Frucht-Lüge: So werden aus günstigen Cranberries teure Blaubeeren

Cranberries werden häufig "umgefruchtet".
Cranberries werden häufig "umgefruchtet". | Bild: SWR

Knallrote Erdbeeren, pralle Kirschen, saftige Aprikosen – damit locken die Hersteller auf der Verpackung. Doch in vielen Produkten steckt von den hochwertigen Früchten kaum etwas. Stattdessen sind günstige Äpfel, Rosinen oder Cranberries drin, die mit Farb- und Aromastoffen "umgefruchtet" werden. Die Reporter von "Vorsicht, Verbraucherfalle!" zeigen wie, günstige Cranberries zu teuren Pseudo-Kirschen und -Blaubeeren werden. Und testen mit einem eigenen Müsliriegel, wie die Fruchtillusion der Hersteller funktioniert.

Beispiele für umgefruchtete Produkte:

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Früchteriegel "Fruity Blaue Beere" von Schwartau: Aufgedruckt sind Brombeeren, Heidelbeeren und Holunder – und danach schmeckt der Riegel auch. Dabei stecken die abgebildeten Beeren gar nicht drin – nur etwas Saftkonzentrat. Ein Blick auf die Zutatenliste verrät: Der Riegel besteht zu 42 Prozent aus Sultaninen und zu 18 Prozent aus getrockneten Apfelstückchen.

- Beerensmoothie von Innocent: Geworben wird mit leckeren Brom-, Erd- und Johannisbeeren. Drin stecken nur drei Brombeeren, eine Erdbeere und 20 schwarze Johannisbeeren – das macht insgesamt einen Anteil von nur 17 Prozent aus. 80 Prozent des Getränkes besteht stattdessen aus einer Limette, Weintrauben, einem Apfel, einer halben Banane und einer Orange.

- Früchtedrink Mango-Maracuja von Müller: Der Geschmack stimmt – enthalten sind jedoch hauptsächlich Molke und Orangensaft.

Verbraucherschützer ärgern sich schon lange über diese Tricks der Lebensmittelunternehmen. Für die Firmen steht eine günstige Herstellung im Vordergrund. Sultaninen und Apfelstücke bieten sich dafür sehr gut an, da sie wenig kosten und geschmacksneutral sind. Auch die günstigen Cranberries werden gerne zum sogenannten Umfruchten benutzt.

Cranberries sind nicht nur günstiger als beispielsweise Kirschen oder Erdbeeren, sie sind auch das ganze Jahr über verfügbar und weniger empfindlich gegen Schädlinge und Trockenheit. Damit der Verbraucher aber glaubt, er esse eine andere Frucht, greifen die Unternehmen in die Trickkiste:

Wie Cranberries nach Kirschen schmecken

Roh sind Cranberries kaum genießbar. Um den Geschmack von Cranberries zu verändern, werden sie in ein Bad aus Fruchtsaft gegeben. Den saugen die Cranberries aufgrund ihrer Konsistenz richtiggehend auf. Anschließend werden die Cranberries getrocknet. Und schmecken dann nach dem Saft, in dem sie getränkt wurden.

Wie Hersteller den Irreführungsschutz bei Lebensmittelverpackungen umgehen

Der EuGh hat im Juni 2015 ein grundlegendes Urteil zum Irreführungsschutz bei Lebensmittelverpackungen erlassen. Darin heißt es: "Erweckt die Etikettierung eines Lebensmittels den Eindruck des Vorhandenseins einer Zutat, die tatsächlich nicht vorhanden ist, ist eine solche Etikettierung daher geeignet, den Käufer über die Eigenschaften des Lebensmittels irrezuführen."

Das heißt, dass die Verpackung eines Lebensmittels den Verbraucher nicht über die Zutaten in die Irre führen darf. Der Hersteller darf also nicht den Eindruck erwecken, dass eine Zutat vorhanden sei, die tatsächlich fehlt.

 Die Hersteller der betroffenen Produkte nutzen nun geschickt das Lebensmittelrecht. Sobald nur wenige Prozent einer bestimmten Frucht verarbeitet sind (z.B. 0,8 Prozent gefriergetrocknete Erdbeeren) dürfen die Früchte groß auf der Schauseite des Produkts abgebildet werden. Auch Saftkonzentrate gelten lebensmittelrechtlich als wesentliche Bestandteile einer Frucht. Das heißt, dass wenn z.B. 0,5 Prozent Heidelbeersaftkonzentrat in den Zutaten stehen, auf der Packung Heidelbeeren abgebildet werden dürfen.

Cranberry Ernte in Wisconsin Rapids
Cranberry Ernte in Wisconsin Rapids | Bild: SWR

Einige Hersteller argumentieren damit, dass sie bei der Gestaltung der Verpackung darauf achten, die Früchte auf der Verpackung  zu zeigen, nach denen der Riegel schmeckt. Schwartau z.B. schreibt uns, "die Früchte zu benennen, die auch geschmacklich dominierend sind".

Laut Verbraucherschützern ist es aber unmöglich, diese Geschmäcker aus z.B. 0,5 Prozent Saftkonzentrat zu generieren. Das könne nur über den Einsatz von Aromen funktionieren. Hierbei ist zu beachten, dass es verschiedene Arten von Aromen gibt:

  • Aroma: künstlich (chemisch-synthetisch) gewonnener Geschmack
  • Natürliches Aroma: aus natürlichen Stoffen gewonnener Geschmack (z.B. aus Holz, Hefe oder Schimmelpilzen)
  • Natürliches Fruchtaroma (z.B. natürliches Erdbeeraroma): tatsächlich aus der Frucht gewonnener Geschmack
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