Wissenswertes über Tierfutter

Juliane Zeisler lässt sich von Koch Jörg Färber die Zubereitung von Hundefutter erklären.
Autorin Juliane Zeisler bereitet mit dem Koch Jörg Färber Hundefutter zu.

Wie erkenne ich gutes Tierfutter?

Eine korrekte Deklaration und angemessene Werbeaussagen (Produktbeschreibung) sagen auch etwas über die Seriosität und Sachkenntnis des Herstellers aus. Dies kann durchaus auch als Qualitätsmerkmal eines Futters betrachtet werden.

Durch die Futtermittelverkehrsverordnung (EG-VO 767/2009) wird die allgemeine Kennzeichnungspflicht von Hundefutter geregelt. Sie fordert eine ganze Reihe an Mindestangaben. Für die Beurteilung eines Futtermittels sind die Art des Futtermittels, die analytischen Bestandteile und die verwendeten Inhaltsstoffe sowie Zusatzstoffe am wichtigsten.

Zutaten für Hundefutter: Süßkartoffeln, Möhren, Futterzellulose, Eierschalen, Öl, Seealgenmehl, Goji-Beeren, Innereien vom Huhn.
Mit diesen Zutaten kocht das Team Hundefutter.

Da der allgemeine Trend beim Hundefutter immer mehr in Richtung Naturnähe geht, erscheinen fast täglich neue Produkte – Alleinfutter wohlgemerkt (Alleinfuttermittel sind per Definition so zusammengesetzt, dass sie allein den kompletten täglichen Nährstoffbedarf des Tieres decken) – auf dem Markt, die angeblich frei von "künstlichen Zusatzstoffen" und "ganz natürlich" sind. Hier ist Vorsicht geboten, denn oft fehlen wichtige Nährstoffe (s. Stiftung Warentest März  2015).

Beispiel: Mindestanteil im Futtermittel

Aussage/BeschreibungGehalt der aufgeführten Inhaltsstoffe
Mit Huhngeschmack>0% aber weniger als 4% Huhn
Mit Huhn/enthält HuhnMindestens 4% Huhn
Reich an Huhn/mit viel Huhn/mit extra HuhnMindestens 14% Huhn
Huhn/Huhnmenü/HuhnmahlzeitMindestens 26% Huhn
Reines Huhn/Huhn pur100% Huhn (erlaubt sind aber Zusatzstoffe, Nährstoffergänzungen und Wasser)

Tabelle: Aussagen zur Auslobung einer bestimmten Zutat (am Beispiel Huhn) und der entsprechende Mindestanteil im Futtermittel. Rechtsgrundlage: VO 767/2009, FEDIAF Code of good labelling practice for pet food

Welche Mythen gibt es?

1. Der Fertigfutter-Mythos: Fertigfutter enthält nur Abfälle

Gerade in Bezug auf Fertigfutter kursieren die verrücktesten Gerüchte darüber, welche grauenhaften Inhalte sie haben können. Die Geschichten reichen von Müll über Gummireifen und Sägespänen bis hin zu eingeschläferten Haustieren. Meistens ist einfach nur von "Abfällen" die Rede. Aber was heißt das eigentlich?

Unsere Hunde sind in der Tat Resteverwerter der Nahrungsmittelherstellung. Schlachtabfälle, die für die Futtermittelherstellung verwendet werden, sind aber nicht als "Müll" zu betrachten. In erster Linie sind dies Innereien (z. B. Pansen, Euter, Lunge, Milz), Kopf- und Stichfleisch, sehnige Abschnitte und Ähnliches. Dies sind durchaus hochwertige Futtermittel, die theoretisch auch für den Menschen verzehrbar wären – wir wollen sie nur nicht essen.

Gesetzlich ist genau geregelt, was an Hunde verfüttert werden darf und was nicht. Die oberste Prämisse im Futtermittelrecht ist, das ein Futtermittel "sicher" sein muss, das heißt es darf keine Gefahr für die Gesundheit des Tieres bestehen, was bei der Verfütterung zum Beispiel betäubungsmittelhaltiger Haustiere der Fall wäre.

Autorin Juliane Zeisler im Gespräch mit Marketingexperte Jon Christoph Berndt.
Marketingexperte Jon Christoph Berndt erklärt die Verkaufstricks aus dem Tierfutterbereich.

2. Der Getreide-Mythos: Getreide ist ungesund und verursacht Allergien

Getreide ist derzeit das am negativsten angesehene Futtermittel. Dies kommt nicht nur durch die zahlreichen Gerüchte, die zu dem Thema kursieren, sondern wird auch durch geschicktes Marketing verstärkt. So ist der Stempel "Getreidefrei" mittlerweile ein Qualitätskriterium geworden – ohne dass es dafür tatsächlich eine wissenschaftliche Grundlage gäbe. Getreide ist per se nicht allergener als andere Futtermittel.

