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Pflanzen und ihre Symbolik in der Trauer

Rosen (Bild: WDR (TV-Bild)) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Rosen ]
Rot ist die Liebe, Grün die Hoffnung, Blau ist die Treue. Die Symbolik der Pflanzen war den Menschen früher viel vertrauter als uns heutzutage. Zu allen Anlässen des Lebenszyklus ließ man Blumen sprechen – nicht nur an glücklichen Tagen, sondern natürlich auch im Tod und in der Trauer. Ein Symbol, das wir heute noch verstehen, und das in vielen Teilen der Welt gleichermaßen gedeutet wird, ist die Rose als Zeichen der Liebe. Auch einer Liebe, die über den Tod hinausgeht. Deshalb findet sich nicht nur auf frisch aufgeworfenen Gräbern, sondern auch auf vielen alten Grabsteinen das Symbol der Rosenblüte.

Der Trauerkranz, der aus Rosen, aber auch aus anderen Blüten gebunden wird, symbolisiert den Kreislauf des Lebens. Der Tod ist nicht das Ende; die Seele lebt weiter über den Tod hinaus.

Schlüsselblume (Bild: WDR (TV-Bild)) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Schlüsselblume ]
Ein heute weniger bekanntes Symbol ist die Schlüsselblume. Weil sie so früh im Jahr blüht, ist Primula veris - die „Erste des Frühlings“ - ein Symbol der Hoffnung. Zu Füßen des Engels, der die Auferstehung Jesu am Ostertag verkündet, wachsen Primeln.

Pierre de Ronsard (1525-1585):
Wie ich mir mein Grab wünsche (Auszug)

Will es die Schicksalsstund,
Dass ich nun geh zugrund,
und wird genommen mir
Was schön war hier,

Soll nimmermehr es sein,
Dass man aus Marmorstein
Voll übertriebner Pracht
Ein Grab nur macht.

Ein Baum soll mich allein
Beschatten statt dem Stein,
Mit seiner Blätter Kleid,
Grün alle Zeit.
(Quelle: www.garten-literatur.de)

Grabmal mit Eiben (Bild: WDR (TV-Bild)) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Grabmal mit Eiben ]
Pierre de Ronsards Gedicht aus dem 16. Jahrhundert beschreibt, was Bäume den Menschen seit frühesten Zeiten auch im Angesicht des Todes bedeuten. Besonders immergrüne Gehölze wie Eiben, Buchsbaum oder Efeu spielen traditionell in der Trauer eine bedeutende Rolle. Denn weil sie anscheinend nie verwelken und auch aus altem Holz wieder austreiben, symbolisieren sie das ewige Leben, das den Verstorbenen erwartet.

Aber auch manche laubwerfende Gehölze waren wegen ihrer großen Lebensspanne ein Symbol der Unsterblichkeit. Der Weltenbaum der Germanen, die Esche Yggdrasil, bohrt eine ihrer drei Wurzeln in das Totenreich, wo ein Brunnen alle irdischen Flüsse speist, aus denen wiederum alles Leben erwächst.

Lotos (Bild: WDR (TV-Bild)) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Lotos ]
Pflanzen spielen in vielen Weltreligionen eine Rolle. Im Islam soll dem Toten nach der Beerdigung ein Baum gepflanzt werden, von dem sich Vögel ernähren - eine barmherzige Gabe, die dem Seelenheil des Toten dient. In China sind weiße Chrysanthemen das Zeichen für Trauer und auch für ewige Liebe. In der orthodoxen jüdischen Tradition dagegen spielen Pflanzen in der Trauer keine symbolische Rolle. Steine auf dem Grabmal bekunden die Anteilnahme. Der Lotos wiederum ist die heilige Pflanze der Buddhisten und Hindus. Seine wunderschöne Blüte, emporgewachsen durch Schlamm und Wasser, ist ein Symbol für Erleuchtung und Wiedergeburt.

Auch wenn uns heute viele ihrer Symbole nicht mehr vertraut sind, so sind Pflanzen in der Trauer doch allgegenwärtig. Ihre Formen, Farben und Blüten spenden Hoffnung, trösten und halten Erinnerungen an die Verstorbenen lebendig.

Literaturtipps

  • Impelluso, Lucia
  • Bildlexikon der Kunst, Bd.7/ Die Natur und ihre Symbole. Pflanzen, Tiere und Fabelwesen
  • Parthas, 2005.
  • ISBN: 9783936324037
  • Preis: 24,80 Euro
  • Schürmann-Mock, Iris (Hrsg.)
  • Auf den Kirchhof wollt ich gehn. Ein Lesespaziergang über Friedhöfe
  • Gerstenberg, 2012.
  • ISBN: 9783836926959
  • Preis: 24,95 Euro
  • Zerling, Clemens
  • Lexikon der Pflanzensymbolik
  • AT Verlag, 2007.
  • ISBN: 9783038002185
  • Preis: 34,90 Euro

Autorin: Sabine Zessin

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 18.11.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
So, 18.11.12 | 16:30 Uhr