Du lebst länger, wenn…

Senioren auf einer Bank
Senioren auf einer Bank

Lebenserwartung ist Statistik. Doch die zeigt interessante Abhängigkeiten von unseren Lebensumständen – auch von solchen, die wir nicht alle selbst beeinflussen können. Für manche Abhängigkeiten gibt es wissenschaftliche Erklärungen, für andere noch nicht.  Hier eine Liste der Faktoren, die die besten Chancen bereiten:

Du lebst länger wenn...

1. Du eine Frau bist – oder ein Mönch

Es ist fast überall auf der Welt gleich: Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer. In Deutschland sind das immerhin ganze fünf Jahre Unterschied: Während die Lebenserwartung von Mädchen hier 83,1 Jahre beträgt, liegt sie bei Jungen bei 78,2 Jahre. Warum?

Tatsächlich könnte die Biologie der Frau ihr einen kleinen Vorteil geben: Während sie ein doppeltes X-Chromosom hat – und damit stets ein "Back-Up" in der Hinterhand, wenn ein Chromosom fehlerhaft ist –  haben Männer nur ein X- und ein Y-Chromosom. Schleicht sich dort ein Fehler ein, können sie auf keine intakte Kopie zurückgreifen. Möglicherweise spielt auch der unterschiedliche Hormonhaushalt eine Rolle. Aber: Beide Theorien sind noch immer Spekulation.

Deutlich sichtbarer ist der Zusammenhang zu den unterschiedlichen Lebensgewohnheiten: Männer haben einen riskanteren Lebensstil – mehr Alkohol,  schlechtere Ernährung, weniger Vorsorgeuntersuchungen und mehr Unfälle. Dass die Lebensweise die entscheidendere Größe ist, lässt sich aus einer Studie des Wissenschaftlers Marc Luy ableiten. Luy untersuchte Mönche und Nonnen, die unter nahezu identischen Umständen in Klöstern leben. Tatsächlich starben hier die Männer nur noch etwa ein Jahr früher als die weiblichen Ordensmitglieder.

2. Du in Monaco lebst

Die Länder mit der höchsten Lebenserwartung weltweit sind Monaco, Macau (in China), Japan, Singapur, San Marino und Hongkong. Sie alle zeigen eine Lebensuhr mit über 82 Jahren an; Deutschland ist mit seinen etwa 81 Jahren zwar auch gut dabei, aber Nachbarländer wie die Schweiz, Italien oder Frankreich sind uns trotzdem noch gut ein Jahr voraus.

Schlusslichter bilden afrikanische Staaten wie die Zentralafrikanische Republik, Swasiland, Somalia oder die Demokratische Republik Kongo, deren Lebenserwartung nicht über 55 Jahren liegt. Die Haupttodesursache hier: Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Malaria. Dadurch ist auch die Kindersterblichkeit hoch – und die Lebenserwartung geringer.

3. Du im November geboren bist.

In Industrieländern spielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs eine viel größere Rolle – allein an ersteren stirbt jeder zweite von uns. Ob wir früher oder später daran sterben, hängt dabei von unserem Geburtsmonat ab. Greifswalder Forscher analysierten mehr als sechs Millionen Todesfälle in Deutschland und konnten zeigen: Menschen, die im Frühling geboren wurden, starben früher an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Menschen, die im Spätherbst geboren wurden.

In Zahlen ausgedrückt heißt das: Frauen mit Geburtstag im November wurden durchschnittlich etwa sieben Monate älter als Frauen, die im Mai geboren wurden. Bei Männern betrug der Unterschied sogar 11,7 Monate – also fast ein ganzes Jahr. Die Forscher können über die Gründe nur spekulieren: Eine andere Sonnenlichtexposition, andere Ernährungsgewohnheiten in der Schwangerschaft, Luftverschmutzung, Infektionskrankheiten oder veränderte körperliche Bewegung im Laufe eines Jahres...

4. Du in Deutschland in diesen Regionen wohnst

Allein in Deutschland macht es einen Unterschied, wo man wohnt: Im Süden Deutschlands wird man durchschnittlich am ältesten. Sie klingen schon ein wenig wie Alters-Hochburgen: Landkreise wie Starnberg, München, der Bodenseekreis oder der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald müssten demnach besonders begehrt sein. Frauen kommen hier auf deutlich über 84 Jahre, Männer auf über 80 Jahre. Der Hochtaunuskreis in Hessen (80,9 Jahre für Männer) sowie Bonn (84,7 Jahre für Frauen) sind außerhalb Bayerns und Baden-Württembergs die Spitzenreiter.

Am Ende der Fahnenstange – mit immerhin etwa sieben Jahren Altersverlust – liegen strukturschwache Regionen wie Pirmasens oder Suhl. Wie auch im Kreis Hof haben Männer hier nur eine Lebenserwartung von etwas über 73 Jahren; bei Frauen sind es rund 78 Jahre, genauso wie im Landkreis Zweibrücken. Ein möglicher Zusammenhang: Wer ein höheres Einkommen hat (und damit auch höhere Bildungschancen und einen besseren Zugang zu ärztlicher Versorgung), lebt länger.

5. Du eine jüngere Frau hast (Männer) – auf gar keinen Fall aber einen jüngeren Mann (Frauen)

Vor allem bei Männern senkt eine Partnerin das Sterberisiko. Doch der Einfluss der Partnerschaft geht noch viel weiter: Der Altersabstand zum Ehepartner spielt ebenfalls eine Rolle! Männer profitieren vom Zusammenleben mit einer jüngeren Partnerin – während ein jüngerer Partner bei Frauen das Sterberisiko sogar erhöht. Dies zeigte eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, die dazu Daten aus Dänemark auswerteten.

Je stärker der Unterschied zwischen einem älteren Mann und einer jüngeren Frau ist, desto höher seine Lebenserwartung: Bei sieben bis neun Jahren verringert sich sein Sterberisiko um 11 Prozent. Frauen hingegen zeigen das geringste Sterberisiko, wenn ihr Partner etwa gleich alt ist; bei einem sieben bis neun Jahre jüngeren Partner ist ihre Sterbewahrscheinlichkeit hingegen um etwa 20 Prozent erhöht.

Damit gelten die positiven Effekte, die ein jüngerer Partner angeblich haben soll – der Ältere wird geistig und körperliche stärker aktiviert und es existiert ein möglicher Pfleger – nur für die älteren Männer. Bei älteren Frauen ist die Abweichung von der sozialen Norm mit einem jüngeren Partner (und die damit einhergehende Ausgrenzung) möglicherweise so groß, dass der psychische Druck negative Effekte haben kann.

6. Du nicht rauchst und nicht dick bist

Diese Erkenntnis ist nicht neu, hat es aber in sich: Rauchen, Übergewicht und Alkohol kosten in den Industriestaaten am meisten Lebenszeit. In einer großen europäischen Studie, der sogenannten "European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition", kurz EPIC, wurden über eine halbe Million Europäer jahrelang begleitet und ihr Lebensstil dokumentiert. Das Ergebnis: Wer raucht, trinkt und übergewichtig ist, stirbt im Schnitt als Mann um bis zu 17 Jahre früher als Vergleichspersonen, die all diese Risikofaktoren vermeiden.

Als Frau sind es 13,5 Jahre. Der größte Risikofaktor ist dabei das Rauchen: Mehr als zehn Zigaretten pro Tag lassen Frauen 7,3 Jahre verlieren, Männer 9,4 Jahre. Mit weniger als zehn Zigaretten täglich reduziert sich die Lebenserwartung beider Geschlechter immer noch um etwa fünf Jahre.

Autorin: Theresa Moebus

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