Stichprobe: Der Zahnarzt-Check

Testpatient bei Untersuchung
Unser Testpatient wird untersucht.

Im "Gesundheits-Check" besucht ein Testpatient in einer kleinen, nicht repräsentativen  Stichprobe unterschiedliche Zahnarztpraxen. Ihm fehlen zwei Zähne, die Lücke will er mit zwei Implantaten schließen lassen. Er lässt sich jeweils ein Angebot erstellen.

Hintergrund zu Zahnimplantaten

Ein Implantat ist eine Zahnprothese, oft aus Titan, die in den Kieferknochen eingesetzt wird und als künstliche "Zahnwurzel" dient. Viele Anbieter und mehrere hundert Modelle sind auf dem Markt. Preis- und Qualitätsunterschiede ergeben sich damit zwangsläufig.

Meist nach einigen Monaten, wenn die Operationswunden verheilt sind, kommt auf das Implantat die sogenannte Suprakonstruktion, die eigentlich sichtbare Zahnprothese.

Oft muss vor der Operation zusätzlich Knochen aufgebaut werden, um optimale Voraussetzungen zu schaffen. Sicher ist: Ein Implantat ist und bleibt ein Fremdkörper. Um eine lange Lebensdauer zu gewährleisten, ist eine besonders gute Mund- und Zahnhygiene notwendig. Zweimal pro Jahr sollte eine Kontrolle erfolgen. Größte Gefahr, das Implantat zu verlieren, ist die sogenannte Periimplantitis.

Oft setzen neben Kieferchirurgen auch spezialisierte Zahnärzte oder Zahnärzte mit einer Zusatzausbildung, sogenannte Implantologen, die Implantate in den Kiefer ein. Allerdings ist in Fachkreisen die Ausbildung zum Implantologen nicht unumstritten. Als Hinweise auf eine qualitativ hochwertige Behandlung  kann  die Zahl der jährlich gesetzten Implantate pro Operateur dienen. Je höher sie ist, desto erfahrener ist der Operateur.

Unser beratender Experte ist selbst Zahnarzt und war schon wiederholt als freier Gutachter vor Gericht tätig. Er untersucht den Testpatienten. Sein Ergebnis: Außer der Zahnlücke ist alles in Ordnung, kein weiterer Behandlungsbedarf. Er erstellt einen Heil- und Kostenplan, dem nach eigenen Angaben normale Preise zugrunde liegen und der als Vergleich für die nicht repräsentative Stichprobe dient. Er selbst arbeitet als Zahnarzt  beim Setzen von Implantaten mit einem Kieferchirurgen zusammen. Beide Planungen fließen in den Heil- und Kostenplan ein.

Fünf Ärzte, fünf Diagnosen, fünf Preise

Die Kosten für ein und dieselbe Behandlung  können, je nach Praxis, sehr unterschiedlich ausfallen. Neben verschiedenen Einschätzungen und Vorgehensweisen spielen auch Preisunterschiede bei Materialien und Laboren eine Rolle. Zahnärzte können außerdem nach unterschiedlichen Steigerungssätzen der GOZ, der Gebührenordnung für Zahnärzte, abrechnen. Je nachdem, wie sie die  Behandlung einschätzen.

Zahnarztsuche online

Die Auswahl: Online suchen Caro Matzko und unser Testpatient nach Praxen, die sich besonders auffallend präsentieren. Bis auf eine Ausnahme sind das Implantologen, also Zahnärzte, die selbst Implantate setzen. Bei insgesamt fünf Praxen vereinbart er einen Termin. 

Begutachtung einer Röntgenaufnahme
Wie findet man den richtigen Zahnarzt?

Zahnarzt-Auktionsportale

Außerdem stellt er seinen Heil- und Kostenplan in die drei populärsten Zahnarzt-Auktionsportale ein: In Medikompass.de, 2te-zahnarztmeinung.de und Zahnarzt-Preisvergleich.com. Dazu überträgt er bestimmte Positionen des Heil- und Kostenplans in ein Online-Formular. Zahnärzte können sich darauf mit einem eigenen Preisvorschlag bewerben.

