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Innovationen bei der Grabgestaltung

Innovationen bei der Grabgestaltung

Pflegeleichtes Grab (Bild: WDR (TV-Bild)) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Pflegeleichtes Grab ]
Bei der Gestaltung von Gräbern geht es schon seit längerem darum, pflegeleichte, aber ästhetisch attraktive Begräbnisstätten zu schaffen, meint Christiane James, Expertin in Sachen Friedhofskultur. Auf dem katholischen Sankt Joseph Friedhof in Gelsenkirchen-Schalke präsentiert sie ein paar äußerst gelungene Beispiele.

Das pflegeleichte Grab

Bodendecker Waldsteinie und Ilex crenata (Bild: WDR (TV-Bild)) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Bodendecker Waldsteinie und Ilex crenata ]
Etwa ein doppeltes Wahlgrab, das über und über mit Pflanzen bedeckt ist. „Das pflegeleichte Grab besteht aus Bodendeckern. Sinn dieser Pflanzen ist es, den Boden zu bedecken“, sagt Christiane James. Wenn erst mal eine ganz dichte Pflanzenschicht vorhanden sei, komme auch kein Wurzelunkraut mehr durch. Die Pflege des Grabes beschränkt sich dann darauf, diese Pflanzen ein oder zweimal im Jahr zu schneiden.

Überhaupt nicht geschnitten werden muss die Waldsteinie, eine unverwüstliche Staude, die selbst in Schattenlagen im späten Frühjahr gelb blüht. Im hinteren Bereich wird die Waldsteinie abgelöst von der Japanischen Stechpalme (Ilex crenata), die man wegen der kleinen Blätter leicht mit Buchsbaum verwechselt. Einziger Nachteil dieses Ilex, er darf auf keinen Fall austrocknen. Deswegen würde Christiane James ihn nur in Verbindung mit einem Pflegevertrag mit einem Friedhofsgärtner einsetzen. Das Risiko des Vertrocknens im Sommer sei ihr sonst zu hoch.

Die beliebten Buchsbäume werden wohl allmählich von den Friedhöfen verschwinden. Der aggressive Pilz Cylindrocladium buxicola greift gerade hier immer weiter um sich und vernichtet immer mehr Buchssträucher. Nachpflanzen ist problematisch, denn die Sporen können im Boden offenbar lange überdauern. Deswegen sind Alternativen, wie Ilex crenata, heiß begehrt.

Wer bei der Grabgestaltung auf Rindenmulch oder ähnliches setzt, macht sich mehr Arbeit als nötig. Die Mulchdecke verhindert nicht, dass einmal gekeimte Unkräuter weiterwachsen können. Bodendecker dagegen entziehen den Unkräutern das notwendige Licht. Raum für Kreatives bietet auf diesem Grab ein kleines, rundes Beet für die Wechselbepflanzung, das entsprechend der Jahreszeit bepflanzt ist. Drei verschiedene Knospenheiden, Alpenveilchen, Gräser und Silberblatt (Senecio bicolor) sind hier geschickt arrangiert.

Der moderne Klassiker

Steineibe (Bild: WDR (TV-Bild)) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Steineibe ]
Pflegeleicht ist auch das zweite Grab, das allerdings mit exotischen Pflanzen besetzt ist. Christiane James nennt es den „modernen Klassiker“. Es ist wieder ein zweistelliges Wahlgrab mit einer klassischen Aufteilung. Durch die Wahl von ganz unterschiedlichen Pflanzen ergebe sich ein ganz anderes Bild, bemerkt sie. Als Bodendecker dient Podocarpus nivalis, eine Steineibe aus Neuseeland. Eine langsam wachsende, immergrüne, frostharte Zwergkonifere, die wegen der geringen Ansprüche an den Standort und der guten Schnittverträglichkeit ideal für die Grabgestaltung ist.

Die Steineibe macht einen wunderschönen dichten, grünen Teppich, der im Hintergrund von Palmen, Baumfarnen und einer Bitterorange eingerahmt wird. Direkt vor dem Grabstein stehen stehen Farne. Außergewöhnlich ist auch das Blumenbeet mitten auf dem Grab, das für die Wechselbepflanzung gedacht ist. Es hat die Form eines Sternes mit Kometenschweif. Knospenblühende Heiden als Klassiker des Herbstes sind vertreten, mittendrin eine braune Heuchera und eine ungewöhnliche Sommerheide, die gelbgrün leuchtet. In die Mitte des Beetes sind Eiben- und rote Cornuszweige gesteckt. Außerdem entdeckt man dort Weidenkätzchen, weiteres Koniferengrün und Gräser.

Gärtnergepflegtes Grabfeld

Neuartiges Grabfeld „Garten des ewigen Lichtes“ (Bild: WDR (TV-Bild)) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Neuartiges Grabfeld „Garten des ewigen Lichtes“ ]
Christiane James steht in ständigem Kontakt mit Friedhofsgärtnern. Einige Friedhof-Trends hat sie mit kreiert und begleitet. Zum Beispiel neuartige Grabfelder, die von Friedhofsgärtnern komplett geplant, angelegt und gepflegt werden - einfacher geht es für die Hinterbliebenen wohl nicht. Auf mehreren Gartenschauen wurde diese Idee präsentiert, aber erst vor vier bis fünf Jahren wurde begonnen, sie auch umzusetzen.

Der „Garten des ewigen Lichtes“ auf dem Friedhof Sankt Joseph in Schalke wurde erst kürzlich fertiggestellt und bietet Platz für 45 Erd-Reihengräber und zehn Urnengräber. Sie werden nur in Kombination mit Dauergrabpflegeverträgen vergeben, die allerdings mit einer Treuhandstelle abzuschließen sind. Diese garantiert, dass die eingezahlte Summe und die Zinsen ausschließlich für Pflege und Bepflanzung des Grabes verwendet werden. Der Gestalter dieses Grabfeldes, Thomas Seppelfricke, verrät, dass ein Erdgrab etwa 5.000 Euro kostet, die Laufzeit bemisst sich auf 25 Jahre. Dieser ungewöhnliche Garten besitzt einen kleinen Bachlauf und eine Sitzgruppe aus steinernem Tisch und Bänken, eine Einladung hier zu verweilen und zu meditieren.

In Deutschland gibt es inzwischen ungefähr 450 solcher Anlagen und ständig kommen neue dazu. Alle sind anders gestaltet, weil sie individuell von Friedhofsgärtnern konzipiert werden. Eine schöne Alternative zu den konventionell gestalteten Grabstätten.

Literaturtipps

  • Christiane James
  • Gräber schön gestalten: Mit Pflanzideen für alle Jahreszeiten
  • BLV, 2011
  • ISBN: 9783835408128
  • Preis: 12,95 Euro
  • Christiane James
  • 50 Gestaltungsideen für Gräber
  • Ulmer, 2009
  • ISBN: 9783800153954
  • Preis: 19,90 Euro
  • Christiane James
  • Urnengräber schön gestalten: Mit Pflanzideen für das ganze Jahr
  • BLV, 2012
  • ISBN: 9783835410169
  • Preis: 12,95 Euro
  • Christiane James
  • Taschenatlas Pflanzen für das Grab: 184 geeignete Blumen und Sträucher
  • Ulmer, 2012
  • ISBN: 9783800176267
  • Preis: 9,90 Euro

Autor: Friedemann Borchert

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 18.11.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
So, 18.11.12 | 16:30 Uhr