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Ein Garten für Igel

Igel auf dem Rasen
Igel gehören zu den Kulturfolgern. | Bild: WDR

Igel leben heute vor allem im menschlichen Siedlungsraum, weil sie dort bessere Lebensbedingungen vorfinden als in den Monokulturen der freien Landschaft. Sie zählen deshalb zu den Kulturfolgern. Aber nur ein nicht zu aufgeräumter, möglichst naturnaher Garten ist ideal für den Igel. Dann findet er auch ausreichend Unterschlupfmöglichkeiten, um sich einen Schlafplatz und ein Nest zu bauen. Auch genug Nahrung ist hier vorhanden. Der Igel hält sich dabei vorwiegend an Insekten, Regenwürmer und Schnecken. Im Garten drohen dem Igel heute allerdings vielfältige Gefahren: Elektrosensen, Rasenmäher, steilwandige Gruben, Kellertreppen, Schächte, Schwimmbäder, Teiche oder gar Giftköder. Kornelia Dudziak von der Igelschutz-Interessengemeinschaft e.V. in Wuppertal hat da so einige Tipps.

Vorsicht Absturzgefahr

Igel verlässt über ein Brett einen Teich
Eine solche Rampe kann Igel vor dem Ertrinken retten. | Bild: WDR

Jeder Gartenbesitzer kann mit ganz einfachen Mitteln seinen Garten zum Igel-Paradies machen. Zäune kann man unten teilweise abschneiden oder mit einem Durchschlupf versehen, damit der Igel zwischen den Gärten auf Nahrungssuche gehen kann. Ziegelsteine als Trittstufen auf Kellertreppen verkleinern die Stufenhöhe und retten abgestürzte Igel vor dem Hungertod. Ein flacher Uferrandstreifen oder ein Brett, das wie eine Rampe in den Gartenteich hineinragt, kann Igel vor dem Ertrinken retten. Der Igel kann zwar schwimmen, ist aber nicht sehr ausdauernd dabei.

Achtung Motorsense

Nur mit Bedacht sollten Motorsensen, Mistgabeln oder Laubsauger im Garten eingesetzt werden. Igel verstecken sich gerne unter einem Laubhaufen oder im hohen Gras und halten dort ein Nickerchen - auch am Tag. Macht ein Igel Bekanntschaft mit solch einem Gartengerät, kann er schwer verletzt werden.

Igelwohnung

Natürliche und künstliche Unterschlupfmöglichkeiten garantieren dem Igel ein Dach über dem Kopf. Ein Reisighaufen über einem umgestülpten Speisfass oder einen Hohlraum in einer Natursteinmauer wird der Igel gerne als trockenen Schlafplatz für die Nacht oder den Winter annehmen. Kornelia Dudziak hat einen Komposter zu einem Igelhaus umfunktioniert. Dazu hat sie einen Eingang von 10 x 10 Zentimeter freigeschnitten und im Innenbereich Ziegelsteine aufgeschichtet, sodass ein Hohlraum entstand. Darüber kam Teichfolie und darauf dann Reisig. Neben dem Hohlraum und über dem Reisig kann weiter wie gewohnt kompostiert werden.

Naturnaher Garten

Igel zwischen vertrocknetem Laub
Strauch- und Baumschnitt sollte in manchen Ecken des Gartens liegen bleiben. | Bild: WDR

Vor allem lockt ein naturnaher Garten mit heimischen Wild-, Zier- und Nutzpflanzen zahlreiche Nährtiere für den Igel an. Es hilft schon, in einem Teil des Gartens eine Wiese oder Hecke anzulegen, dort seltener zu mähen oder den Strauch- und Baumschnitt liegen zu lassen. Gift sollte im igelfreundlichen Garten tabu sein, denn Giftköder töten die Nahrungstiere des Igels oder gar ihn selbst.

Hilfsbedürftige Igel

Igel sind Wildtiere und gehören zu den besonders geschützten Arten. Deshalb dürfen sie nicht einfach eingesammelt werden. Nur Tieren, die krank oder verletzt sind, oder verwaisten Igelsäuglingen muss man helfen. Verletzten Igeln sieht man die Verletzungen äußerlich oft nicht an. Wenn Igel mehrere Tage im leeren Schwimmbecken oder in einem Lichtschacht gefangen waren, können sie verletzt oder zumindest so geschwächt sein, dass sie Hilfe brauchen.

Kranke Igel erkennt man meist daran, dass sie am Tage unterwegs sind, apathisch wirken und stark untergewichtig sind. Kranke Igel rollen sich nicht ein und fühlen sich kühl an. In jedem Fall brauchen diese Igel Hilfe von einem Tierarzt oder einer Igelstation. Auch verwaiste Igelsäuglinge, die sich außerhalb des Nestes aufhalten und unterkühlt sind, brauchen vermutlich Hilfe. Wenn sich die Mutter stundenlang nicht blicken lässt, ist sie wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Laien sollten aber nicht versuchen, Igelbabys ohne Expertenwissen aufzuziehen. Man kann einfach zu viel falsch machen. Auch Igel, die noch nach Wintereinbruch herumirren, brauchen dringend Hilfe. Sie finden nichts mehr zu fressen und müssten ohne Unterstützung verhungern.

Füttern vor dem Winter

Igel können nur in den Winterschlaf gehen, wenn sie sich ein genügend großes Fettpolster angefressen haben. Das kann man als Haus- oder Gartenbesitzer unterstützen, indem man frühzeitig im eigenen Garten in der nahrungsarmen Zeit (Frühjahr, Herbst) eine Futterstelle für den Igel einrichtet.

Autor: Martin Riebe

Stand: 06.11.2012 11:33 Uhr