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Frauen und die Macht

Frauen und die Macht | Video verfügbar bis 09.05.2018

Seit zwölf Jahren ist Angela Merkel Regierungschefin, sechs ihrer 16 Kabinettsmitglieder sind weiblich. Doch wie gleichberechtigt sind Frauen in der nach wie vor männlich geprägten Politikwelt? Welche Widerstände begegnen ihnen auf dem Weg nach oben? Und welche Eigenschaften und Fähigkeiten unterscheiden sie von männlichen Konkurrenten?

Immer wieder kritisieren Politikerinnen, dass statt ihren politischen Ideen zu oft Aussehen, Mode und Frisuren thematisiert werden. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) musste sich früher häufiger als "Küsten-Barbie" verspotten lassen, die Fraktionsvorsitzende der Linken, Sahra Wagenknecht, als "Pin-up der deutschen Linken", und die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner als "Shitstorm auf Pumps". Zudem sind Familie und Kinder auch für Berufspolitikerinnen ein größeres Karrierehindernis als für ihre männlichen Kollegen. Stehen die traditionellen Rollenvorstellungen in Deutschland einer vollständigen Gleichberechtigung weiterhin im Weg?

Reinhold Beckmann und seine Co-Autoren Nadja Kölling und Ulrich Stein haben Manuela Schwesig, Julia Klöckner und Sahra Wagenknecht mit der Kamera begleitet. Offen sprechen die Spitzenpolitikerinnen über ihre Ziele, männliche Spielregeln und Sexismus in der Politik. Alle drei gelten als ebenso ambitioniert wie meinungsstark. Die gelernte Finanzwirtin Manuela Schwesig kämpft als SPD-Ministerin für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Julia Klöckner gilt trotz ihrer Niederlage bei den Landtagswahlen 2016 in Rheinland-Pfalz als eine der Hoffnungsträgerinnen der CDU. Und Sahra Wagenknecht, verheiratet mit Oskar Lafontaine, zählt zu Deutschlands streitlustigsten Kapitalismus-Kritikern.

Nicht nur in ihren politischen Ansichten unterscheiden sich die Karrierefrauen, auch das Thema Gleichberechtigung beurteilen sie differenziert. Während Julia Klöckner der Ansicht ist, dass Angela Merkel allein durch ihr Sein als Frau an der Spitze zur Normalität beigetragen habe, sieht das Manuela Schwesig in der #Beckmann-Reportage anders: "Eine Bundeskanzlerin darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Gleichberechtigung nicht gibt. In zwölf Jahren Kanzlerinnenschaft hat sich bei der Gleichberechtigung gar nicht so viel verbessert. Wir haben nicht mehr Frauen in Führungspositionen und auch die Lohnlücke hat sich nicht geschlossen." Mangelnde Akzeptanz im politischen Alltag kennt auch Sahra Wagenknecht: "Wenn man als Frau – und dann auch noch als Linke – mit Männern über Wirtschaft diskutiert, dann gibt es schon am Anfang so eine Überheblichkeit: Was will die denn dazu sagen? Die soll sich doch mit Feminismus oder Frauenfragen beschäftigen. Aber bitte schön nicht mit Renditen, Lohnentwicklung und Wirtschaftsfragen."  

Und doch haben nach Meinung von Julia Klöckner Frauen in der Politik schon viel erreicht: „Heute ist ein Stück Normalität eingetreten, aber verteidigen muss man es. Wir Frauen wollten die Gleichberechtigung auch in Spitzenämtern. Und das wollen wir immer noch. Allerdings dürfen wir dann auch keine Schonung erwarten – weder im Wahlkampf, noch allgemein in Politik und Wirtschaft.“

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