Häufige Fragen zum "Digitalen Testament"

Häufige Fragen zum "Digitalen Testament"

Digitales Erbe
Wenn ein Mensch stirbt, gehen seine Rechte und Pflichten komplett auf den oder die Erben über – das gilt auch für seine Digitale Identität.

Mit dem Tod endet das Leben – klare Sache. Nicht ganz so klar aber, wenn es um das "Leben im Netz" geht. Mittlerweile haben fast 80 % der Deutschen einen Internetanschluss, schreiben E-Mails, nutzen soziale Netzwerke wie Facebook oder Google+ oder wickeln ihre Bankgeschäfte online per Mausklick ab. Was aber passiert nach dem Tod mit den Daten im weltweiten Netz? Eine Bestandsaufnahme.

Wie ist die rechtliche Ausgangslage?

Wenn ein Mensch stirbt, gehen seine Rechte und Pflichten komplett auf den oder die Erben über. Das passiert automatisch und kann nur dadurch verhindert werden, dass die Erbschaft im Ganzen ausgeschlagen wird. Der Erbe kann also keine Rosinenpickerei betreiben und zum Beispiel nur das Wohnhaus des Verstorbenen übernehmen, die rechtlichen Verpflichtungen, die der Erblasser im Zeitpunkt seines Todes hatte, aber abschütteln.  Im Rahmen der sogenannten Gesamtrechtsnachfolge wird der Erbe auch Inhaber der Internetpersönlichkeit des Verstorbenen.

Worum sollte man sich kümmern?

Vertragspflichten erfüllen
Hat der Verstorbene kurz vor seinem Tod im Internet Verträge geschlossen, also zum Beispiel bei ebay etwas versteigert, muss der Erbe die Vertragspflichten erfüllen. Er muss also etwa den versteigerten Gegenstand an den Käufer schicken. Hat der Verstorbene noch Musik oder Filme im Internet gekauft, muss der Erbe die Rechnung begleichen. Man kann sich merken: Der Erbe wird so behandelt, als hätte er selbst den Vertrag abgeschlossen.

Gelder auszahlen lassen
Im Internet können aber auch Guthaben schlummern, zum Beispiel bei Bezahldiensten oder auf Internetkonten. Die Erben haben einen Anspruch darauf, diese Gelder ausgezahlt zu bekommen. Denn auch hier gilt das einfache Prinzip: Was vor dem Tod dem Erblasser gehört, gehört nach dem Tod den Erben. Allerdings müssen die Hinterbliebenen nachweisen, dass sie Erben des Verstorbenen geworden sind. Das geht in aller Regel mit einem Erbschein.    

Mailpostfächer verwalten
Auch die Mailpostfächer des Verstorbenen sollte man nicht verwaisen lassen. In ihnen schlummern oft eine Menge Daten. Aber: In der Regel hinterlässt der Erblasser keine Liste mit seinen Passwörtern. Wie also auf die Mails zugreifen? Als Rechtsnachfolger tritt der Erbe auch in den Vertrag ein, den der Verstorbene mit dem E-Mail-Dienst geschlossen hat. Um aber an das Kennwort zu kommen und damit die Mails auch tatsächlich abrufen und verwalten zu können, muss sich der Erbe wieder als Erbe legitimieren. Und auch hier lautet die Lösung: Erbschein.

Soziale Netzwerke betreuen
Immer bedeutsamer wird die Frage, was aus Profilen werden soll, die der Verstorbene in sozialen Netzwerken hat. Das Problem: Kümmert sich keiner, bleiben Fotos und persönliche Daten auf ewig im Internet.

