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Aufmachergrafik zu Die großen Kriminalfälle
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Lebenslang weggesperrt

Der Frauenmörder Heinrich Pommerenke (Erstausstrahlung: 19.07.2010)

Pommerenke auf der Anklagebank (Bild: SWR/Braunsperger/dpa) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Der Raub- und Sexualmörder Heinrich Pommerenke ]
Am 22. Oktober 1960 verkündet das Schwurgericht Freiburg nach dreiwöchiger Hauptverhandlung das Urteil gegen den 23 Jahre alten Hilfsarbeiter Heinrich Pommerenke. Er wird zu sechsmal lebenslang und weiteren zeitlichen Strafen von insgesamt 140 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Pommerenke wird schuldig befunden des Mordes in vier Fällen, davon zwei Fälle in Tateinheit mit Notzucht mit Todesfolge, des versuchten Mordes in zwölf Fällen, zum Teil mit vollendeter Notzucht und schwerem Raub, außerdem der versuchten Notzucht in weiteren Fällen, der Unzucht mit einem Kind unter 14 Jahren, der gefährlichen Körperverletzung, der schweren räuberischen Erpressung und des fünffachen schweren Diebstahls im Rückfall.

Die kriminelle Energie, mit der der äußerlich unauffällige, sympathisch wirkende junge Mann bei seinen Taten vorgeht, erschrecken Justiz und Bürger gleichermaßen. Von September 1958 bis zum Juni 1959 hat Pommerenke im süddeutschen Raum zwischen Heidelberg, Schwarzwald und Basel auf einsamen nächtlichen Straßen, in Fußgängerunterführungen, auf Bahnhöfen, im Zug mindestens 30 Frauen aufgelauert, sie überfallen, beraubt und vergewaltigt. Vier davon hat er getötet.

Die Brutalität seines Vorgehens, die Willkür, mit der er seine Opfer aussucht und die Unberechenbarkeit, mit der er zuschlägt, versetzen eine ganze Region in Angst und Schrecken. Die Polizei ist machtlos. Es gibt kein erkennbares Muster, nach dem er vorgeht, keinen Plan, kein einleuchtendes Motiv, keinen vergleichbaren Fall, auf den man bei den Ermittlungen zurückgreifen könnte. Pommerenke ist unberechenbar, ein Einzeltäter, ein Getriebener, der ständig seinen Aufenthaltsort wechselt, der sich wochenlang still verhält und dann wieder brutal zuschlägt, manchmal drei- oder viermal an einem Tag, danach ist alles wieder ruhig.

Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr alleine zur Schule gehen, Frauen meiden einsame Wege, trauen sich in der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße. Es hilft nichts, Pommerenke beobachtet seine Opfer, geht ihnen nach, steigt in ihre Wohnungen ein und fällt dort über sie her. Danach ist er wieder verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Er lebt im Wald, übernachtet in Heuschobern, treibt sich herum.

Nur durch Zufall kommt ihm die Polizei schließlich auf die Spur. Als er einen Anzug von der Reinigung abholt, lässt er eine Tüte im Geschäft liegen, darin ist auch seine Pistole. Der Angestellte ruft die Polizei. In einer wilden Verfolgungsjagd wird Pommerenke schließlich gestellt. Nach und nach kommen seine ganzen Vergehen ans Tageslicht. Die Boulevardpresse berichtet, breitet alle Details der Verbrechen aus, nennt Pommerenke eine "Bestie" in Menschengestalt. Der Ruf nach der Todesstrafe für Heinrich Pommerenke wird laut.

In diesem Klima beginnt im Oktober 1960 der Prozess. Wichtig scheint damals vor allem, dass die Gesellschaft vor Heinrich Pommerenke geschützt wird, dass er weggeschlossen, verwahrt wird – auf Lebenszeit. Im Dezember 2008 stirbt er im Gefängnis, nach 47 Jahren hinter Gittern.

Die Dokumentation von Tom Ockers geht der Lebensgeschichte von Heinrich Pommerenke nach. Woher kam er? In welchem Milieu wuchs er auf? Welche fatalen Vorbedingungen und Wendungen bestimmten seinen Lebenslauf? Wie wurde er zum Mörder? Und: Warum musste er im Gefängnis sterben? Hätte es eine Chance auf Resozialisierung und Freilassung gegeben?

Nach langer Recherche konnten Pommerenkes Schwester, frühere Opfer, Justizbeamte, Polizisten und Psychologen für eine Mitarbeit gewonnen werden. Viele äußern sich zum ersten Mal vor einer Fernsehkamera zu dem Fall.

Film von Tom Ockers

Sendetermin
Di, 02.04.13 | 22:30 Uhr
SWR Fernsehen