Wie altert unser Gehirn?

Senioren im Hörsaal
Bildung im Alter tut gut

Unser Körper verändert sich sichtbar im Alter – aber was ist mit unserem Gehirn? Herrscht hier ein reger Verfall und stetiger Abbau? Die Antwort ist: Nein, nicht nur. Denn unsere Hirnregionen beherrschen eins perfekt: Fällt eine aus, springen andere ein.

Kurz und knapp

Nervenzellen sterben im Lauf des Lebens ab. Die Auswirkungen aber sind offenbar nicht so gravierend, wie man immer dachte – auch, weil das Gehirn einige Tricks auf Lager hat, um vermeintliche Defizite zu kompensieren. So können wir auch bis ans Ende unseres Lebens lernen. Anders ist das, wenn wir etwa an Demenz erkranken.

1. Das normale Altern

Im Alter verändert sich das Gehirn – das bedeutet aber nicht nur: Verfall. Nervenzellen sterben schon während unseres gesamten Lebens. Wissenschaftler vermuten, dass wir dadurch rund 10 Prozent unserer Nervenzellen einbüßen. Bei etwa 100 Milliarden Nervenzellen insgesamt fällt das gar nicht so sehr auf. Entscheidend ist nämlich, in welchen Regionen des Gehirns sie verloren gehen.

Nur Verfall? Nein. Im Alter können Hirnregionen sogar wachsen

Außerdem sind es vor allem die Verbindungen zwischen den Nervenzellen, die sogenannten Synapsen, die eine sehr wichtige Rolle spielen – etwa dafür, dass wir bis ans Ende unseres Lebens lernen können. Unser Gehirn ist nämlich kein statisches Gebilde, sondern in permanenter Veränderung: Wenn wir etwas Neues lernen, bilden sich Synapsen neu aus oder verstärken sich, wodurch Hirnregionen selbst im Alter wachsen können. Alte und überflüssige Verbindungen werden hingegen gekappt oder schwächer.

Diese sogenannte Plastizität des Gehirns macht sich auch dadurch bemerkbar, dass Ältere für bestimmte Aufgaben Areale aktivieren können, die sie früher nicht dafür genutzt haben. So können Gehirnregionen einander "aushelfen" – und so Alterseinbußen entgegenwirken oder kompensieren.

Modell eines menschlichen Gehirns
Modell eines menschlichen Gehirns

Was Ältere besser können

Mit diesen Veränderungen im Gehirn wandeln sich auch unsere Fähigkeiten. Jüngere sind generell besser darin, Dinge schnell zu verarbeiten, sie steuern ihre Aufmerksamkeit besser und lernen Neues schneller. Das wird auch als fluide Intelligenz bezeichnet. Die damit assoziierten Fähigkeiten wie Geschwindigkeit und Präzision haben im Alter von 25 bis 30 ihren Höhepunkt und nehmen danach meistens ab.

Es gibt aber auch Fähigkeiten, die im Alter sogar noch zunehmen können: die sogenannte kristalline Intelligenz –  das Wissen, das ein Mensch im Laufe seiner Entwicklung erworben hat. So sind ältere Menschen tendenziell besser in Sprachkompetenz, Wortgedächtnis und können aus komplexen Situationen leichter Schlussfolgerungen ziehen. Ist die fluide Intelligenz also mehr die Mechanik des Gehirns, so ist die kristalline Intelligenz die Software.

Ältere unterscheiden sich in ihren kognitiven Leistungen stärker als die Jungen – ein Zeichen dafür, dass sich im Alter die verschiedenen Lebensstile und Erfahrungen immer mehr auswirken.

2. Krankhaftes Absterben: Demenz

Während die Wissenschaft das Absterben von Nervenzellen also bis zu einem gewissen Grad als normal ansieht, ist der Schwund bei einer Demenz so stark, dass Beeinträchtigungen entstehen. Das ist zur Zeit bei etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland der Fall. Die häufigsten Formen von Demenz:

  • Vaskuläre Demenz

Wird von Durchblutungsstörungen im Gehirn hervorgerufen – etwa weil die Wände der Blutgefäße zu dick werden. Bluthochdruck ist hier ein entscheidender Risikofaktor. Durch die unzureichende Versorgung sterben die Nervenzellen ab. Sie ist die Ursache bei 15 Prozent aller Patienten – weit häufiger (60 Prozent) ist die:


  • Alzheimer-Demenz

Bei Alzheimer lagern sich unlösliche Eiweiße außerhalb der Nervenzellen ab: die sogenannten Amyloid-Ablagerungen (auch Plaques genannt). Amyloid produziert zwar jeder Mensch – bei Alzheimer-Patienten aber reichert es sich im Gehirn an. Eine Theorie ist, dass diese Amyloid-Ablagerungen dafür sorgen, dass auch innerhalb der Nervenzelle ein Eiweiß verklebt. Das Resultat: Durch die Eiweißablagerungen in und zwischen den Nervenzellen sind Kommunikation und Stoffwechsel der Nervenzellen nachhaltig gestört.

Ob das die einzige Ursache ist oder ob nicht noch ganz andere Faktoren eine Rolle spielen, wie eine veränderte Konzentration von Botenstoffen im Gehirn, ist immer noch nicht bekannt. Am Ende ist auch hier das Ergebnis: Nervenzellen sterben ab.  

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