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Der Nestlé-Check (1)

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Der Nestlé-Check (1) | Video verfügbar bis 21.09.2020

Nestlé – der Lebensmittelmulti, dessen Sortiment von Maggi-Würze über Wagner-Pizza bis zu Babymilchpulver reicht und auf der ganzen Welt vertreten ist. Diesen Giganten nehmen wir im Nestlé-Check genauer unter die Lupe und fangen mit dem Preis an.

Check: Preis

Insgesamt wird es dazu drei Check-Aufgaben geben. Die erste in unserem Nestlé-Camp, wo sechs Testpersonen gemeinsam für eine Woche wohnen und nur Nestlé-Produkte zu sich nehmen dürfen. 25 Produkte sollen gekauft werden. Von Kakao über Schinken bis hin zu Nudeln.

Eine Gruppe kauft diese Produkte von Nestlé: Team Schnäppchen. Das dreiköpfige Team muss in aktuellen Prospekten nach Sonderangeboten suchen, damit der Warenkorb möglichst günstig wird. as zweite TeamTeam Billig - soll die Produkte günstig nachkaufen, also in Discountern und Supermärkten sehr ähnliche Produkte finden.

Der Nestlé-Warenkorb kostet ohne Angebote 64,02 Euro – welches der beiden Teams kann die Kosten am meisten drücken? Team Schnäppchen ist trotz eifriger Suche nicht so erfolgreich und spart lediglich 5,28 Euro, aber Team Billig bekommt den Warenkorb mit ähnlichen Produkten für nur 27,28 Euro.

Unser Fazit: Trotz Angeboten war bei Nestlé kaum etwas zu sparen. Dagegen waren die Produktalternativen nur halb so teuer. Deshalb ist Nestlé in unserer ersten Check-Aufgabe: durchgefallen. Bleibt abzuwarten, wie Nestlé bei den weiteren Check-Aufgaben zum Thema Preis in Folge 2 abschneiden wird.

Nach Ausstrahlung des Films hat uns die Firma J.J. Darboven darauf aufmerksam gemacht, dass der Warenkorb unseres Preischecks mit dem Kaffee der Marke Mövenpick ein Produkt enthielt, das nicht zu Nestlé gehört. Wir bedauern, dass uns nicht vorher aufgefallen ist, dass Nestlé zwar z.B. Eis der Marke Mövenpick vertreibt, aber nicht alle Mövenpick-Produkte. Wir haben inzwischen die betreffenden Checks neu ausgewertet – ohne dass sich dadurch grundsätzlich am Ergebnis etwas geändert hat.

Check: Geschmack

Aber vielleicht schmecken die Nestlé-Produkte ja viel besser als die der Billig-Konkurrenz? Wir bitten zur Blindverkostung – heißt: die Probanden bekommen die Verpackungen nicht zu sehen. Die erste von vier Check-Aufgaben zum Thema Geschmack. Am Kölner Rheinufer bauen wir unsere Teststation auf. Wir haben von zwölf Produkten jeweils das Nestlé-Produkt und eine Billig-Version zum Probieren bereitgestellt.

Passanten geben ihr Urteil ab

Passanten testen Katroffelpüree

Wir fragen Passanten, welches Produkt ihnen besser schmeckt. Die Tester probieren Kartoffelpüree, Eis und Co von Nestlé und in der Billig-Version und geben ihr Geschmacksurteil ab. Das Ergebnis: in fünf von neun Fällen hat das Billigprodukt gewonnen, zweimal gab es ein Unentschieden.

Unser Fazit: Ein Punkt Vorsprung für die Billigprodukte. Damit hat Nestlé auch diese Check-Aufgabe nicht bestanden.

Und direkt geht es mit der nächsten Check-Aufgabe zum Thema Geschmack weiter: Wir sind zurück im Nestlé-Camp und nehmen uns die Nestlé-Marke Maggi vor, die vor allem durch Würzmischungen bekannt geworden ist. Maggi-Fix gibt es in unzähligen Varianten. Die Idee: für jeden Tag ein neues Gericht - ob Chili con Carne oder ungarisches Geschnetzeltes. Drin steckt aber immer nur ein Pulver. Wir wollen wissen: Kann man die Maggi-Fixe überhaupt auseinanderhalten, wenn man nicht weiß, was was ist?

Ist ein Unterschied bei Maggi Fix herauszuriechen?

Pulver im Geruchstest

Wir haben das Pulver von neun verschiedenen Maggi-Fixen in Schälchen gefüllt und bitten unsere Camp-Bewohner, das Pulver den Verpackungen zuzuordnen. Sie riechen und probieren zunächst das Pulver im Trockenzustand, ordnen die Schälchen den Gerichten zu und gießen in einer zweiten Runde die Pulver mit Wasser auf und korrigieren ihre Zuordnung. Das Ergebnis: sechs von neun erkannt. Schmeckt also doch nicht alles gleich.

Unser Fazit: Die Camp-Bewohner konnten den Großteil der Gewürzzubereitungen erkennen. Daher hat Nestlé die zweite Geschmacks-Aufgabe bestanden. Weitere Aufgaben warten in Folge 2 unseres Nestlé-Checks!

Check: Fairness

Nestlés Tochterfirma Purina fertigt Tierfutter. Auf der Zutatenliste eines Hundefutters der Marke Beneful ist ausgewiesen: Propylenglykol. Und das ist der Hauptbestandteil vieler Frostschutzmittel. Kann man fies für seinen Hund finden. Doch nüchtern betrachtet ist Propylenglykol als Konservierungsstoff erlaubt. Dann aber erfahren wir von mehreren traurigen Fällen in den USA. Das Futter Beneful von Purina soll dort bei Hunden zu Leber- und Nierenversagen führen und den Hunden einen qualvollen Tod bescheren – das jedenfalls befürchten zahlreiche Hundebesitzer.

Sammelklage gegen Nestlé-Tochterfirma

Kann das Hundefutter von Nestlé schädlich sein?

In einer Sammelklage gehen sie gegen Purina von Nestlé vor, unter anderem hat der Anwalt der Kläger das Futter testen lassen. Demnach habe man Propylenglykol in Industriequalität im Futter gefunden – das sei günstiger als die für Tierfutter vorgesehene Qualität und mehr Verunreinigungen seien möglich. Zudem wurden laut Anwalt Arsen, Blei und Schimmelpilzgifte gefunden.

Doch Nestlé erklärt, dass Beneful kein Glykol in Industriequalität enthalte und auch keine schädlichen Mengen von Schimmelpilzgiften, Blei und Arsen. Als wir nach den Zulieferern für das Hundefutter fragen, will Nestlé die aber nicht nennen – und versichert nur, "... dass all unsere Lieferanten sich zur Einhaltung der strikten Standards der Zutatenspezifikationen, der Produktsicherheit, der Hygiene und der Herstellungspraktiken verpflichten müssen."

Extra: Wie gefährlich ist das Hundefutter von Nestlé? | Video verfügbar bis 21.09.2020

Klingt ziemlich pauschal und ist für uns keine überzeugende Argumentation, um diesen schwerwiegenden Verdacht aus dem Weg zu räumen. Daher bleiben uns Zweifel, ob Nestlé so verantwortungsvoll handelt, wie behauptet.

Unser Fazit: Das Verhalten von Nestlé bei der Hundefutter-Produktion für die USA und der anschließende Umgang mit den Vorwürfen sind: fragwürdig!

Wasser als lukratives Geschäft

Um Fairness geht es auch bei unserem letzten Check-Teil: Wasser ist für Nestlé ein ausgesprochen lukratives Geschäft. Seit Jahren kauft der Konzern weltweit Wasserrechte auf – auch in Dürregebieten wie Kalifornien, Pakistan oder Südafrika. Viele kritisieren: Nestlé mache eine knappe Ressource zu Geld, indem es Wasser in Flaschen abfülle und teuer verkaufe.

Der Präsident der Region sieht sich ein Nestlé-Video an.

Nestlé sagt, man decke nur den Bedarf der Kunden und schaffe zudem Arbeitsplätze und Werte für die Gesellschaft. Dazu präsentiert Nestlé beispielsweise in einem Werbevideo ein Dorf in Mexiko, in dessen Umfeld der Konzern zwar Wasser abpumpe, dafür aber auch der Region eine bessere Infrastruktur biete und die Menschen mit Lebensmitteln und Decken versorge.

"Unsere Region bleibt auf ihren Problemen sitzen"

Wir wollen wissen, was dran ist, reisen in die Region nahe von Mexiko-City. Dort sprechen wir mit vielen Bauern, Bewohnern und Politikern der Region und bekommen ein anderes Bild. Demnach diene die verbesserte Infrastruktur etwa vor allem Nestlé selbst und individuelle Hilfe haben anscheinend die allermeisten auch nicht bekommen. Der Präsident der Region Tlahuapan, Joel Diaz Ramirez, drückt das so aus: "An dem Tag, an dem Tlahuapan nicht mehr dieses Wasservorkommen hat, werden sie bei Nestlé sagen: ‚Man sieht sich, wir suchen uns einen anderen Ort.‘ Und unsere Region bleibt auf ihren Problemen sitzen."

Unser Fazit: Nestlé hat diesen Check-Teil zum Thema Fairness: nicht bestanden!

Ein Film von Rebecca Gudisch, Melanie Jost und Matthias Fuchs

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Mo, 21.09.15 | 20:15 Uhr
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Die kommende Folge

Der Discounter-Check