SENDETERMIN Mi, 15.08.12 | 22:45 Uhr

Christian Thielemann

Folge 25

Christian Thielemann
Christian Thielemann beim Silvesterkonzert in der Semperoper in Dresden.

Er liebt die Tonsprache der deutschen Romantiker, den dunklen "deutschen Klang", dem er dirigierend nachspürt. Christian Thielemann hat sich ganz dem deutschen Repertoire verschrieben, gilt vielen als "der" Wagner-Dirigent der heutigen Zeit, seit er im Jahr 2000 mit den "Meistersingern" sein Debüt auf dem Grünen Hügel in Bayreuth gab.

Sein Stil ist weltweit anerkannt, er ist derzeit der international gefragteste Dirigent Deutschlands mit Gastauftritten von Mailand bis New York. "Gloriously unfashionable", herrlich unmodern, nannte ihn ein britischer Kritiker einmal.

Thielemann ist in Berlin aufgewachsen, als einziger Sohn in einer musikalischen Familie. Schon früh nehmen ihn die Eltern mit zu Konzerten und in die Oper. Als er mit 14 Jahren seinen ersten Wagner in der Deutschen Oper hört, ist ihm klar: "Das will ich auch machen." Und genau in diesem Berliner Haus wird er später als Kapellmeister dirigieren. Bis es soweit ist, arbeitet er für Herbert von Karajan und Daniel Barenboim. Karajan ist ihm bis heute Inspiration und Vorbild.

Seine bislang letzte Station in München verließ Thielemann im Streit mit der Kulturpolitik. Im Herbst 2012 beginnt für den 50-Jährigen eine neue Ära, er wird Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle in Dresden, das Orchester, das schon Wagner seinerzeit als "Wunderharfe" in höchsten Tönen lobte. Christian Thielemann, der keine Angst hat, unbequem zu sein, wenn es um seine Kunst geht, gilt auch sonst nicht als einfacher Mensch. Er schottet sich ab, möchte dem Gegenüber nie privat, sondern nur im Rahmen seiner Arbeit begegnen. Außerdem reist er nicht gerne, was sich bei seiner internationalen Karriere jedoch nicht vermeiden lässt.

Auf das Neue, Unbekannte ist er nicht sonderlich erpicht, am liebsten arbeitet er immer wieder mit denselben Musikern und Sängern. Da ist klar, was einen erwartet, worauf man sich verlassen kann.

Christian Thielemann
Christian Thielemann ist der international gefragteste Dirigent Deutschlands.

"Ich bin ein liberaler Konservativer. Ich will eine bestimmte Art zu musizieren bewahren, die andere über Bord geworfen haben", sagt er über sich selbst. Für diese Haltung wurde er von einigen Feuilletonisten beschimpft. Weil er in der politisch nicht unumstrittenen Vergangenheit vor allem eines Hans Pfitzner kein Hindernis für eine verstärkte Aufführung von dessen Werken sah, schien ihnen der Dirigent ein politischer "Rechtsaußen" zu sein. Diese Kritik ist inzwischen verstummt.

Filmautor Mathias Siebert beobachtet Christian Thielemann bei der Arbeit zur Eröffnungsoper der Festspiele in Baden- Baden: "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauß. Er begleitet Thielemann nach Salzburg, wo dieser 2013 die künstlerische Leitung der Salzburger Oster-Festspiele übernimmt. Und nach Wien, wo ihn die Wiener Philharmoniker mit offenen Armen erwarten, um den "Parsifal" an der Staatsoper einzustudieren.

Natürlich zeigt der Film Christian Thielemann auch an seiner neuen Wirkungsstätte Dresden und in Berlin, seiner Heimatstadt. Im Interview zu Wort kommen Katharina Wagner, die Leiterin der Bayreuther Festspiele und Urenkelin Richard Wagners, Dolly Hauns, die langjährige Assistentin des Leiters der Deutschen Oper Berlin, Götz Friedrich und der Kulturkritiker Reinhard Brembeck. Mathias Döpfner äußert sich als langjähriger Freund und die Sänger René Kollo und Renée Fleming berichten über die musikalische Zusammenarbeit.

Redaktion: Britta-Susann Lübke (RB), Matthias Morgenthaler (MDR)

Film von Mathias Siebert

Audio-Buchtipp
Christian Thielemann: "Mein Leben mit Wagner"
Lesung mit Musik mit Ulrich Tukur
Der Audio Verlag
5 CDs | ca. 400 min.
ISBN: 978-3-86231-228-3
Erscheinungstermin: 1. Oktober 2012

Der Autor

Mathias Siebert wurde 1954 in Bremen geboren. Studium der Kirchenmusik mit Schwerpunkt auf Komposition und Dirigieren an der HfK, Bremen. Von 1985 bis 1998 entstehen sieben Jugendmusicals, die alle im Deutschen Theaterverlag erschienen sind. "Casting" hatte Premiere im Pace-Theatre in New York, "Korczak-Mensch" im Kulturpalast in Warschau. Gleichzeitig ab 1990 journalistische Tätigkeit als Radioreporter und Moderator bei Radio Bremen 2. Seit zehn Jahren als Fernsehjournalist bei Radio Bremen tätig.

Filmografie (eine Auswahl)

2009
höchstpersönlich – Roger Cicero

2008
höchstpersönlich – James Last

2007
Tiger im Wohnzimmer

2006
höchstpersönlich – Uschi Nerke/Eine chinesische Geschichte über die World Choir Games in Xiamen, China/Beethoven in Japan über die Kammerphilharmonie Bremen in Yokohama

2005
Deutschlandreise (Mitautor)

2004
Singen für Gold über die Chorolympiade in Bremen