FAQ – Der Bahn-Check

Das wollten unsere Zuschauer am häufigsten wissen

Wartende Reisende an einem Bahnsteig
Für den "Deutsche Bahn-Check" haben Reisende ein Fahrtenbuch geführt.

Um welche Tickets ging es beim Automaten-Check?

Die meisten unserer Probanden haben das „SchöneTagTicket“ für 28,50 Euro gekauft, niemand entschied sich für die Fahrkarte zu 31,90 Euro. Das günstigste Ticket, das sogenannte „SchöneFahrtTicket“, wurde nur einmal gefunden. Es kostet 17,80 Euro und berechtigt in Nordrhein-Westfalen zu einer maximal zweistündigen Fahrt im Nahverkehr.

Wie kamen bei der Verbindung Wuppertal-Bayreuth die hohen Fahrpreise zustande?

Es ging hier – wie im Film gesagt – nicht um eine einzelne Fahrt, sondern um Hin- und Rückfahrt für zwei Personen zu bestimmten Zeiten. Da sich die Angebote für Fahrkarten schnell ändern können, haben wir die Tester zur selben Zeit suchen lassen. Sie haben die Tickets auf der Website der Deutschen Bahn gesucht und dort Preise zwischen 330 und 338 Euro gefunden. Unser Experte aus dem Reisebüro schaffte es hingegen, durch eine Stückelung der Reise auf einen Wert von 258,- Euro zu kommen.

Ist die Bahncard für Regionalzüge wirklich nicht gültig?

Doch. In unserem Film behaupten wir auch nicht das Gegenteil. Wir zeigen lediglich, dass unsere Protagonistin Schwierigkeiten hatte, mit Hilfe ihrer Bahncard eine Fahrkarte für den Nahverkehr am Automaten zu kaufen.

Gibt es eine zentrale Stelle, an die man sich mit Beschwerden wenden kann?

Für Beschwerden kann sich an den Kundenservice der Deutschen Bahn (DB Kundendialog) wenden. Kommt man dort nicht weiter, kann eventuell auch die „Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V.“ helfen.

Wieso sprechen Sie beim Sparangebot von einem „versteckten“ Angebot?

Unser Text lautete: „Billig gibt’s nur versteckt“. Das offizielle „Sparangebot“ ist nämlich nicht zwingend das günstigste Ticket. In unserem Versuch hat sich gezeigt, dass Bahnreisende bei der Suche nach einer Fahrkarte zunächst gerne auf die Navigationsoption „Start-Ziel“ klicken. Somit kamen sie zwar auf das „Sparangebot“, nicht aber auf die wirklich günstigste Fahrkarte, das „SchöneFahrtTicket“. Dieses Ticket war in diesem Menü nicht zu finden.

Ist eine Pünktlichkeitsstatistik, wie sie im Film geführt wird, im Alltag machbar?

Der Deutschen Bahn liegen Zahlen zu wichtigen Anschlusszug-Verbindungen vor. Es wäre also durchaus denkbar, dass es für häufig genutzte Umsteige-Verbindungen eine Pünktlichkeitsstatistik gibt. Auch Daten über Zugausfälle liegen dem Unternehmen vor, werden aber nicht in der DB-Pünktlichkeitsstatistik berücksichtigt. Darüber hinaus wäre es schon etwas wert, würde die Deutsche Bahn den Umstand, dass ihre Statistik nicht die Verspätungen der Fahrgäste, sondern nur die einzelner Züge erfasst, offen kommunizieren.

Warum wurden andere Verspätungs-Ursachen nicht genannt?

In unserem Check haben wir uns auf o.a. Mängel in der Statistik konzentriert, also auf Zugausfälle oder verpasste Anschlusszüge. Dass es viele andere Verspätungsursachen gibt, steht außer Frage, wäre aber für eine Diskussion über die Statistik nicht hilfreich gewesen.

Warum wurde die Pünktlichkeit nicht mit der anderer Unternehmen verglichen?

Wir haben auf einen Pünktlichkeitsvergleich (etwa mit dem Fernbus oder dem Auto) bewusst verzichtet und haben die Zahlen der Deutsche Bahn darauf hin überprüft, ob sie die Realität des Bahnreisenden widerspiegelt. Aus unserer Sicht hatte dieser Ansatz für die Zuschauer einen höheren Mehrwert – zumal andere Verkehrsmittel für viele Bahnkunden keine realistische Alternative sind.

Welche Musik wurde beim Hygiene-Check gespielt?

Der Titel, der bei der Grundreinigung des Zuges zu hören ist, lautet „War“ von Edwin Starr.

Nach welchen Kriterien wurden die Toiletten überprüft?

