Aroma-Lüge: Chemie statt Frucht

Aromastoffe
Was verbirgt sich hinter Aromastoffen aus dem Labor?

Nicht selten sind von den leckeren Früchten – obwohl auf der Verpackung abgebildet – nur wenige im Produkt. Der Geschmack kommt vielmehr von Aromen aus dem Labor. "Vorsicht, Verbraucherfalle!" erklärt, was sich dahinter verbirgt.

Nur verarbeitete Lebensmittel dürfen überhaupt mit Aromen versetzt werden. Für die Hersteller bringen die Aromastoffe nur Vorteile. Die fast 2.700 physikalisch-chemisch, gen- oder biotechnologisch hergestellten Aromen garantieren beispielsweise den gleich bleibenden Geschmack der Produkte. Aromastoffe als Zutaten werden nach ihrer Herkunft unterschieden:

Aroma:

Aromastoffe
Steht nur Aroma drauf, bleibt vieles unklar.

Steht in der Zutatenliste nur Aroma, ist davon auszugehen, dass es synthetisch hergestellt wurde. Man erfährt dabei nicht, ob das betreffende Aroma einem in natürlichen Lebensmitteln vorkommenden Stoff nachgebaut wurde oder gar kein Vorbild in der Natur hat. Früher wurde da noch zwischen künstlichen und naturidentischen Aromen unterschieden, diese Differenzierung kennt das Lebensmittelrecht jedoch nicht mehr.

Natürliches Aroma oder natürlicher Aromastoff

Grafik Aromastoffe
Auch ein Schimmelpilz ist natürlich.

Diese Aromen müssen natürlicher Herkunft sein, aber nicht unbedingt aus einem Lebensmittel. Sie können aus pflanzlichen oder tierischen Ausgangsstoffen und sogar aus Mikroorganismen wie Schimmelpilzen gewonnen werden.

Anforderungen an den Begriff "natürlich" laut Artikel 16 der europäischen Aroma-Verordnung (EG) Nr. 1334/2008:

  • "(2) Der Begriff 'natürlich' darf zur Bezeichnung eines Aromas nur verwendet werden, wenn der Aromabestandteil ausschließlich Aromaextrakte und/oder natürliche Aromastoffe enthält."

Beispiel:

Aromastoffe
Eine ganz neue Entdeckung: Weißkohl – versetzt mit Glukose und Salz – ergibt nach einem Reifeprozess einen Stoff, der ein Ananas-Aroma hat.

  • Himbeer-Aroma lässt sich aus Zedernholz oder mithilfe von Essigsäurebakterien aus Hopfen gewinnen.
  • Erdbeer-Aroma wird häufig aus Buchweizenstelzen gewonnen.
  • Apfel-Aroma wird gerne aus Weinfuselöl, Tagetesöl und Hefeöl-Destillat gewonnen – und mit einem Schuss biotechnologisch hergestelltem Äthylacetat abgerundet.
  • Vanille-Aroma wird häufig aus Reiskleie gewonnen.
  • Um ein Pfirsich-Aroma zu erreichen, wird neben anderen Stoffen Rizinusöl verwendet.
  • Die Geschmacksrichtungen Kokos, Nuss oder Bratkartoffel lassen sich "natürlich" herstellen – mittels Schimmelpilzkulturen.

Natürliches Fruchtaroma

Anforderungen an den Begriff "natürlich" laut Artikel  16 der europäischen Aroma-Verordnung (EG) Nr. 1334/2008:

  • (4) Der Begriff "natürlich" darf in Verbindung mit einer Bezugnahme auf ein Lebensmittel, eine Lebensmittelkategorie oder einen pflanzlichen oder tierischen Aromaträger nur verwendet werden, wenn der Aromabestandteil ausschließlich oder mindestens zu 95 Gewichts-Prozent aus dem in Bezug genommenen Ausgangsstoff gewonnen wurde.

Extrakte

Bei der Extraktion werden die Aromastoffe durch die so genannte Extraktion mit Lösungsmitteln wie Wasser oder Alkohol aus dem Naturprodukt herausgezogen. Für die Herstellung von Vanilleextrakt aus Vanilleschoten wird zum Beispiel Alkohol verwendet.

Fazit:

Nur wenn die Zutatenliste keine Aromen ausweist, stammt der Geschmack vollständig aus den verwendeten Lebensmitteln. Wird der Begriff natürliches Fruchtaroma in Bezugnahme auf ein Lebensmittel verwendet, müssen zumindest 95 Prozent des Aromas aus diesem Lebensmittel gewonnen sein. Und steht nur "natürlich" drauf, braucht es schon den genauen Blick in die Zutatenliste, um herauszufinden, was eigentlich drin steckt.

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