichergestellt  werden, dass sich Sport positiv auswirkt und den Körper nicht überlastet.

Ökonomische Folgen von Depressionen

Menschen mit Depressionen sind doppelt so häufig krank geschrieben, wie Menschen ohne Diagnose. Obwohl sich Arbeitnehmer in Deutschland insgesamt immer seltener krank melden, fehlen immer mehr Menschen wegen Depressionen bei der Arbeit.  Die so genannten Krankheitskosten, wie beispielsweise Therapie oder Reha-Aufenthalte, belaufen sich auf jährlich mehr als fünf Milliarden Euro in Deutschland. 

Menschen mit Depressionen treten häufig vor dem eigentlichen Renteneintritt in den Ruhestand. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe geht davon aus, dass in Deutschland die Kosten in Folge von depressionsbedingten Frühberentungen bei etwa 1,5 Milliarden Euro pro Jahr liegen.

Beim Nordic Walking
Robert Matthias (l.) leidet an Diabetes Typ 2. Sein Traum ist es, bald ohne Insulinspritzen auszukommen. Hier ist er beim Nordic Walking mit seiner Frau Sabine und Reporter Fero Andersen zu sehen.

Volkskrankheit Diabetes mellitus

In Deutschland leiden etwa sieben Prozent der Menschen an Diabetes mellitus, bei schätzungsweise zwei Prozent ist die Krankheit noch unerkannt. Damit haben etwa acht Millionen Menschen in Deutschland einen zu hohen Blutzuckerspiegel. Die Tendenz ist steigend, vor allem bei den über 60-Jährigen. Nach Schätzungen des Deutschen Diabetes-Zentrums werden 2030 weitere 1,5 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sein – und das allein in der Altersgruppe 55 bis 74 Jahre.

Die verschiedenen Diabetes-Formen

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen dem Typ I und dem Typ II. Mit etwa 90 Prozent hat der Großteil den so genannten Typ II.

Beim Typ I-Diabetes produziert der Körper kein Insulin; die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion des Hormons verantwortlich sind, funktionieren nicht. Meistens erkranken Kinder oder Jugendliche. Bislang ist diese Form nicht heilbar, weshalb die Patienten ein Leben lang Insulin spritzen müssen.

Beim Typ II-Diabetes produziert der eigene Körper nicht ausreichend Insulin oder es liegt eine so genannte Insulinresistenz vor. Das heißt, dass die eigenen Körperzellen nicht ausreichend auf das Insulin reagieren und so das Insulin im Körper weniger Wirkung zeigt. Früher wurde diese Form auch als "Altersdiabetes" bezeichnet, aber in den vergangenen Jahren sind immer mehr junge Erwachsene und Jugendliche erkrankt. Neben der Veranlagung gelten Übergewicht und Bewegungsmangel als die häufigsten Ursachen des Typ II-Diabetes.

Mit Sport Typ II-Diabetes bekämpfen

Die Standardtherapie beim Typ II sind nicht etwa Medikamente oder Insulinspritzen: Viel wichtiger ist eine konsequente Lebensstiländerung. Das heißt, regelmäßige Bewegung, eine gesunde, ausgewogene Ernährung und bei Übergewicht abnehmen. Das führt in der Regel dazu, dass das körpereigene Insulin besser wirkt und so der Blutzuckerspiegel sinkt. Erst wenn das nicht ausreicht, verschreiben Ärzte Tabletten oder Insulinspritzen.

Denn ist der Blutzuckerspiegel über Jahre zu hoch, kann es zu Spätfolgen kommen. Es besteht beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenfunktionsstörungen, Erblindung und Fußamputationen. Das führt zu einer schlechteren Lebensqualität und geringeren Lebenserwartung.