"Einfach schlank" – Die schönen Versprechen der Abnehm-Industrie

Versprechen der Abnehm-Industrie
Kann Abnehmen so leicht gehen?

Ein paar Kilo weniger, ohne große Anstrengung. Eine tolle Figur kann so einfach sein. Das suggeriert zumindest die Werbung für zahlreiche Schlankheitsmittel. Der Markt ist gewaltig, die Branche macht einen Umsatz von rund 140 Millionen Euro. Doch was ist von den Versprechen zu halten?

Die leeren Versprechen der Abnehm-Industrie

Versprechen der Abnehm-Industrie
Ein Verzicht ist doch nicht nötig, oder?

Dickmacher lauern überall, doch der Verzicht auf Kuchen, Schokolade und Co muss nicht sein. Mit Schlankheitsmitteln in Pillen- und Pulverform geht Abnehmen doch ganze einfach – sagt zumindest die Werbung. Und damit ist sie sehr erfolgreich: Mehr als drei Millionen Deutsche haben im vergangenen Jahr zu Schlankheitsmitteln gegriffen. Aber bringen solche Diätpillen wirklich etwas?

Medizinprodukte sind keine Arzneimittel

Schlankheitsmittel werden zur Unterstützung von Diät-Vorhaben angeboten. Belege für den angepriesenen Abnehmerfolg finden sich kaum. Die Studienlage ist dünn. So sind manche Studien gar nicht unabhängig, haben nur wenige Teilnehmer oder gehen nur über sehr kurze Untersuchungszeiträume.

Das bedeutet, dass man keine Garantie darauf hat, dass die Pillen und Pülverchen auch nachhaltig wirken. Wer abnehmen will, muss langfristig seine Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten ändern.

Versprechen der Abnehm-Industrie
Arzneimittel? Nein, manchmal Medizinprodukt – ein riesiger Unterschied!

Hinzu kommt: Aufgrund ihrer Aufmachung halten Verbraucher Schlankheitsmittel häufig für Arzneimittel. Allerdings besteht hier ein großer Unterschied: Arzneimittel durchlaufen ganz andere  Zulassungsverfahren und durch Studien ist  nachzuweisen, dass sie im Körper tatsächlich wirken und zum Beispiel den Blutdruck senken. Medizinprodukte hingegen wirken rein physikalisch. Das heißt, sie wirken nicht im Körper und lösen somit auch keinen Mechanismus im Körper aus. Daher haben Schlankheitsmittel mit der Bezeichnung Medizinprodukt auch keine Auswirkungen auf den Stoffwechsel.

Stattdessen binden sie nur ganz bestimme Anteile aus der Ernährung und leiten diese wieder aus dem Körper aus. Beispielsweise wird der Inhaltsstoff Chitosan genutzt, um Nahrungsfett zu binden, welches dann weitgehend unverarbeitet aus dem Körper ausgeleitet werden soll. Oder Ballaststoffe werden eingesetzt, die im Magen aufquellen und so ein Sättigungsgefühl erzeugen können.

Statistische Tricksereien in Studien

Werbung mit Studien, die den Erfolg des Produktes scheinbar nachweisen, ist mit Vorsicht zu genießen. Bei der Auswertung der gesammelten Daten können die Ergebnisse  statistisch so aufbereitet werden, dass ein toller Effekt belegt wird, der in Wirklichkeit gar nicht in diesem Maße existiert.

Apotheker-Siegel sind eine Werbemethode

Unser Abnehmmittel in der Verpackung
Um unser Produkt verkaufen zu können, geben wir ihm noch einen schicken Namen: B-Shape Vital.

Ein beliebter Nachweis für die Wirksamkeit eines Diätmittels sind auch Vorher-Nachher-Bilder. Manchmal zweifelt man daran, ob diese Bilder die gleiche Person zeigen. In der Wettbewerbszentrale erfahren wir allerdings, wie schwer es ist, irreführende Werbung nachzuweisen. So müssen als Beweis für eine Täuschung beispielsweise beide abgebildeten Personen gefunden werden oder ein Sachverständiger eingeschaltet werden. 

Manches Schlankheitsmittel trägt außerdem ein Siegel, welches mit der Empfehlung des Produktes durch den Bundesverband Deutscher Apotheker wirbt. Bei vielen Verbrauchern weckt dies Vertrauen. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um eine Werbemethode, denn das Siegel stammt nicht von der offiziellen Apothekervereinigung (ABDA).