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Aufmachergrafik zu Deutschland, deine Künstler
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Hintergrund

Bernhard Nellessen, SWR-Fernsehdirektor, über die Dokumentationsreihe

Thomas Baumann (l.) und Bernhard Nellessen (Bild: ARD/Wolfgang Groeger-Meie) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Thomas Baumann (l.) und Bernhard Nellessen ]
Wer von Beruf Künstler ist, lebt nur aus sich: von seinem Talent und davon, sich auf besondere Weise auszudrücken. Dieser volle Einsatz der Persönlichkeit hat seinen Preis: Die Empfindlichkeiten, Eitelkeiten, Exaltiertheiten vieler Künstler sind sprichwörtlich, ihr Leben scheint sich mehr als bei anderen zwischen Extremen abzuspielen.

Ruhm und Krise, Abhängigkeit und Freiheit, Disziplin und Selbstbefreiung. Dass viele Künstlerpersönlichkeiten genau deshalb eine größere Öffentlichkeit faszinieren, macht sich eine neue Doku-Reihe im Ersten zunutze.

Mit sechs Dokumentationen porträtiert die Reihe "Deutschland, deine Künstler" ab Juli 2008 im Ersten einige der bedeutendsten und berühmtesten Künstler des Landes aus Literatur, Film, Musik und Bildender Kunst.

Die 45-Minuten-Filme begleiten die jeweils Besten ihres Fachs – den Schauspieler Armin Mueller-Stahl ebenso wie den Sänger Thomas Quasthoff, den Aktionskünstler Jonathan Meese ebenso wie den Deutschrocker Herbert Grönemeyer. Sie alle zeichnet nicht nur ihre Bekanntheit aus, sondern auch ihre künstlerische Qualität, ihre Unverwechselbarkeit und der Facettenreichtum ihres kreativen Schaffens sowie ihr besonderer künstlerischer Lebenslauf.

Zugleich beleuchtet die Reihe die Faszination, die von Künstlern ausgeht und die nicht selten in ihrer Widersprüchlichkeit begründet liegt. "Deutschland, deine Künstler" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kulturredaktionen aller ARD-Sender, das der SWR (Martina Zöllner und Rolf Schlenker) eingebracht und für das er die Federführung übernommen hat.

Wie viel künstlerische Produktion mit Emotion und Leidenschaft zu tun hat, wie großer Erfolg auch von großen Zweifeln begleitet wird, das soll "Deutschland, deine Künstler" vermitteln – und über die Personen an deren Kunst heranführen.

Die Filme zeigen eine biografische Rückschau und neue Bilder, die Einblick geben in die aktuelle "künstlerische Werkstatt" der Porträtierten. Beobachtet wird der Entstehungsprozess von Kunst und die Auseinandersetzung des Künstlers auf dem Weg dahin – ganz gleich, ob er sich mit einer Filmrolle, mit einer Partitur oder einer Leinwand beschäftigt.

Thomas Baumann, ARD-Chefredakteur, über die Dokumentationsreihe

Manche Provokationen machen ihrem Namen Ehre. Sie reizen nicht nur, sie bewirken tatsächlich etwas. Vor eineinhalb Jahren stachelte mich die SWR-Kollegin Martina Zöllner an: "Wir machen im Ersten Filme über fleißige Hausmeister, pflichtbewusste Bundeswehrsoldaten und traurige Wale. Wo, bitte schön, bleiben in der Langform Kunst und Kultur?" Das saß!

Nun geht es nicht darum, irgendein Kulturthema in der filmischen Langform zu präsentieren, um ein "leeres Feld" im Programmmosaik zu füllen. Kultur im Fernsehen wird leider vielfach als sperrig empfunden, als kaum "mehrheitsfähig". Die Schwierigkeit liegt darin, Kunst und Kultur so darzustellen, wie sie es verdienen: nicht elitär,
kompetent und seriös. Selbstverständlich gehört auch das Attribut "unterhaltsam" dazu. Da liegt es nahe, bei den Akteuren,den Künstlern anzusetzen.

Diese Überlegungen haben die Kulturchefinnen und Kulturchefs der ARD auf die Fährte geführt. Wir wollen Kunst und Kultur auch für Publikumsschichten zugänglich machen, die sich dafür normalerweise nur bedingt begeistern können, und zugleich den Erwartungen der Interessierten und Kenner genügen.

Das Konzept der Reihe ist es, die ganz Großen ihrer jeweiligen Fächer aus verschiedenen Kunstsparten zu zeigen: Schauspieler, Sänger, Maler, Literaten und Aktionskünstler. Entstanden sind dabei keine Porträts im herkömmlichen Sinne, sondern Filme, die am Beispiel der ausgewählten Protagonistinnen und Protagonisten der Frage nachgehen, was diese in ihrem künstlerischen Schaffen motiviert und wie sie mit ihrer besonderen Begabung und ihren Fertigkeiten umgehen.

Wenn dieses Konzept aufgeht, dann werden aus prominenten Namen Figuren, deren Kunst sich erschließt.