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Aufmachergrafik zu Ratgeber: Haus + Garten
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Erdbeeren - jetzt ist Pflanzzeit

Erdbeer-Pflanze (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Erdbeer-Pflanze ]
Vielen Älteren unter den Erdbeerfans sagen Namen wie 'Senga Sengana' und 'Mieze Schindler' noch etwas. Alte Erdbeersorten, die früher in fast jedem Garten vertreten waren, weil sie so herrlich schmecken. Allerdings genügen sie heutigen Ansprüchen nicht mehr. Barbara Dathe, einst Obstzüchterin in staatlichen Diensten, ließ das keine Ruhe. Nach ihrer Pensionierung machte sie sich ans Werk, um aus der 'Mieze Schindler' die 'Mieze Nova' zu züchten. Die sollte nicht nur gut schmecken, sondern auch robust sein, hohe Erträge liefern und große, festere Früchte ausbilden. Außerdem sollte sie selbstfruchtbar sein, denn die 'Mieze Schindler' besitzt keine Staubblätter und benötigt immer eine andere Sorte als Befruchter in ihrer Nähe. Das Ergebnis des Züchterfleißes kann sich sehen lassen! Typisch für beide Sorten sind die ungewöhnlich tief eingesunkenen Samen, botanisch betrachtet handelt es sich um kleine Nüsschen.

Der Geschmack von 'Mieze Nova' ist hervorragend. Sie schmeckt ungewöhnlich süß und aromatisch. Kenner zählen 'Mieze Nova' zu den Gourmetfrüchten. Doch auch andere Züchter waren eifrig und haben den modernen Sorten wieder Aroma hinzugefügt. Einen überdurchschnittlich guten Geschmack haben unter anderem die Sorten 'Elianny', 'Korona' und 'Polka'. 'Malwina' schmeckt nicht nur hervorragend, sondern trägt etwa vier Wochen nach den anderen. Außer 'Elianny' sind alle auch für Hobbygärtner erhältlich.

Pflanzzeit im Hochsommer

Eine Erdbeerpflanze wird eingesetzt (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Eine Erdbeerpflanze wird eingesetzt ]
Ab Ende Juli sind wieder junge Erdbeer-Ableger erhältlich. Und je früher sie eingepflanzt werden, desto höher die Erträge im nächsten Jahr. Als Stichtag gilt der 10. August; jede Woche später führt zu einem Ertragsverlust von zehn Prozent im nächsten Jahr, heißt es unter Experten. Der Boden sollte tiefgründig gelockert und möglichst humos sein. Werden Kompost und Hornspäne oberflächlich eingearbeitet, liefern sie ausreichend Nährstoffe für die nächsten Monate. Die jungen Pflänzchen immer so tief setzen, wie sie auch im Topf standen. Wurzelnackte Grünpflanzen müssen unbedingt sofort nach Erhalt eingepflanzt werden. Der Pflanzabstand sollte 30 Zentimeter, der Reihenabstand etwa 60 Zentimeter betragen. Anschließend gut angießen und feucht halten; wurzelnackte Jungpflanzen am besten zweimal täglich durchdringend wässern. Allerdings möglichst nicht über die Blätter, weil das Pilzerkrankungen Vorschub leisten könnte. Der Wasserbedarf von Erdbeeren ist insgesamt recht hoch.

Frigo-Erdbeeren

Wurzelhals einer Frigo-Erdbeerpflanze (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Wurzelhals einer Frigo-Erdbeerpflanze ]
Eine Alternative zur klassischen Pflanzzeit im Sommer sind sogenannte Frigo-Pflanzen. Dazu werden im Winter die Erdbeerpflanzen gerodet und im Kühlhaus bei minus zwei Grad gelagert. Beim Versand tauen sie allmählich auf und können dann sofort in den Boden gepflanzt werden. Erhältlich sind solche Frigo-Erdbeeren in der Regel von April bis Juni. Acht bis zehn Wochen nach dem Pflanzen kann man dann Erdbeeren ernten, verrät Erdbeerbauer Jörg Springensguth: acht Wochen bei den frühen Sorten, zehn Wochen bei den späten. Wie viele es pro Pflanze sind, hängt von der Qualität der Pflanzen ab, in diesem Fall vom Durchmesser des Wurzelhalses. Hobbygärtner werden in der Regel nur solche mit dünnen Hälsen bekommen (die anderen sind wesentlich teurer). Der Ertrag im ersten Jahr wird daher nur gering sein, aber immerhin noch genug zum Naschen.

Bei den Profis sind Frigo-Pflanzen schon seit langem im Einsatz. Die Pflanzung im Frühjahr hat für sie vor allem arbeitswirtschaftliche Vorteile. Gegenüber der Sommerpflanzung ist die Gefahr geringer, dass die Erdbeeren vertrocknen. Und werden Frigo-Pflanzen in bester Qualität (mit den größten Durchmessern) gesetzt, kann der Erdbeerprofi zu einem Zeitpunkt Erdbeeren anbieten, wo die Preise hoch sind.

Züchtertraum: Immertragende Erdbeeren

Eine Erdbeerpflanze wird bestäubt (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Eine Erdbeerpflanze wird bestäubt ]
Das ließe sich auch mit sogenannten Immertragende Erdbeeren erreichen, die von Juni bis Oktober ständig reife Früchte liefern. Allerdings scheinen sich momentan guter Geschmack und hoher Ertrag noch gegenseitig auszuschließen. Eine Erdbeere zu züchten, die beides vereint, ist das nächste Projekt von Barbara Dathe. Dazu bestäubt sie Blüten ihrer 'Mieze Nova' mit geeigneten immertragenden Partnern. Züchter brauchen einen langen Atem. Allein für 'Mieze Nova' hatte sie eintausend Nüsschen aussäen und die Pflanzen eingehend testen müssen, bis die Richtige gefunden war.

Züchter wie Dathe können auf einen Genpool zurückgreifen, den das Julius-Kühn-Institut in Dresden-Pillnitz zusammengetragen hat. 370 Arten und Sorten werden in dieser Genbank am Leben erhalten. Darunter auch die beiden Wildarten, von denen unsere Gartenerdbeere (Fragaria x ananassa) abstammt: die Chile-Erdbeere (Fragaria chiloensis) aus Süd- und die Scharlach-Erdbeere (Fragaria virginiana) aus Nordamerika. Unsere heimische Walderdbeere (Fragaria vesca) dagegen hat genetisch nichts zur Entstehung der leckeren Gartenerdbeere beigetragen.

Autor: Friedemann Borchert

Bezugsquellen für Erdbeerpflanzen erfahren Sie bei der Hotline WDR-Fernsehen: 0221- 56789 999.

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 22.07.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
So, 22.07.12 | 16:30 Uhr