Die Tricks der Lebensmittelhersteller – So wird Zucker "versteckt"

Zucker
Oft nehmen wir mit Lebensmitteln Zucker zu uns und ahnen es gar nicht.

Im Alltag lauern viele Zuckerfallen, auch in Lebensmitteln die sauer oder pikant schmecken. So hat zum Beispiel Saucenbinder einen überraschend hohen Zuckeranteil: Ganze 19 Zuckerwürfel in nur einer Packung. Und auch im gekauften Krautsalat stecken pro Packung rund 16 Stück Würfelzucker.

Statt hochwertiger Zutaten wird den Lebensmitteln also reichlich Zucker hinzugefügt. Der Grund: Zucker ist nicht nur sehr günstig, er sorgt auch für Geschmack und Fülle. Ernährungsexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale hat schon häufig festgestellt, dass die Lebensmittelhersteller Zucker in Produkte mischen, bei denen man gar nicht damit rechnet. Auch in vielen Kinderprodukten steckt eine Menge Zucker. Ohne, dass Verbrauchern das klar ist.

Versteckter Zucker in vielen Produkten

Wie viel Zucker tatsächlich in einem Produkt steckt, ist für den Verbraucher häufig schwer zu erkennen. Die Nährwerttabelle bietet eine gute Orientierung, allerdings wird der Zuckergehalt oft schön gerechnet. Denn in der Nährwerttabelle muss nur herkömmlicher Haushalts-Zucker deklariert werden, andere Süßungsmittel nicht.

Diese werden zwar in der Zutatenliste angegeben, allerdings meist unter versteckten Namen:  Dextrose, Glukose-Sirup, Traubensüße oder Gerstenmalzextrakt. Chemische Begriffe, die kaum einer kennt. Insgesamt gibt es über 70 verschiedene Namen und Stoffe. Für viele Verbraucher sind diese Zutaten daher nicht als Zucker erkennbar.

Einige Produkte werben außerdem damit, dass sie weniger süß sind, weniger Zucker oder keinen Zuckerzusatz enthalten. Von diesen werblichen Aussagen sollten sich Verbraucher aber nicht beeinflussen lassen, denn dies bedeutet nicht, dass kein Zucker enthalten ist. Meist werden Konzentrate oder Fruchtsaftkonzentrate eingesetzt, die  zu einem hohen Zuckergehalt führen können, aber nicht als üblicher Zuckerzusatz gelten.

Zuckerarten
Für Zucker gibt es insgesamt 70 verschiedene Namen und Stoffe.

103 Gramm Zucker an einem Tag – der Selbsttest

Wie viel Zucker nimmt man mit Convenience Produkten und Fertiggerichten zu sich? Unser Reporter Sebastian achtet einen Tag lang darauf, wie viel Zucker er konsumiert. Das Ergebnis:

  • Frühstück: Cappuccino aus Pulver, Müsli, Leberwurst und Toastbrot – 27 Gramm Zucker


  • Snack am Vormittag: Wasser mit Apfelgeschmack und Joghurt - 23 Gramm Zucker


  • Mittags-Snack: 12 Gramm Zucker


  • Snack am Nachmittag: Wasser mit Apfelgeschmack – 23 Gramm Zucker


  • Abendessen: Pizza und Salat mit Fertig-Dressing – 18 Gramm Zucker
Reporter macht den Selbsttest
An nur einem Tag hat unser Reporter Sebastian 103 Gramm Zucker zu sich genommen.

Obwohl er keine Süßigkeiten gegessen hat, hat Sebastian 103 Gramm Zucker zu sich genommen. Dabei empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation gerade mal 25 Gramm pro Tag. Das entspricht in etwa sechs Teelöffeln.

Behält Sebastian seinen Ernährungsstil bei, würde er in einem Jahr mehr als 34 Kilogramm Zucker zu sich nehmen. Einer Menge von circa 11.536 Zuckerwürfeln. Gestapelt sind diese 126 Meter hoch – ein Zuckerturm, höher als das Brandenburger Tor und fast so hoch wie der Kölner Dom.

