Die Tricks der Altkleiderhändler – Lukrative Geschäfte mit gebrauchter Kleidung

Tricks der Altkleiderhändler
Unsere Reporterin Beate trifft Polizeihauptkommissar Günther Burkhard.

Sie stehen an jeder Straßenecke – Altkleidercontainer. Aber was passiert mit der Kleidung, die wir dort einwerfen? Viele Verbraucher glauben, sie unterstützen damit Notleidende. Doch das Geschäft  mit Altkleidern ist lukrativ und lockt zunehmend auch private Sammelunternehmen. Erfahren Sie hier, warum es so viele Container gibt, wo unsere abgelegten Kleider schlussendlich landen und wer daran alles verdient.

In Deutschland fallen mindestens 750.000 Tonnen Altkleider pro Jahr an. Der Anwalt Dr. Frank Wenzel aus Berlin, der sich seit mehr als zehn Jahren  mit der Altkleiderbranche beschäftigt, schätzt den Marktwert einer Tonne mit 300 bis 350 Euro ein. Es geht also um hunderte Millionen pro Jahr. Eine Summe, die Begehrlichkeiten weckt und findige Geschäftemacher auf den Plan ruft.

"Wildwuchs" bei Kleidercontainer

Tricks der Altkleiderhändler
Einfach abgestellt von "Unbekannt"

In Kleidercontainer eingeworfen, kommt ausrangierte Kleidung einem guten Zweck zugute. Das glauben viele. Doch bei vielen Blechkästen am Straßenrand ist gar nicht klar, wer sammelt. Keine Beschriftung, keine Angaben. Was steckt dahinter?

Andreas Voget vom Dachverband FairWertung kennt sich aus in der Branche. Er berichtet, dass es neben gemeinnützigen Organisationen und gewerblichen Sammlern zunehmend auch einen großen Anteil an illegalen Sammlungen, zum Beispiel durch wild aufgestellte Container, gibt.

Dabei handelt es sich beispielsweise um Container ohne jede Beschriftung auf unbebauten Grundstücken, an einer Straßenecke oder auch auf Parkplätzen. In der Regel liegt für diese Container keine Genehmigung vor.

Tricks der Altkleiderhändler
Mehr Schein als Sein!

Manchmal haben die Container auch Namen, die so ähnlich klingen, wie die von seriösen Hilfsorganisationen oder zumindest den Anschein erwecken, dass es sich um eine handelt. Ein weiterer Trick ist es, die Container mit einem Aufkleber zu versehen, auf dem  fälschlicherweise zu lesen ist, dass die Sammlung genehmigt sei.

Die Polizei ist weitestgehend machtlos

Wir treffen Polizeihauptkommissar Günther Burkhard aus Weiden. Auch er hat in den vergangenen Wochen zahlreiche Anrufe erhalten, weil plötzlich überall Altkleidercontainer aufgetaucht sind. Es ist eine richtige Seuche, der scheinbar nicht beizukommen ist. Die Polizei weiß meist nicht, wem die Container gehören: Oft ist kein Ansprechpartner angegeben, sondern nur eine Telefonnummer.

Doch dort ist dann niemand zu erreichen, sondern eine automatische Bandansage teilt beispielweise mit: "Die Voicemailbox des Teilnehmers ist voll. Bitte versuchen Sie es später noch einmal." So läuft die Polizei ins Leere. Mehr kann sie bei Privatgrundstücken nicht machen. 

Tricks der Altkleiderhändler
"Bitte versuchen Sie es später noch einmal."

Grundstücksbesitzer bleiben auf den Kosten sitzen

Besonders ärgerlich ist das Ganze für die Grundstücksbesitzer: Wollen sie von Anderen illegal bei ihnen abgestellte Container loswerden, müssen sie sie auf eigene Kosten entfernen lassen.

Tricks der Altkleiderhändler
Geschmacklos: Behindertenparkplatz blockieren

Wir besuchen den Supermarktbetreiber Klaus Grünbauer in Weiden, der sich seit Wochen mit illegal aufgestellten Containern herumärgern muss. Besonders dreist: Die Container wurden auf dem Behindertenparkplatz abgestellt. Nachdem er die Container mit einem Stapler hinter den Supermarkt gebracht hatte, waren sie kurze Zeit später erst mal weg. Doch Wochen später stehen wieder zwei auf dem Behindertenparkplatz. Er lässt sie abtransportieren – auf seine Kosten.

Wer sind die Hintermänner?

Um herauszubekommen, wer eigentlich die Container aufstellt, was mit den Altkleidern aus dem Container passiert und wo sie schlussendlich landen, sind wir selbst ins Altkleidergeschäft eingestiegen.

Dabei hatten wir unter anderem Kontakt mit einem Textilverwerter, der bereit ist, für Altkleider aus Containern 30 Cent pro Kilogramm zu zahlen. Nicht wissend, dass wir vom Rundfunk sind, erzählt er uns, dass er nicht nur Altkleider abkaufe, sondern auch selbst Container auf Privatgrundstücken aufstelle.

Dafür zahle er an einem guten Platz bis zu 300 Euro im Monat. Einige Container stelle er auch schwarz auf. Ein lohnendes Geschäft! Und laut seiner Aussage gibt es Betriebe in Deutschland, die bis zu 15.000 Container haben. Seine Kleider verkaufe er ins Ausland, vor allem nach Polen. Da kenne er einen großen Betrieb.

Wo landen die Altkleider?

Tricks der Altkleiderhändler
Sortieranlage der Firma Wtorpol in Polen

Einige der Altkleider werden in Deutschland wieder verkauft, zum Beispiel in Second-Hand-Läden. Wie erfolgsversprechend das ist, haben wir ebenfalls in unserem Selbstversuch "Altkleidercontainer – Wir steigen ins Sammelgeschäft ein" ausprobiert.

in Großteil aber landet im Ausland und da vor allem in Polen. Wir machen uns auf den Weg dorthin, doch nur ein Betrieb lässt uns drehen: Wtorpol, einer der größten Sortierbetriebe Europas. Die Ware kommt aus eigenen Containern, die in verschiedenen Ländern stehen.

250 Tonnen werden pro Schicht sortiert: Die guten Stücke werden in Second-Hand-Läden verkauft, der Rest zu Ballen gepresst. Pullover  gehen zum Beispiel nach Indien und werden dort zu Wolle verarbeitet. Wie viel Geld dabei eingenommen wird, können wir nicht herausfinden.

Second-Hand-Artikel
Teure Kleidung aus Containern

Mit versteckter Kamera besuchen wir einen der zahlreichen Second-Hand-Läden in Polen. Wir finden einen Pullover von Escada, umgerechnet kostet er fast 50 Euro, außerdem eine Hilfiger-Bluse für rund 20 Euro. Die Polen schätzen die Qualität. Kleider, die wir in die Container werfen, sind hier heiß begehrt – ein lukratives Geschäft.

Wer mit seiner Kleiderspende wirklich Gutes tun will, muss auf Container anerkannter Hilfsorganisationen achten oder die Stücke gleich in einer Kleiderkammer abgeben.

Weitere Tipps dazu finden Sie auf unserer Seite: