Häufige Fragen zum Verschenken und Vererben

Geldgeschenk
Bis zu 400.000,- Euro darf ein Kind von seinen Eltern steuerfrei erben – oder als Geschenk erhalten.

Ist es besser, sein Vermögen noch zu Lebzeiten zu verschenken, anstatt es zu vererben?

Es kann gute Gründe geben, schon zu Lebzeiten sein Vermögen oder ein Teil davon zu verschenken. Zum Beispiel, wenn man seinen Kindern den Einstieg ins Berufs- oder Familienleben erleichtern möchte. Oft können Kinder eine Unterstützung mit 30 oder 40 Jahren wesentlich besser gebrauchen, als wenn die Eltern später irgendwann mal erben. Das frühzeitige Verschenken kann auch ein Weg sein, um unliebsame Verwandte tatsächlich zu "enterben". Aus steuerlichen Gründen lohnt sich das Verschenken nur in seltenen Fällen.

Spart man denn nicht die hohe Erbschaftssteuer, wenn man zu Lebzeiten verschenkt?

Ja und Nein. Richtig ist, dass man dann keine Erbschaftsteuer zahlt. Allerdings gibt es in Deutschland auch die so genannte Schenkungssteuer. Und die ist genauso hoch, wie die Erbschaftssteuer.

Im Übrigen: Innerhalb der Familie fallen nur selten überhaupt Steuern an. Denn sowohl bei der Erbschaftsteuer, als auch bei der Schenkungssteuer zahlen Kinder zum Beispiel erst ab einem Betrag von 400.000 Euro Steuern. Diese Summe kann jedes Kind steuerfrei erben. Ehepartner zahlen sogar bis zu einem Vermögen von 500.000 Euro keine Steuern. Wer also mit seinem Vermögen unter diesen Freibeträgen liegt, der braucht sich um die Steuern überhaupt keine Gedanken zu machen. Die Familienmitglieder werden dann, wenn sie irgendwann erben, nicht mit Steuern belastet.

Und wenn mehr Vermögen vorhanden ist? Wie kann man durch die Schenkung dann Steuern sparen?

Am einfachsten lässt sich das an einem Beispiel erklären: Hat ein Vater beispielsweise ein Vermögen von 600.000 Euro und möchte dies seiner einzigen Tochter vermachen, so würde diese als Kind im Todesfall des Vaters 400.000 Euro steuerfrei erben können. Für den Rest würden Erbschaftssteuern anfallen. Der Vater könnte seiner Tochter aber auch bis zu 400.000 Euro zu Lebzeiten schenken, ohne dass Steuern anfallen würden. Und: Nach dem Gesetz kann die Tochter nach zehn Jahren erneut in den Genuss der Freigrenzen kommen. Der Vater kann dann also wieder 400.000 Euro schenken oder vererben, ohne dass Steuern anfallen.

Also nochmal konkret: 2014 kann der Vater 400.000 Euro seiner Tochter schenken und ab 2024 dann zum Beispiel die restlichen 200.000 Euro vererben.

Wichtig ist dabei also, dass man sich frühzeitig darüber Gedanken macht, wenn man tatsächlich solche Vermögenswerte besitzt. Der steuerliche Vorteil besteht nämlich nur, wenn man nach der Schenkung noch mindestens zehn Jahre lebt.

Hat man als Kind die Freibeträge gegenüber beiden Elternteilen? Also gegenüber Vater und Mutter?

Ja, das hat man. Ein Kind kann also sowohl vom Vater, als auch von der Mutter 400.000 Euro steuerfrei erben. Aufpassen muss man beim Berliner Testament, durch das erst der überlebende Ehepartner erbt und erst bei dessen Tod die Kinder. Das Problem zeigt ein Beispiel: Vater und Mutter haben nur ein Kind und beide Elternteile haben ein Vermögen im Wert von je 400.000 Euro. Dann könnten beide eigentlich steuerfrei das gesamte Vermögen an das Kind vererben, weil die reigrenzen nicht überschritten sind. Stirbt aber der Vater zuerst, erbt beim Berliner Testament zunächst die Mutter, die dann ein Vermögen von 800.000 Euro hat. Im Falle ihres Todes müsste das erbende Kind dann für 400.000 Euro Steuern bezahlen, weil sie von der Mutter nur 400.000 Euro steuerfrei erben darf.

Hier würde sich eine frühere Schenkung also lohnen. Allerdings nur, wenn die Vermögenswerte tatsächlich so hoch sind. Und: Bei mehreren Kindern teilt sich das Vermögen auf, weil natürlich jedes Kind 400.000 Euro steuerfrei von der Mutter und vom Vater erben kann. Dann müssten die Vermögenswerte schon sehr sehr hoch sein, damit sich die Schenkung aus steuerlichen Gründen lohnt.

Bringt so eine Schenkung auch Gefahren mit sich?

Ja. Vor einer Schenkung sollte man sich ein paar Dinge bewusst machen. Denn was ist zum Beispiel, wenn man nach der Schenkung mit dem Beschenkten in Streit gerät? Das Gesetz lässt es nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen zu, die Schenkung rückgängig zu machen. Vertraglich kann man das aber ändern. Noch wichtiger ist es in vielen Fällen, dass man sich als Schenker gewisse Rechte sichert. Zum Beispiel wollen viele Eltern ihren Kindern zwar schon zu Lebzeiten das Haus übertragen, wollen aber selbst bis zu ihrem Lebensende darin wohnen bleiben. Durch ein Nießbrauchs- oder Wohnrecht kann man sich das bei der Schenkung absichern. Dieses Recht wird dann auch im Grundbuch eingetragen.

Und was muss ich bei einer Schenkung beachten?

Das Gesetz besagt, dass bei einer Schenkung grundsätzlich die notarielle Beurkundung erforderlich ist. Bei Immobilien ist der Gang zum Notar zwingend. Will man einen Gegenstand oder Geld verschenken, ist die Schenkung hingegen auch ohne die Hilfe des Fachmanns gültig. Trotzdem ist es in vielen Fällen sinnvoll, einen Notar aufzusuchen. Der berät ausführlich, ob die Schenkung im Einzelfall sinnvoll ist und er kann über die Gefahren aufklären und zum Beispiel Nutzungsrechte regeln.

Die Kosten für den Notar sind bei der Schenkung übrigens genauso hoch, wie bei einem Erbvertrag oder einem gemeinschaftlichen Testament. Bei einem einseitigen Testament sind die Kosten hingegen nur halb so hoch.

Schenkungen müssen dem Finanzamt gemeldet werden, auch wenn die Steuerfreibeträge nicht überschreitet werden.