Hoher Zuckerkonsum kann der Gesundheit langfristig schaden

Experte Stephan Herzig
Experte Stephan Herzig warnt vor Langzeitfolgen durch hohen Zuckerkonsum.

Professor Stephan Herzig arbeitet am Institut für Diabetes und Krebs am Helmholtz Zentrum. Er weiß, wie gefährlich Zucker für unsere Gesundheit ist: "Wenn man über sehr lange Zeit sehr hohe Zuckerspiegel hat, kann das dazu führen, dass insbesondere Gefäße geschädigt werden. Es kommt dann zu Arterienverkalkung, Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall. Aber auch, und das sind relativ neue Erkenntnisse, dass hoher Zucker wahrscheinlich an der Entstehung von Krebs beteiligt sein kann, was dann eine Langzeitfolge von zu hohem Zuckerkonsum sein kann."

Stephan Herzig kennt auch das Problem, dass es viele Produkte gibt, in denen kein Zucker vermutet oder Zucker in der Zutatenliste versteckt wird. Das Konsumieren dieser Lebensmittel bleibt für die Verbraucher nicht ohne Folgen: "Wenn wir sehr viel versteckten Zucker zu uns nehmen, ohne dass wir es wissen, heißt das gleichzeitig auch, da Zucker ein sehr guter Energieträger ist, dass wir immer mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir eigentlich denken. Und das ist natürlich das Hauptrisiko, so was wie Übergewicht zu entwickeln, und wir wissen, dass Übergewicht letztlich die Ursache allen Übels ist, wenn man auf Stoffwechselerkrankungen schaut."

Lebensmittel-Ampeln als alternatives Kennzeichnungssystem abgelehnt

Wie kann es sein, dass es dem Verbraucher so schwer gemacht wird, den Zuckergehalt von Produkten zu erkennen? Derzeit ist das Kennzeichnungssystem auf Lebensmitteln eher schwer durchschaubar, mit vielen Zahlenwerten und Prozentangaben.

Experte Oliver Huizinga
Experte Oliver Huizinga wünscht sich ein einfachen Kennzeichnungssystem auf Lebensmitteln.

Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch kennt eine Alternative hierzu: Eine Lebensmittel-Ampel. Oliver Huizinga erklärt uns: "Wie bei einer Ampel wird da auf der Vorderseite der Produkte in Ampelfarben grün, gelb und rot dargestellt, ist etwas viel, mittel oder wenig drin, und so eben auch der Zucker. Das heißt, man könnte tatsächlich auch am Regal vergleichen mit einem Blick und sehr schnell identifizieren, welches Produkt enthält viel oder wenig Zucker und das würde auch Zuckerbomben mit einem Blick entlarven."

Die Lebensmittelindustrie hat allerdings kein Interesse an einem solchen einfachen, verständlichen und verbraucherfreundlichen Kennzeichnungssystem, bei dem schnell erkannt werden kann, welche Zutaten tatsächlich in den Lebensmitteln stecken und wie groß ihr Anteil ist. Doch das Europaparlament hat 2010  die Ampel abgelehnt.

Links: Mehr zum Thema im Internet

"Das ABC der Zucker"
Interaktive Zuckerbibliothek der WDR-Sendung Quarks&Co

"Zucker und Sirup"
Infos der Ernährungsplattform "was-wir-essen.de"

"Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe"
Infos der Ernährungsplattform "was-wir-essen.de"

"Achtung, Zucker! 36 Zuckerfallen, die jeder kennen sollte, und die besten Alternativen"
Ratgeber der Verbraucherzentralen, 2014, 144 Seiten, 8,90 Euro

"Zucker, Sirupe, Honig, Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe"
Broschüre des aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V., 2014, 84 Seiten, 4,00 Euro