Bei der Überprüfung der Toiletten haben wir uns angeschaut, ob Toilettenpapier, Seife und Papier zum Händeabtrocknen vorhanden waren. Außerdem wurde der Gesamteindruck bewertet. Laut Deutscher Bahn werden Züge am Zielbahnhof einer sogenannten Wendereinigung unterzogen, bevor sie ihre Fahrt wieder fortsetzen. Um die Zugtoiletten fair beurteilen zu können, haben wir deshalb ausschließlich Züge berücksichtigt, die gerade auf die Strecke gegangen sind.

Was ist so schlimm an einer Keimbelastung der Tische?

Da die Deutsche Bahn laut eigener Aussage großen Wert auf die Sauberkeit ihrer Bordbistros legt, war es aus unserer Sicht legitim, die Keimbelastung der Tische zu überprüfen. Bei den Keimproben haben wir berücksichtigt, dass an einem öffentlichen Ort keine „keimfreie“ Umgebung zu erwarten ist. Laut dem von uns beauftragten Labor erlaubt der Grad der Keimbelastung aber einen gewissen Rückschluss darauf, wie gründlich die Tische gereinigt wurden. Laut Labor-Ergebnis war die Keimbelastung an sechs von zehn überprüften Tischen dabei so hoch, dass man von Mängeln bei der Reinigung oder Desinfektion sprechen konnte.

Wie konnte das Luftschiff schneller sein als der Zug?

Wie im Film erwähnt, geht es die Bahn auf der ausgewählten Strecke sehr langsam an. Sie musste außerdem während ihrer Fahrt einen Stopp einlegen, um einen entgegenkommenden Zug vorbeizulassen. Trotzdem kam sie immer noch „pünktlich“, also fahrplanmäßig, am Zielbahnhof an. Es ist also davon auszugehen, dass es sich hier um die übliche durchschnittliche Geschwindigkeit dieses Zuges handelte. Das Luftschiff ist immer so nah wie möglich an den Gleisen entlang geflogen – natürlich ohne Zwischenhalte. Mit der Verbindung Oberstdorf – Sonthofen haben wir bewusst eine Strecke ausgesucht, die den Alltag vieler Bahnkunden widerspiegelt – und das ist nun mal nicht eine Fahrt mit dem ICE. Die Verbindung ist ein Teilstück einer recht stark frequentierten Strecke. Nach Aussage von Pro Bahn Bayern fährt hier im Durchschnitt alle 30 Minuten ein Zug. Neben Nahverkehrzügen gehören dazu auch zwei ICs von und nach Dortmund bzw. Hamburg. Es handelt sich also um eine regelmäßig befahrene Strecke, auf der die Bahnkunden eine angemessene Geschwindigkeit erwarten dürften. Pro Bahn listet diese Verbindung allerdings als eine der langsamsten Bahnstrecken Bayerns auf. Wir haben uns daraufhin gefragt, wie es im Jahr 2014 immer noch Bahnstrecken geben kann, auf denen derart langsam gefahren wird. Also haben wir anhand dieses Extrembeispiels unseren Versuch unternommen. Und gegen ein Luftschiff, das rund 30 km/h fliegen kann, sollte die Bahn u.E. eigentlich nie verlieren – auch, wenn sie zwischendurch einige Halte einlegen muss.

Was verstehen Sie unter dem Tempoversprechen der Deutschen Bahn?

Die Bahn wirbt gerne mit schnellen Verbindungen und lenkt oft den Fokus auf gut ausgebaute Neubaustrecken, auf denen Spitzengeschwindigkeiten gefahren werden. Wir wollten sehen, wie diese Darstellung des Unternehmens mit der Realität zusammenpasst, die ein großer Teil der Bahnkunden tagtäglich erlebt. Wie an mehreren Beispielen gezeigt, sieht die häufig anders aus.

Warum wurde die Bahnreform nicht thematisiert?

Die Bahnreform und vor allem den Aspekt „Trennung von Netz und Betrieb“ haben wir in der Redaktion intensiv besprochen. Wir haben uns letztlich entschieden, dies im Film indirekt zu thematisieren, indem wir aufzeigen, wie sich verkehrspolitische Entscheidungen ganz konkret auf den Alltag der Bahnreisenden auswirken. Schäden an der Infrastruktur oder der Rückbau von Gleisen sind nämlich aus Sicht vieler Experten eine direkte Konsequenz der Bahnreform bzw. der damaligen Vorbereitung auf den (dann abgesagten) Börsengang.

Warum wurde die CO2-Bilanz der Bahn nicht mit der anderen Verkehrsmitteln verglichen?

Warum wurde die CO2-Bilanz der Bahn nicht mit der anderen Verkehrsmitteln verglichen?

In einem 45-minütigen Film kann man nicht auf alle Aspekte eingehen. Vor allem aber war unser Film ein Check des Anbieters „Deutsche Bahn“ und nicht einer des Verkehrsmittels Eisenbahn.