Regionale Lebensmittel

Was ist den Herstellern erlaubt?

Genuss aus der "Region": Was verbirgt sich dahinter?
Genuss aus der "Region": Was verbirgt sich dahinter?

Wer bestimmt, was "regional" ist?

Für verarbeitete Produkte schreibt das Gesetz keine Angaben zum Herkunftsland vor. Es genügt die Information, für wen das Produkt hergestellt beziehungsweise wo es verpackt wurde.

Beispiele:

  • Fruchtaufstrich: Hersteller müssen nicht angeben, woher das Obst kommt.
  • Bei Milchprodukten muss der Hersteller nicht angeben, woher die Zutaten stammen. Der Hersteller muss ebenfalls nicht genannt werden. Lediglich die Veterinärkontrollnummer gibt Auskunft über das Unternehmen, in dem die letzte Verarbeitung stattgefunden hat.

Verbraucherschützer fordern einen rechtsverbindlichen Rahmen für die Kennzeichnung regionaler Lebensmittel und deren Bewerbung. Sie fordern rechtsverbindliche Kriterien und unabhängige Kontrollen der Siegelvergabe. Produkte, die mit regionaler Herkunft beworben werden, sollten nach Meinung der Verbraucherschützer mindestens zu 95 Prozent aus regionalen Zutaten bestehen.
Mehr Infos: http://www.verbraucher.de/regionale-lebensmittel

Welche Kennzeichnung regionaler Lebensmittel gibt es? Wie verbindlich sind sie?

EU-Gütezeichen
EU-Gütezeichen: Was bedeuten sie?

EU-Gütezeichen

Die Europäische Union verfügt über drei EU-Gütezeichen zu geografischen Angaben, die kleinräumige geografische Gebiete festlegen. Diese drei Siegel sehen sich aber zum Verwechseln ähnlich. Für den Verbraucher verwirrend. Hinzu kommt, dass nur eines der drei Zeichen, die "geschützte Ursprungsbezeichnung", den Erwartungen von Verbrauchern wirklich gerecht wird, weil es über die gesamte Kette von der Erzeugung der Rohstoffe bis zum fertigen Produkt Auskunft gibt.

EU-Gütesiegel – Was sie aussagen und wer sie tragen darf"

Informationen der Europäischen Kommission

Label "Regionalfenster"

Eier mit dem "Regionalfenster"
Eier mit dem "Regionalfenster"


Die blau-weiße Kennzeichnung wurde zu Beginn des Jahres offiziell in ganz Deutschland eingeführt. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium tragen inzwischen 2400 Lebensmittel von rund 300 Unternehmen das Label.

Mehr zum Label "Regionalfenster"

Herkunftszeichen der Bundesländer

Auf Ebene der Bundesländergibt es in Deutschland eine breite Vielfalt an Herkunftszeichen. Die Kriterien sind sehr unterschiedlich. Nicht immer müssen die Rohstoffe aus der genannten Region kommen, obwohl genau das von vielen Verbrauchern erwartet wird. Es kommt hinzu, dass sich diese Label kaum im Handel finden.

Regionalvermarktungsinitiativen

Verschiedene Regionalvermarktungsinitiativen kennzeichnen Lebensmittel mit eigenen Siegeln. Die Vielfalt ist sehr groß und für den Laien kaum zu überschauen.

Markennamen und Claims

Hersteller und Handel agieren mit Markennamen und Claims, die ihre Produkte in Bezug zu einer Stadt oder einer Region setzen. Das kritisieren Verbraucherschützer, weil jeder Hersteller die Qualitätskriterien für seine Marke selbst festlegen kann. Das Markengesetz macht es möglich. Es erlaubt Herstellern, sich eine geografische Herkunftsbezeichnung als eigene Marke schützen zu lassen, ohne dass ihr Produkt einen bestimmten Bezug zu der Herkunftsregion haben muss. So gibt es im Markenrecht keine Vorschriften, dass die Rohstoffe aus der Region stammen oder dort verarbeitet werden müssen.

"Als geographische Herkunftsangaben geschützte Namen, Angaben oder Zeichen"
§ 126 des Markengesetzes im Wortlaut, Infos des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz 

Welche Produkte mit regionalen Herkunftsbezeichnungen sehen Verbraucherschützer kritisch?

Produkte, über die sich Verbraucher beschweren, veröffentlicht das Portal Lebensmittelklarheit.

Infos des Internetportals Lebensmittelklarheit

Ökotest hat aktuell über 100 Lebensmittel unter die Lupe genommen. Die Produktpalette ist groß:  Von Eiern, Wurst, Fisch und Teigwaren bis zu Milchprodukten, Brotaufstrichen, Saft und Gemüse.

"Test: Regionale Produkte - Regional? Außerirdisch!"
Dossier der Zeitschrift Ökotest 2014

Die Stiftung Warentest hat Hersteller von Milch, Saft und Eiern besucht und die als regional beworbenen Produkte im Labor untersucht. 

"Regionale Lebensmittel - Werbung oder Wahrheit?"
Test der Stiftung Warentest 2013, kostenpflichtiger Download

Was erwarten Kunden, wenn es um regionale Produkte geht?

  • Eine Umfrage der Verbraucherzentralen ergab, dass mehr als 50 Prozent der Kunden regionale Lebensmittel bevorzugen. Davon sind rund 75 Prozent der Verbraucher bereit, für regionale Lebensmittel mehr zu zahlen. Bedingung für die Verbraucher ist, dass die regionale Kennzeichnung auch vertrauenswürdig ist.
  • Dieselbe Umfrage zeigt, dass Verbraucher 20 Prozent Preisaufschlag akzeptieren, wenn sie nachprüfen können, dass das Produkt aus regionaler Erzeugung stammt.
  • Wie verstehen Verbraucher regionale Werbung? Für drei Viertel ist nach der Umfrage der Verbraucherzentralen die regionale Herkunft der Rohstoffe das wichtigste Kriterium beim Kauf von Regionalprodukten.
  • Ländersymbole schüren Herkunftserwartungen. Wählt ein Hersteller für sein Produkt eine landestypische Flagge und ländertypische Farben, vertrauen rund 65 Prozent der Befragten darauf, dass das Produkt aus diesem Land stammt. Die Herkunftserwartung betrifft sowohl die Zutaten als auch die Herstellung.
  • Bei frischem Obst und Gemüse achten Verbraucher besonders stark auf regionale Herkunft - 80 Prozent legen Wert auf Produkte aus der Nähe.Bei Fleisch und Wurst sind es immerhin 58 Prozent, bei Milchprodukten 51 Prozent und bei Getreideerzeugnissen wie Brot 43 Prozent. Ganz anders bewerten Verbraucher Obst und Gemüse aus der Konserve oder Tiefkühltruhe, hier achten nur 12 Prozent auf regionale Herkunft.
  • Warum kaufen Verbraucher regionale Lebensmittel? Die meisten wollen die Wirtschaft vor Ort stärken, insgesamt 88 Prozent. Auf Umweltschutz hoffen 72 Prozent. Zwei Drittel glauben, regionale Ware sei frischer. 

"Regionale Lebensmittel = Rohstoffe aus der Region"
Umfrage des Internetportals Lebensmittelklarheit

"Regionale Lebensmittel: Das erwarten die Verbraucher"
Umfrage der Stiftung Warentest

"Ländersymbole schüren Herkunftserwartungen"
Studie des Internetportals Lebensmittelklarheit zum Download