Unser Testpatient besucht zwei von vier Ärzten, die sich über die Portale mit Preisvorschlägen melden. Bis auf einen will keiner mit uns direkt sprechen. Der Kieferchirurg macht ein Angebot, das sich nur auf das Setzen der Implantate bezieht. Er bietet Patienten, die dafür über Onlineportale zu ihm kommen, einen 3D-Scan an – kostenfrei. Allerdings gilt das nur zum Gebrauch in seiner Praxis. Würde unser Testpatient das Röntgenbild mitnehmen wollen, ohne die Behandlung durchführen zu lassen, würde der Scan berechnet. Nach Meinung des Chirurgen müssen sich auch Zahnmediziner dem Vergleich im Internet stellen. 

»Ich denke, diese Internetportale sind vorhanden, man muss sich mit diesen Internetportalen kritisch auseinandersetzen. Ich glaube, wenn jemand sein Auto, seinen Flug, sein gesamtes Leben im Internet vergleicht und checkt, dass man dann Patienten schwerlich absprechen kann, bei Zahnbehandlungen das Gleiche zu tun.«

Dr. med. Dr. med. dent. Hans-Joachim Gath, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg, München

Die Ergebnisse: Angebote über die Portale

Die Angebote, die unser Testpatient über die Auktionsportale erhält, sind durchweg günstiger als das unseres Experten. Die größte Differenz beträgt 743 Euro.

Vergleichs-Heil- und Kostenplan:    € 4.317
Portalgebot 1:                                       € 4.100  
Portalgebot 2:                                       € 3.748
Portalgebot 3:                                       € 3.623
Portalgebot 4:                                    € 3.574 

Doch können Patienten sicher sein, dass die Angebote auf Portalen seriös und keine Lockangebote sind? Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung KZBV und viele Zahnärzte, darunter auch unser Experte, stehen Auktionsportalen skeptisch gegenüber. Anders sehen das die  Verbraucherzentralen.

»Die Auktionsportale bieten aus Sicht der Verbraucherzentralen den Vorteil, dass sie erst mal eine Preistransparenz schaffen. Das heißt, für mich als Verbraucher: Ich kann feststellen, ist dieses Angebot günstig, ist es mittelprächtig oder ist es sehr teuer, und deswegen ist es auf jeden Fall empfehlenswert, weil man macht ja nichts falsch, man gibt einmal seine Daten ein und bekommt dann unterschiedliche Preise zu genau dieser Behandlung.«

Regina Behrendt, Referentin Gesundheitsmarkt, Verbraucherzentrale NRW

Heil- und Kostenplan
Bei den Heil- und Kostenplänen muss genau hingesehen werden.

Ergebnis: Heil- und Kostenpläne im Vergleich

Nachdem alle Heil- und Kostenpläne eingegangen sind, ergibt sich folgendes Bild:

Vergleichsplan:     € 4.317
Kostenplan 1           € 4.351
Kostenplan 2           € 5.280
Kostenplan 3           € 5.584
Kostenplan 4           € 6.531 
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Kostenplan 5:          € 3.983   nicht vergleichbar, da Knochenaufbau nicht vorgesehen

Der größte Unterschied zum Vergleichsvorschlag beträgt über 2.000 Euro. Bezieht man auch die Portalangebote mit ein, liegt der maximale Preisunterschied sogar bei  knapp 3.000 Euro.

Unser Experte findet  in den Heil- und Kostenplänen einige kritikwürdige Punkte:  

  • überteuerte Einzelleistungen
  • Etliche Berechnungen unnötiger Leistungen: Einmal ist zusätzlich ein Angebot unnötiger weiterer Zahnversorgungen über fast 2.100 Euro dabei.
  • In einem anderen Fall werden durch die Kennzeichnung weiterer behandlungsbedürftiger Zähne weitere Versorgungen angekündigt – trotz fehlenden Bedarfs nach Einschätzung unsres Experten.
  • Mehrfach fehlerhafte Befundaufnahmen; dadurch ergibt sich einmal ein falscher, da zu geringer Ansatz der Kassenleistung.
  • Zudem werden mehrere Leistungen als Privatleistung gelistet, obwohl sie eigentlich Kassenleistung sind.
  • Bei mehreren Angeboten ist die Rechnungsstellung undurchsichtig, oft viel zu umfangreich und somit sehr verwirrend: In einem Fall gibt es 17 Seiten für 2 Implantate. Der Zusammenhang der Zahlen ist selbst für den Experten teilweise schwer nachzuvollziehen.