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Der Nestlé-Check (2)

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Der Nestlé-Check (2) | Video verfügbar bis 28.09.2020

Check: Preis

Wir sind zurück bei Nestlé – im zweiten Teil unseres Nestlé-Checks. Beim Thema Preis nehmen wir uns diesmal unter anderem Nespresso vor. Die Aluminium-Kapseln der Nestlé-Marke sind in unserer Stichprobe mit 35 Cent doppelt so teuer wie die Konkurrenz von Lidl und Rewe mit 17,4 Cent pro Kapsel.

Wir wollen wissen, ob die Nespresso-Kapseln ihren Preis auch wert sind und starten eine Blindverkostung in der Fußgängerzone. 25 Personen trinken sich durch Espressi von Nespresso, Rewe und Lidl. Sie bewerten den Geschmack der Kaffees und der Favorit bekommt einen roten Ball in die Wahlurne.

Das Ergebnis: Der Lidl-Espresso bekommt 2 Stimmen, Nestlé-Marke Nespresso 10, Rewe 13 Stimmen. Der Mehrheit in unserer Stichprobe hat also Rewe am besten geschmeckt – obwohl Nespresso hier doppelt so teuer war wie die Konkurrenz.

Somit unser Fazit: Diese Check-Aufgabe zum Thema Preis hat Nestlé nicht bestanden.

Kochduell: Frisch Gekochtes im Vergleich mit Maggi-Produkten

Wir spielen Kochduell mit drei Maggi-Gerichten.

Im Nestlé-Camp gibt‘s eine weitere Check-Aufgabe zum Thema Preis – ein Kochduell. Es gibt Chili con Carne, Schinkennudeln und Puten-Zucchini-Geschnetzeltes. Die sechs Camp-Bewohner müssen jeweils in Zweierteams kochen – einer kocht frisch, der andere benutzt ein Maggi-Produkt. Und zwar diese: das Chili con Carne von Maggi aus der Dose, die Maggi-Schinkennudeln zum Anrühren aus der Tüte und – für das Puten-Zucchini-Geschnetzelte – eine Maggi-Fix-Mischung zum Würzen.

Die "Frische-Köche" und die "Maggi-Köche" treten gegeneinander an und kochen auf Zeit. Dabei fällt ihnen auf: Die Fleischmenge bei den Fertiggerichten ist eher gering. Die Schinkennudeln haben beispielsweise einen Fleischanteil von nur 0,7 Prozent.

Zunächst schauen wir uns aber den Preis der Gerichte in unserer Stichprobe an:

  • Die Maggi-Fertigschinkennudeln kosten hier 5 Euro. Frisch gekocht, mit 10-facher Fleischmenge: nur vier Euro.
  • Puten-Zucchini-Geschnetzeltes: Unser Gericht mit Maggi-Fix-Würzung kostet 6,50 Euro. Nur 50 Cent mehr kostet die frische Variante.
  • Das Dosen-Chili für sechs Personen kostet 8,30 Euro. Und das frisch Gekochte? Gleicher Preis! Und hätten wir genauso wenig Fleisch benutzt wie Maggi, kämen wir hier sogar nur auf 3 Euro. 

Unser Fazit dieser Check-Aufgabe: Frisch gekocht war insgesamt günstiger als die Fertiggerichte. Also hat Nestlé bei dieser Check-Aufgabe zum Thema Preis nicht bestanden.

Unser gesamtes Checkurteil: Der Preis bei Nestlé ist hoch.

Check: Geschmack

Jetzt zum Geschmack der Fertigprodukte – nächste Check-Aufgabe! Weil unsere Camper ja nur Nestlé essen dürfen, bringen sie die Gerichte zum örtlichen Fußballklub in der Nähe des Nestlé-Camps. Nach dem Training haben hier alle Hunger und treten gerne für uns zur großen Blindverkostung an: Fertig gegen frisch. Die gesamte Mannschaft gibt ihre Stimme ab.

Spieler des örtlichen Fußballklubs probieren die Gerichte.

Das Ergebnis bei den Schinkennudeln: Deutlich gewinnt das Fertiggericht. Beim Geschnetzelten gewinnt deutlich das Frische. Und auch bei Chili con Carne setzt sich das frische Gericht deutlich durch. Insgesamt also zwei zu eins für Frisch!

Und deshalb unser Fazit: Nestlé hat beim Thema Geschmack die dritte Check-Aufgabe nicht bestanden.

Testessen im Dunkeln

In der letzten Check-Aufgabe zum Thema Geschmack geht es um Fertiggerichte. Nestlé-Marke Maggi bietet hier eine große Produktpalette an, von Erbseneintopf bis Penne. Aber schmecken diese Produkte auch alle unterschiedlich oder gibt es einen Einheitsgeschmack?

Wir machen den Versuch auf einer Nachtwanderung rund ums Nestlé-Camp. Unsere Testpersonen sollen versuchen, drei Maggi-Fertiggerichte im Dunkeln blind am Geschmack zu erkennen. Weil es nur um die Geschmacksunterschiede geht, gleichen wir die Konsistenz der Produkte an und pürieren alle drei Gerichte jeweils zu einer Art Suppe.

Nur der Geschmack zählt.

