Antwort der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung auf Nachfrage zum Zahnarzt-Check

Zeigefinger auf Heil- und Kostenplan
Die Heil- und Kostenpläne weisen große Preisunterschiede auf.

Wie sind solche Preisunterschiede zu erklären, wenn man davon ausgeht, dass alle Zahnärzte für sich beanspruchen, ihren Patienten eine medizinisch hochwertige und adäquate Versorgung anzubieten?

Bei dem genannten Beispiel können wir die Diagnosen der jeweiligen Kollegen oder den speziellen Patientenfall ohne weitere Informationen nicht sachgerecht bewerten. Grundsätzlich gibt es gerade im zahnprothetischen Bereich für einen Befund oft eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten, die sich auch hinsichtlich der Ästhetik, der verwendeten Materialien und des Komforts deutlich unterscheiden. Dies gilt insbesondere auch für die Versorgung mit Implantaten. (…)

(…) Um diesen für den Patienten komplexen Sachverhalt verständlich zu machen, bietet die Zahnärzteschaft eine Vielzahl von Informationen zum Thema Zahnersatz an.

(…) In diesem Zusammenhang muss zunächst festgestellt werden, dass Implantate nach dem Willen des Gesetzgebers eine Privatleistung sind. Eine flächendeckende Versorgung mit Implantaten zu Lasten der GKV wäre durch die Solidargemeinschaft nicht finanzierbar.

(…) Zu beachten ist auch, dass bei Zahnersatz insgesamt erhebliche Kostenunterschiede auftreten können, die insbesondere durch das verwendete Material, den Herstellungsort und das Herstellungsland beeinflusst werden: Die Kosten einer durchschnittlichen Zahnersatzbehandlung entstehen zu 60 bis 70 Prozent durch Material- und Laborkosten, also durch die Kosten für die Herstellung des Zahnersatzes. Hier schlagen sich dann nicht zuletzt auch höhere ästhetische Erwartungshaltungen der Patienten nieder. Nur etwa 30 bis 40 Prozent machen in der Regel das zahnärztliche Honorar aus.

(…) Zusätzlich gibt es in Deutschland die Härtefallregelung für Menschen mit geringem Einkommen. Sie erhalten den doppelten (Grund-)Festzuschuss, mindestens aber die Kosten für die Regelversorgung. Auf diese Weise erhält auch diese Patientengruppe eine solide zuzahlungsfreie Versorgung.

Besteht nicht die Gefahr, dass bei geplanten Behandlungen medizinische Aspekte gegenüber wirtschaftlichen Gesichtspunkten ins Hintertreffen geraten können?

Kein Patient muss sich spontan im Zahnarztstuhl für eine Privatleistung entscheiden, die bei einer langfristig geplanten Behandlung unter Umständen auf Kosten von mehreren tausend Euro hinausläuft. Im Zweifelsfall ist zu empfehlen, eine zweite Meinung einzuholen, bevor eine Versorgungsform gewählt wird, die mit Zuzahlungen für den Patienten verbunden ist.

(…) Neben der individuellen Aufklärungspflicht des behandelnden Zahnarztes können sich Patienten an die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZVen) und Zahnärztekammern vor Ort wenden, die bundesweit ein Netz von zahnärztlichen Patientenberatungsstellen unterhalten. Sachkundige Berater stehen dort für die Versicherten kostenfrei telefonisch, per E-Mail oder persönlich vor Ort zur Verfügung, um Fragen zu beantworten. Für die Beratung zu fachspezifischen Fragen werden speziell fortgebildete Zahnärzte eingesetzt, die über die erforderliche Expertise in der Patientenberatung und in der Zahnheilkunde verfügen. (…) Die Berater sind dabei zur Neutralität verpflichtet.

(…) Neben den zahnärztlichen Patientenberatungsstellen dienen die Einrichtungen von Gutachterwesen und Schlichtung bei den (Landes-)Zahnärztekammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen dem Interesse des Patienten. Das zwischen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und den Krankenkassen vereinbarte Gutachterverfahren im Bereich der vertragszahnärztlichen Versorgung greift bereits im Vorfeld vieler Behandlungen, beispielsweise im kieferorthopädischen und parodontologischen Bereich sowie bei der Versorgung mit Zahnersatz. Das Schlichtungsverfahren hat die Aufgabe, bei Streitigkeiten, die aus der zahnärztlichen Berufsausübung entstanden sind, auf gütlichem Wege eine Klärung herbeizuführen oder – sofern die Beteiligten ihr Einverständnis dazu erklären – einen Schiedsspruch zu fällen.

Was kann getan werden, damit Abrechnungen und anstehende Behandlungskosten auch für Patienten transparenter werden?

Eine allgemeinverständliche und zugleich qualitätsgesicherte Beratung ist schon immer zentrales Anliegen und Selbstverpflichtung des zahnärztlichen Berufsstandes gewesen. Die KZBV hat daher erst kürzlich dafür gesorgt, die Transparenz für Patienten bei Behandlungen mit Zahnersatz weiter zu erhöhen: www.informationen-zum-zahnersatz.de

(…) Der Heil- und Kostenplan wird ebenso detailliert erläutert, wie die Zusammensetzung von Festzuschuss und Eigenanteil. Patienten erfahren so zum Beispiel, welche Möglichkeiten sie haben, Kosten zu verringern, was bei Behandlungen im Ausland beachtet werden muss und ob Zahnzusatzversicherungen für sie sinnvoll sind. Mit einem Erklärfilm sowie Grafiken und Texten in patientengerechter Sprache werden auch komplexe Zusammenhänge nachvollziehbar beschrieben. Die unlängst herausgegebene KZBV-Broschüre "Der Heil- und Kostenplan für die Versorgung mit Zahnersatz" klärt Patienten zudem detailliert und leicht verständlich über die einzelnen Abschnitte und Felder des Heil- und Kostenplan-Formulars auf.

Grundsätzlich hat der Patient immer auch das Recht, sich bei Verständnisfragen von Rechnungen, diese vom behandelnden Zahnarzt, seiner Krankenkasse oder der zahnärztlichen Patientenberatung umfassend erläutern zu lassen.