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Bilder: Herstellung eines Pseudo-Kaschmir-Pullovers

Unsere Reporterin Hendrike wagt den Selbstversuch: Sie möchte selbst einen Kaschmir-Pullover produzieren. Dieser soll wie ein reiner Kaschmir-Pullover aussehen und sich auch so anfühlen – er wird aber nur 50 Prozent Kaschmir enthalten. Ob ihr das gelingt?

Unsere Reporterin Hendrike wagt den Selbstversuch: Sie möchte selbst einen Kaschmir-Pullover produzieren. Dieser soll wie ein reiner Kaschmir-Pullover aussehen und sich auch so anfühlen – er wird aber nur 50 Prozent Kaschmir enthalten. Ob ihr das gelingt?

Hendrike möchte selbst einen Pseudo-Kaschmir-Pullover herstellen. Von einem deutschen Edelhaarhändler besorgt sie sich Kaschmir. Der Pullover soll später aber nur zu 50 Prozent aus dem wertvollen Stoff bestehen – für die restlichen 50 Prozent soll günstige Schafswolle verwendet werden.

Allerdings hat Schafswolle extremere Schuppenspitzen als Kaschmir. Damit die Wolle wie täuschend echtes Kaschmir aussieht, muss sie deshalb chemisch verändert werden. Dafür wird ein bestimmtes Enzym zur Schafwolle gegeben, welches die Schuppenspitzen schonend abträgt.

Unter dem Mikroskop kann man die Veränderung gut erkennen: Die Oberfläche der Schafswolle ist durch das Enzym geglättet. Die Struktur der Schuppen ist zwar noch sichtbar, die scharfen Kanten sind allerdings verschwunden. Dadurch sieht die Schafswolle dem Kaschmir zum Verwechseln ähnlich und fühlt sich schön weich an.

In Carmignano, einem kleinen Ort in der Toskana, hat Hendrike eine Wollspinnerei gefunden, die aus der behandelten Schafswolle und dem echten Kaschmir einen Faden spinnen kann. Damit der Pullover einen schönen Farbton bekommt, wird dort noch etwas braun beigemischt.

In einer Maschine wird alles kräftig miteinander vermischt. Mit Hilfe von Schmiermitteln wird dann aus den Fasern ein Vlies hergestellt, aus dem wiederrum ein erster Vorfaden entsteht - dieser ist aber noch nicht reißfest.

Um das Garn reißfest zu machen, wird der Vorfaden kräftig verzwirbelt. In diesem Zustand kann er verstrickt werden. Für den Transport wird er noch auf Spulen gewickelt.

: Hendrike besucht eine kleine Strickerei in Thüringen. Dort soll ihr Pseudo-Kaschmir-Pullover fertiggestellt werden. Für den Pullover sucht sie sich eine edle Modellvorlage aus – mit U-Boot-Ausschnitt und Röllchen am Kragen. Der Pullover soll dadurch besonders hochwertig wirken.

In der kleinen Manufaktur werden sonst nur hochwertige Pullover hergestellt – keine billigen Kaschmir-Fälschungen. Für Hendrike wird eine Ausnahme gemacht. Der Pullover nimmt langsam aber sicher Form an. Es fehlt nur noch der edle Kragen.

Das ist er: der superweiche Pseudo-Kaschmirpullover. Für Laien ist nun nicht mehr spürbar, ob 100 Prozent oder nur 50 Prozent Kaschmir enthalten ist. Das zeigt sich auch bei einem kleinen Test von Hendrike: Alle Befragten hielten den Pullover für einen hochwertigen und reinen Kaschmir-Pullover.