Das Ergebnis unserer sprichwörtlichen "Blindverkostung": Nur die Penne schmecken die Tester nicht heraus. Die anderen beiden Gerichte in unserer Stichprobe, Ravioli und Erbsensuppe, erkennen sie blind am Geschmack.

Unser Fazit: Nestlé hat diese Check-Aufgabe bestanden.

Unser Gesamturteil: Der Geschmack ist mittelmäßig.

Check: Fairness

Eine weitere große Einnahmequelle von Nestlé ist Milchpulver als Muttermilchersatz. In den 1970er Jahren gab es hierzu einen Skandal. Nestlé vermarktete damals sein Milchpulver mit massiven Werbekampagnen in Afrika und Asien. Viele Frauen glaubten dadurch, dass nicht Stillen, sondern nur modernes Milchpulver ihre Babys groß und stark werden ließe.

Doch es gab ein Problem: Eine hygienische Zubereitung war in diesen Ländern oft unmöglich. Es gab kaum sauberes Wasser. Nach Schätzungen starben in dieser Zeit jedes Jahr mehr als eine Million Babys an Infektionen und Durchfall – Experten gaben der Ernährung mit Flaschenmilch die Schuld. Die Weltgesundheitsorganisation WHO formulierte daraufhin in einem "Milch-Kodex" strikte Regeln:

  • Keine Werbung für Milchpulver für Neugeborene
  • Keine kostenlosen Proben an Mütter verteilen
  • Keine Firmengeschenke an Gesundheitspersonal

Laut eigenen Angaben hält sich Nestlé daran. Wir wollen wissen: Wie seriös sind Nestlés Geschäfte mit Milchersatzpulver in Entwicklungsländern?

Mutter Susan mit Kind
Mutter Susan mit ihrem Kind

Für unsere letzte Check-Aufgabe zum Thema Fairness fahren wir auf die Philippinen. Hier sehen wir viel Armut, schlechte hygienische Bedingungen – und viel Nestlé. Besonders ins Auge springt uns die Werbung der Nestlé-Tochter Wyeth für Milchpulver für ältere Kinder. Die Milch mache die Kinder intelligenter und erfolgreicher, so die Werbebotschaft.

Wir treffen auch viele Frauen, die ihren Babys Flaschenmilch von Nestlé geben. Die Verbreitung von Milchersatz nimmt immer weiter zu, sagt man uns. Doch Nestlé glaubt nicht, dass das etwas mit seiner Werbung zu tun hat. Zumal man auf den Philippinnen nicht für Säuglingsmilch werbe.

Eigentlich gibt es auf den Philippinen sogar strenge Gesetze zur Vermarktung von Babymilchersatz. Aber in Gesundheitszentren erzählen uns Krankenschwestern, dass Nestlé-Vertreter regelmäßig mit diesen Zentren in Verbindung stünden, dort Produkte verschenken und Werbegeschenke verteilen würden. Nestlé bestreitet diese Vorwürfe, gibt an, seine Vertreter verhielten sich korrekt und behauptet, man unterstütze auf den Philippinen die Bemühungen, das Stillen zu fördern.

Extra zum Nestlé-Check: Milchpulver-Werbung in der Kritik | Video verfügbar bis 28.09.2020

Ein hochrangiger Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums der Philippinen sagt uns hingegen, Firmen wie Nestlé gehe es vor allem darum, ihre Produkte unters Volk zu bringen. Er sei der Meinung, dass die Milchindustrie zur hohen Kindersterblichkeit unter fünf Jahren beigetragen habe und berichtet, Nestlé habe versucht, ihn zu kaufen. Nestlé bestreitet auch das. Wie auch immer: Wenn man wirklich das Stillen fördern möchte – dann bleibt jede Menge Luft nach oben.

Heißt für uns: Nestlé hat zum Thema Fairness eine weitere Check-Aufgabe nicht bestanden.

Unser Checkurteil: Die Fairness ist unzureichend.

Check: Gesundheitseffekt

Mona auf der Waage
Mona macht den Test auf der Waage.

Eine Woche nur Nestlé-Produkte -  das haben unsere sechs Camper geschafft. Fehlt noch unser Check zum Gesundheitseffekt. Zunächst heißt es dafür: Kalorien zählen. Jeder Camp-Bewohner hat im Schnitt pro Tag 2.757 Kalorien und 11,7 Gramm Salz zu sich genommen.

Ernährungsmediziner Dr. Thomas Kurscheid untersucht, was für Auswirkungen diese Ernährung hatte. Die konsumierte Salzmenge sei doppelt so hoch wie empfohlen – bei salzsensitiven Personen könnte dies zu Bluthochdruck führen.

Bei Camp-Bewohnerin Mona hat sich das Essen im Gewicht bemerkbar gemacht: sie hat 1,6 Kilo zugenommen. Konrad hat zwar abgenommen, in der Woche aber auch weniger gegessen, erzählt er. Melanies Blutfettwerte und Cholesterinwerte haben sich nach nur einer Woche verschlechtert

Ausschließlich Nestlé-Nahrung – zugegeben außergewöhnlich. Aber solche Werte nach nur einer Woche heißt für uns: die Check-Aufgabe hat Nestlé nicht bestanden.

Unser Checkurteil: Den Gesundheitseffekt finden wir bedenklich.

So sieht unser Gesamtergebnis aus.

Ein Film von Rebecca Gudisch, Melanie Jost und Matthias Fuchs