Häufige Fragen zum Erbrecht

Testamentserstellung
Ein Erbe tritt komplett in die Rechte und Pflichten des Verstorbenen ein, er übernimmt nicht nur einzelne Gegenstände.

Brauche ich unbedingt ein Testament, damit das Erbe geregelt ist?

Nein. Das Gesetz regelt dann ausführlich, wer erbt (§§ 1922 ff. Bürgerliches Gesetzbuch). Die Erben werden vom Gesetz in verschiedene "Ordnungen" eingeteilt. Erben "erster Ordnung" sind zum Beispiel die "Abkömmlinge" des Verstorbenen, also die Kinder. Deswegen ist es ein Missverständnis zu glauben, ein Ehepartner erbe automatisch alles, wenn der andere verstirbt. Man hat aber die Möglichkeit, durch ein Testament von den gesetzlichen Regeln abzuweichen, und frei zu bestimmen, wer die Erben sein sollen. Diese so genannte "Testierfreiheit" ist sogar im Grundgesetz (Artikel 14) geregelt.

Kann ich mein Testament selbst schreiben oder muss ich zum Notar?

Beides ist möglich. Man kann das Testament selbst verfassen, dann muss es vor allem handschriftlich und unterschrieben sein, am besten mit Datum. Oder man geht zum Notar. Der Notar berät, verfasst und beurkundet das Testament am Ende. Gerade wenn größere Werte oder Immobilien zu vererben sind, kann eine solche Beratung sinnvoll sein. Eine Art "Mittelweg" ist es, sich von einem "Fachanwalt für Erbrecht" inhaltlich beraten zu lassen, und das Testament anschließend handschriftlich zu verfassen.

Kann ich zum Beispiel meine Kinder komplett "enterben"?

Nein. Für bestimmte nahe Verwandte ist geregelt, dass sie den so genannten „Pflichtteil“ bekommen müssen. Die Höhe entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Wenn zum Beispiel ein Kind normalerweise laut Gesetz zu einem Viertel erben würde, wäre sein Pflichtteil ein Achtel. Das Kind kann diesen Anteil dann von dem per Testament festgelegten Erben verlangen.

Was ist der Unterschied zwischen "Erbe" und einem "Vermächtnis"?

"Ich vermache meine Weinsammlung meinem besten Freund Klaus" – Sätze wie diese sind sicher gut gemeint. Allerdings können zu großen Missverständnissen führen. Denn erst einmal muss klar geregelt sein, wer überhaupt Erbe ist. Ein Erbe tritt komplett in die Rechte und Pflichten des Verstorbenen ein, er übernimmt nicht nur einzelne Gegenstände. Mit einem "Vermächtnis" kann man dann zusätzlich regeln, dass bestimmte Personen bestimmte Dinge erhalten. Eine sichere Variante lautet also zum Beispiel: Erben sollen meine drei Kinder x, y und z sein. Die Weinsammlung vermache ich meinem besten Freund Klaus.

Können auch Tiere erben?

Nein. Denn erben können nur so genannte "natürliche Personen". Das ist auch sinnvoll. Man stelle sich vor, ein Hund träte komplett in die Miet- und Kaufverträge des verstorbenen Herrchens ein. Dennoch gibt es Möglichkeiten, seine "besten Freunde" für die Zeit nach dem Tod abzusichern. Man kann zum Beispiel einer vertrauten Person Geld vermachen, mit der konkreten "Auflage", dieses Geld für Fiffi zu verwenden. Wichtig: unbedingt vorher mit dieser Person sprechen, ob sie die verantwortungsvolle Aufgabe auch übernehmen möchte.