Für Facebook gibt es zwei Möglichkeiten: Einerseits kann man das Profil in den sogenannten Gedenkstatus versetzen. Dadurch wird das Profil "eingefroren", dient aber in seinem Zustand weiter als "Gedenkstätte". Neue Posts auf der Pinnwand sind nicht mehr möglich. Aber: Facebook-Nutzer können weiterhin Nachrichten an den Verstorbenen schreiben, die allerdings von den Angehörigen nicht gelesen werden können. Denn auch für sie ist das Profil eingefroren. Um den Gedenkstatus zu aktivieren, bedarf es lediglich einer Sterbeurkunde, also eines Nachweises, dass der Angehörige nicht mehr lebt. Einen Erbschein braucht man, wenn man das Profil löschen lassen möchte. Damit verschwindet das Profil von Facebook und kann von niemandem mehr aufgerufen werden. Die Löschung kann aber nur erfolgen, wenn sie von einem Erben beantragt wird, der nachgewiesener Weise unmittelbarer Familienangehöriger des Erblassers ist. Wichtig: Die persönlichen Daten des Verstorbenen bleiben trotz Löschung bei Facebook. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Google beschreitet für seine Dienste mittlerweile neue Pfade: Das Unternehmen hat einen sogenannten Konto-Inaktivitäts-Manager installiert. Der Nutzer kann bis zu zehn Personen bestimmen, die benachrichtigt werden, wenn er seine Konten für einen gewissen, längeren Zeitraum nicht benutzt. Auch diesen Zeitraum kann der Nutzer selbst festlegen. Läuft die Zeit dann ab, erhält zunächst noch einmal der Nutzer selbst eine Nachricht – per SMS oder E-Mail. Meldet er sich daraufhin nicht, werden die angegebenen Personen kontaktiert und erhalten – wenn tatsächlich ein Todesfall vorliegt – Zugriff auf die jeweiligen Konten. Wer für welches Konto berechtigt ist, kann der Nutzer zu Lebzeiten per Mausklick bestimmen.

Wer hilft bei der digitalen Nachlassverwaltung?

Die erste Schwierigkeit taucht oft schon beim Einschalten des Computers auf. Wie ist das Passwort des Verstorbenen? Wo hat er sich im Internet aufgehalten? Glücklich, wer einen Bekannten hat, der sich mit Computern auskennt. Alle anderen können die Hilfe von Dienstleistern in Anspruch nehmen, die man als "digitale Nachlassverwalter" bezeichnen könnte. Dabei gibt es zwei Modelle:

Die Hinterbliebenen geben den Computer des Verstorbenen zur Auswertung an ein Unternehmen heraus und erhalten einen Überblick über vorhandene Dateien, Verträge und Nutzerkonten im Internet, Profile in Communities und E-Mail-Kontakte des Verstorbenen. Allerdings sollte man sich stets bewusst machen, dass Computer in der Regel große Mengen an Daten enthalten und dass vielleicht nicht alles für Dritte sichtbar werden sollte. Entscheidet man sich dennoch für dieses Modell, ist bei der Suche nach einem vertrauenswürdigen Anbieter besondere Sorgfalt geboten.

Darüber hinaus gibt es Unternehmen, die für die Hinterbliebenen auf Spurensuche im Internet gehen. Das Leistungsmodell ist denkbar einfach: Der Anbieter nimmt Kontakt mit den 130 gängigsten Online-Diensten aus verschiedenen Sparten auf, zum Beispiel Mailing, Online-Versandhandel und E-Commerce und versucht herauszufinden, ob der Verstorbene dort registriert war. Ermitteltes Online-Guthaben wird treuhänderisch den Erben zugeführt. Auch öffentliche Profile, zum Beispiel Branchenbucheinträge, können auf Wunsch deaktiviert werden. Wichtig ist, dass man sich Folgendes klarmacht: Die Anbieter sind auf die Kooperation der Online-Plattformen angewiesen und können letztlich nichts Anderes tun, als Anfragen zu starten und auf deren Beantwortung zu hoffen. Und: Auch hier geraten persönliche Daten in die Hände von Fremden. Deshalb sollte man das jeweilige Angebot sehr genau prüfen.

Wie sorgt man zu Lebzeiten sinnvoll vor?

Wer als Internetnutzer zu Lebzeiten an ein paar Dinge denkt, kann seinen Angehörigen viel Ärger ersparen. Neben einem bewussten Umgang mit dem Internet ist es sinnvoll, im Gespräch zu klären, wie der digitale Nachlass verwaltet und abgewickelt werden soll. Idealer Weise hält man seine Vorstellungen auch schriftlich fest. Dabei sollte man auf folgende Fragen eingehen: Was soll mit meinen Daten geschehen? Wer soll auf den Computer Zugriff bekommen? Was soll gelöscht, was soll erhalten bleiben? Diese Wünsche können zum Beispiel in einem Testament niedergeschrieben werden. Es empfiehlt sich auch, zu regeln, wer sich im Falle des Todes um den digitalen Nachlass kümmern soll: Ein naher Angehöriger oder doch ein Unternehmen? Ganz wichtig ist, dass dieser Bevollmächtigte, dann auch den Zugriff auf den Computer und die entsprechenden Internetseiten hat. Die Passwörter sollte man, auch wenn das aufwendig ist, an einem sicheren Ort, zum Beispiel in einem Bankschließfach, verwahren.