Tipps zum Gebrauchtwagenkauf

Gebrauchtwagen Kaufvertrag
Gebrauchtwagenkauf – So sorgen Sie für Rechtssicherheit im Streitfall.

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland rund sieben Millionen Gebrauchtwagen verkauft. Im Schnitt hatten die Fahrzeuge bereits knapp 80.000 Kilometer hinter sich, so stand es zumindest auf den Tachos. Doch die Polizei schätzt, dass etwa bei jedem Dritten Gebrauchten der Tachostand manipuliert und der Wagen damit deutlich weniger wert ist. Und es lauern noch weitere Risiken: Von übertünchten Schäden über verschwiegene Unfällen bis hin zum gefälschten Scheckheft. Wer daher beim Kauf von privat oder beim Händler auf Nummer sicher gehen will, sollte einiges beachten.

Privatkauf oder beim Händler

Die Preise von privaten Verkäufern und von Händlern unterscheiden sich kaum noch, wenn man im Internet die Angebote vergleicht. Häufig sind Händler sogar günstiger. Dabei hat der Käufer beim gewerblichen Verkäufer sogar den Vorteil der gesetzlichen Sachmängelhaftung. Der Händler muss also für Mängel haften, die der private Verkäufer ausschließen kann. Bei Gebrauchtwagen kann der Händler die gesetzliche Frist von zwei Jahren nur auf ein Jahr verkürzen.

Manch unseriöser Hinterhof-Händler versucht sich um die Gewährleistung zu drücken, indem er Autos "im Kundenauftrag" verkauft oder versucht, sich durch Klauseln wie "gekauft wie gesehen" vor Gewährleistung zu drücken. Es gilt: Besser Finger weglassen!

Vorsicht Betrüger

Auch Kriminelle nutzen die Anonymität des Netzes aus. So gab es schon Fälle, dass Käufer von angeblichen Verkäufern um das mitgeführte Bargeld beraubt wurden. Das angebliche Auto gab es nie und die Täter verschwinden unerkannt und nicht auffindbar. Bei größeren Kaufsummen sollte man die Bezahlung nach Übergabe des Fahrzeugs zu üblichen Öffnungszeiten in einer Bank erledigen, empfiehlt die Polizei.

Prüfen Sie die Papiere

Ist Ihr Vertragspartner tatsächlich der Eigentümer? Lassen Sie sich Fahrzeugbrief und Personalausweis zeigen. Vergleichen Sie die Namen. Sind alle Sonderausstattungen in den Fahrzeugpapieren eingetragen?

Das Scheckheft – wenn es irgendwie wie neu aussieht

Gebrauchtwagenkauf
Gibt es die Werkstatt wirklich? Und warum sieht das angeblich mehrere Jahre alte Serviceheft aus, wie frischgedruckt?

Das Scheckheft gibt – zumindest in Ansätzen – Auskunft darüber, inwieweit die Vorbesitzer das Fahrzeug gepflegt haben, doch Vorsicht: Auch vor Scheckheft-Fälschungen schrecken windige Verkäufer nicht zurück. Schauen Sie sich das Heft daher genau an. Entspricht sein Zustand seinem Alter oder wirkt es auffällig neu? Handelt es sich um ein Ersatz-Serviceheft oder findet sich dort immer die gleiche Unterschrift, ist ebenfalls Vorsicht geboten.

Sind Sie unsicher, können Sie beispielsweise im Internet schauen, ob es die angegebenen Werkstätten überhaupt gibt. Und Sie können die Angaben mit den Aufklebern von Öl- und Zahnriemenwechsel vergleichen. Widersprechen sich die Angaben, können Sie schon fast sicher von einer Manipulation ausgehen.

Achten Sie auf Tachomanipulationen

Tacho
Tachomanipulationen sind erschreckend einfach, schnell und preiswert zu bekommen.

Experten gehen davon aus, dass bei jedem dritten Gebrauchten der Tachostand manipuliert wurde. Die Trickser bedienen sich modernster Technik bei der Manipulation und ändern teilweise sogar die Kilometerstände in den Steuergeräten. Doch wer genau hinschaut, kann trotzdem so manche Manipulation erkennen. Unsere Checkliste hilft Ihnen dabei.