Dass es beim Hund häufiger Allergien gegen Getreide als gegen andere Futterbestandteile gibt, liegt lediglich daran, dass Getreide in den meisten kommerziellen Trockenfuttern sowie in Belohnungsleckerli enthalten ist. Entsprechend haben sehr viele Hunde Kontakt zu Getreide – eine Grundvoraussetzung für das Entstehen einer Allergie – sodass die Wahrscheinlichkeit einer Getreideallergie höher ist als bei anderen Futtermitteln, die weniger häufig verwendet werden.

Getreide allein verursacht also keine Allergien. Getreide ist nicht nur ein sehr wichtiges Grundnahrungsmittel des Menschen, sondern auch in Futtermitteln ein wichtiger Energieträger.

Auch dieser Mythos stimmt somit nicht.

3. Der Zusatzstoff-Mythos: Zusatzstoffe sind gesundheitsschädlich

Zusatzstoffe werden Futtermitteln aus den unterschiedlichsten Gründen zugesetzt. Man kann und sollte sie daher nicht alle über einen Kamm scheren und allgemein verteufeln. Zusatzstoffe sind eine große Gruppe und müssen auf Futtermitteln inklusive ihrer Funktionsgruppe deklariert werden. Die "technologischen Zusatzstoffe" sind zum Beispiel Konservierungsmittel, Antioxidantien, Verdickungs- oder Geliermittel.

Auf vielen Dosenfuttern findet man den Hinweis "ohne Konservierungsstoffe". Diese bewusste Auslobung erweckt den Eindruck einer Besonderheit, in Wirklichkeit ist es aber eher eine Selbstverständlichkeit, da die Konservierung über den Sterilisationsprozess erfolgt und ein Zusatz von Konservierungsstoffe daher nicht notwendig ist.

Die "sensorischen Zusatzstoffe" sind Farb- und Aromastoffe. "Zootechnische Zusatzstoffe" sind verdaulichkeitsfördernde Zusatzstoffe oder Darmflorastabilisatoren. Und die "ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe" sind Vitamine, Provitamine, Spurenelemente und Aminosäuren. Die sind wichtig und fast unerlässlich bei einem Alleinfutter. Die Auslobung "frei von jeglichen Zusatzstoffen" ist somit bei einem (Allein-)Futter, welches den kompletten Nährstoffbedarf des Tieres decken sollte, nicht ganz ungefährlich.

Womit darf geworben werden?

Neben der Kennzeichnungspflicht sieht der Gesetzgeber vor, welche (Werbe-) Aussagen hinsichtlich der Eigenschaften des Futtermittels getroffen werden dürfen, um den Verbraucher vor Täuschung und Irreführung zu schützen (§§19, 20 LFGB). Grundsätzlich gilt ein futtermittelrechtliches Irreführungsverbot. Danach dürfen Verbraucher durch Kennzeichnung, Werbung und Aufmachung von Futtermitteln nicht irregeführt werden.

Auch dürfen keine Aussagen gemacht werden, die sich auf die Beseitigung oder Linderung von Krankheiten oder auf die Verhütung solcher Krankheiten, die nicht Folge mangelhafter Ernährung sind, beziehen (dies gilt natürlich nicht für Diätfuttermittel). Erlaubt wäre also zum Beispiel "Vitamin A hilft bei Vitamin-A-Mangel", nicht erlaubt wäre "Vitamin A ist gut für die Haut, daher hilft es bei Pilzerkrankungen!".

Autorin Juliane Zeisler im Gespräch mit Fachtierärztin für Tierernährung Dr. Julia Fritz.
Juliane Zeisler im Gespräch mit Fachtierärztin Dr. Julia Fritz.

Wird ein sogenannter Health Claim gemacht, also eine gesundheitsbezogene Behauptung, muss dieser nachweisbar sein. Aussagen zu bestimmten Wirkungen des Futtermittels, die nach Erkenntnissen der Wissenschaft nicht bestehen bzw. nicht hinreichend gesichert sind, gelten als irreführend und sind verboten. Health Claims im Tierfutterbereich sind derzeit noch eine Grauzone. Werbung mit Bezeichnungen wie "Premium", "Hausmannskost" oder "a la cuisine" sind an keinerlei gesetzliche Vorgaben gebunden – diese Phantasiebezeichnungen sagen also per se nichts über die Qualität des Produktes aus.