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Aufmachergrafik zu Die großen Kriminalfälle
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Die Schlecker-Entführer

(Erstausstrahlung: 16.02.2004)

Einer der Täter und sein Verteidiger Erwin Mack (Bild: dpa) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Einer der Täter bei einem Gespräch mit seinem Verteidiger Erwin Mack. ]
Bieder, höflich, zuvorkommend – und eiskalt, so beschreibt ein Opfer die beiden Verbrecher, die Deutschland in den 80er Jahren in Atem halten. Die Zwei sind Profis: bei Geiselnahmen und Banküberfällen erbeuten sie damals rund 18 Millionen Mark. Die Polizei tappt im Dunkeln.

1987, kurz vor Weihnachten, landen die beiden ihren größten Coup. Zusammen mit einem Komplizen überfallen sie den Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker in seinem Haus in Ehingen bei Ulm und entführen dessen Kinder. Sie gehen zielstrebig, präzise und mit einer Bestimmtheit vor, die keinen Zweifel lässt, dass sie es ernst meinen. Doch bei den Verhandlungen über das Lösegeld für die entführten Kinder zeigen sich die Kidnapper flexibel und kooperativ. Am Ende begnügen sie sich mit 9,6 statt der ursprünglich geforderten 20 Millionen Mark. Dennoch erbeuten sie damit die höchste Summe, die bis dahin bei einer Entführung gezahlt wurde – und verschwinden spurlos.

Trotz einer fast 100 Mann starken Sonderkommission findet die Polizei keine Hinweise auf die Täter. In ihrer Verzweiflung ermitteln die Beamten sogar im Kollegenkreis. Auch Anton Schlecker gerät in Verdacht. Hat er die Entführung inszeniert? Doch alle Ermittlungen laufen ins Leere. Der Polizei bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass die Entführer noch einmal zuschlagen und einen Fehler begehen.

Die sind längst über alle Berge. Der eine hat sich nach Amerika abgesetzt, der andere ist in der Pfalz untergetaucht. Ein bürgerliches Leben mit Freundin, Haus und Hund erweist sich als perfekte Tarnung. Die beiden Männer verbindet eine vaterlose Jugend und viele vergebliche Versuche, mit redlichen Mitteln Geld zu verdienen. 1975 haben sie zusammen ihre erste Bank überfallen. Nach einem Dutzend weiterer Raubüberfälle auf Banken und Geldtransporter haben sie sich auf Geiselnahmen und Entführungen verlegt und damit Millionen erbeutet. Aber der Reichtum ist nicht von Dauer. Hunderttausende verlieren sie bei Spekulationen an der Börse und bei zweifelhaften Immobiliengeschäften. Nach zehn Jahren sind auch die Schlecker-Millionen aufgebraucht. Zeit für einen neuen Coup.

1998 überfallen die beiden den Direktor der Ehinger Volksbank, einen Nachbar Anton Schleckers, und erpressen knapp zwei Millionen Mark. Wieder ist das Verbrechen perfekt vorbereitet, wieder haben die Täter alle Spuren beseitigt, wieder tappt die Polizei im Dunkeln. Doch dann machen sie den entscheidenden Fehler. Einer der Täter ruft aus einer Telefonzelle nacheinander einen Verwandten des Opfers und dann seine Freundin an. Die Polizei kann den ersten Anruf zurück verfolgen und kommt über die zweite Nummer auf die Adresse der Freundin. Der Festnahme folgt ein rasches Geständnis. Im März 1999 werden die beiden inzwischen 64 und 60 Jahre alten Männer zu je dreizehneinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Film dokumentiert dieses einmalige Verbrechen in der Kriminalgeschichte der Bundesrepublik und erzählt, wie es den beiden unscheinbaren Männern gelingen konnte, die Polizei 23 Jahre lang an der Nase herumzuführen.

Film von Roland May (SWR)

Sendetermin
Di, 16.04.13 | 22:30 Uhr
SWR Fernsehen