Bei einer Probefahrt kann man feststellen, ob der Wagen den eigenen Vorstellungen wirklich entspricht. Außerdem lassen sich Mängel entdecken. Der Autohändler haftet, wenn bei der Besichtigung oder der Probefahrt etwas kaputtgeht. In aller Regel ist er dagegen versichert, zumindest bei leichter Fahrlässigkeit.

Grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz ist wie bei fast allen Vollkaskoversicherungen ausgeschlossen. Besteht kein Versicherungsschutz, muss der Händler darauf hinweisen! Wer einen Wagen von privat kauft, muss aufpassen! Dann haftet man als Fahrer für Beschädigungen bei der Probefahrt.

Gebrauchtwagencheck – gut investiertes Geld

Die Probefahrt kann und sollte mit einem Besuch bei einem Kfz-Gutachter einer Prüforganisation oder eine Automobil-Clubs verbunden werden. Gebrauchtwagen-Checks kosten zwischen 80 und 120 Euro, gut investiertes Geld um einen teuren Reinfall zu vermeiden. Der Verkäufer sollte aber über den geplanten Check informiert werden.

Autowerkstatt
Der Blick eines Profis unter den Wagen und in den Motorraum kann vor einer bösen Überraschung schützen.

Gewährleistung – Händler haftet für Mängel

Ein Händler ist, unabhängig von einer eventuell angebotenen Gebrauchtwagengarantie, zu einer mindestens 12-monatigen "Sachmängelhaftung" verpflichtet (er kann die eigentlich für zwei Jahre geltende Gewährleistung auf ein Jahr verkürzen). In den ersten sechs Monaten gilt außerdem  eine sogenannte Beweislastumkehr: Im Fall des Falles müsste der Händler nachweisen, dass der Mangel bei Fahrzeugübergabe noch nicht vorhanden war (was in der Praxis kaum feststellbar ist). Danach hat der Käufer zu beweisen, dass der Mangel von Anfang an vorhanden war.

Macht der Händler falsche Angaben oder verschweigt er einen Mangel arglistig, hat das Auswirkungen auf die Gewährleistung. Die Frist kann dann auf drei Jahre steigen. Mit der Klausel "Gekauft wie besichtigt" können sich Händler nicht mehr herausreden. Der Privatverkäufer hingegen kann die Sachmängelhaftung im Kaufvertrag ausdrücklich ausschließen.

Gebrauchtwagen
Vorsicht vor vermeintlichen Schnäppchen

Weitere Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

  • Anzeigen in Lokalzeitungen und im Internet: Autobörsen im Internet sind bei der Suche erste Wahl. Doch Opas topgepflegtes Gebraucht-Schnäppchen findet sich manchmal eher in der Lokalzeitung.
  • Zeit nehmen: Lassen Sie sich nicht von drängelnden Verkäufern hetzen, vergleichen Sie mehrere Angebote.
  • "Graue Mäuse" sind preiswerter: Es muss nicht immer eine der beliebtesten Automarken Deutschlands sein – sie sind begehrt, deshalb immer teurer. Ein Blick auf die Konkurrenz kann sich lohnen, die bauen auch gute Autos.
  • Überprüfen Sie den Zustand: Hat sich der Vorbesitzer um die Wartung gekümmert? Sind wichtige Verschleißteile erneuert?
  • Folgekosten vor dem Kauf bedenken: Was kosten Verschleißteile, wie teuer kommen Steuer und Versicherung?
  • Werterhalt prüfen: Was nutzt die vermeintliche Ersparnis, wenn Modelle eine schlechte Restwertprognose haben. Schauen Sie deshalb beispielsweise in der Schwacke-Liste oder bei DAT, wie sich der Wertverlust entwickelt. Manche Gebrauchte lassen sich auch noch mit zehn und mehr Jahren ganz ordentlich verkaufen, andere sind eher nur noch für die Schrottpresse.
  • Kaufvertrag: Bestehen Sie auf einen ausführlichen Kaufvertrag.Muster dafür gibt es zum Beispiel beim ADAC.

Der ADAC bietet außerdem eine umfangreiche Checkliste zum Downloaden an. Wer die Stück für Stück abarbeitet, verringert das Risiko eines Reinfalls.