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Auszug aus Europa – Was die Briten bewegt

Geschichte im Ersten

Europäische Flagge überschrieben mit BREXIT
Theresa May hat offiziell den Austritt Großbritanniens aus der EU eingereicht.

Der 29. März 2017 ist ein historisches Datum, denn an diesem Tag hat Theresa May offiziell den Austritt Großbritanniens aus der EU eingereicht. Damit läuft das Brexit-Verfahren und auch wenn die britische Regierungschefin immer wieder versichert, dies sei kein Austritt aus Europa, sondern nur aus der EU, werden sich die europäische Union und Großbritannien drastisch verändern.

Viele Menschen wollen den Austritt, andere haben große Angst, um die Zukunft der britischen Wirtschaft und um ihre eigene. Die Schotten diskutieren bereits wieder über eine neue Volksabstimmung und auch in Nordirland würde man lieber in der EU bleiben.

Die Briten und "the Continent"

Die Briten und Europa – das war eine schwierige Beziehung von Anfang an. Seit jeher zeigen die Briten ein grundlegendes Misstrauen gegenüber allem, was vom Festland – "the Continent" – kommt. Für Großbritannien ist nämlich keinesfalls geklärt, ob ihr Land wirklich zu Europa gehört oder ob die Briten auf ihrer Insel nur Nachbarn Europas sind.

"Wir stehen zu Europa, gehören aber nicht dazu, wir sind verbunden, aber nicht umfasst, wir sind interessiert und assoziiert, aber nicht absorbiert."
Churchills Definition ist für viele Briten bis heute schlüssig.

Vorurteile und heimliche Bewunderung

Warum nur sind sie so anders? Wir Kontinentaleuropäer haben unsere vorgefertigten Meinungen über das Land jenseits des Kanals: mieses Wetter, schlechtes Essen, warmes Bier.

Gleichzeitig kamen jedoch immer wieder bahnbrechende Impulse von den Briten zu uns auf den Kontinent: die industrielle Revolution, Popmusik, Mode. Wir hegen eine heimliche Bewunderung für dieses Land, das beides zugleich ist: rückständig und modern, altmodisch und avantgardistisch.

Europa – keine emotionale Angelegenheit

Splendid Isolation – vom Meer umgeben und Europa vorgelagert war Großbritannien nie gezwungen, wie die Kontinentaleuropäer mit zahllosen angrenzenden Nachbarländern einen Interessenausgleich zu finden, sich anzupassen.

Eine romantische Sehnsucht nach einem einigen, friedlichen Europa hat sich in Großbritannien deshalb auch nie entwickelt. David Cameron brachte es 2013 auf den Punkt: "Europa ist für die Briten eine praktische und keine emotionale Angelegenheit."

Den Ton angeben anstatt sich unterzuordnen

Als einstige Kolonial- und Weltmacht ist Großbritannien gewohnt, den Ton anzugeben und nicht, sich ein- oder gar unterzuordnen: "Die Engländer sehen es als einen Affront gegen Gott und die Natur an, von Ausländern beherrscht zu werden", brachte es George Orwell auf den Punkt. Von einem europäischen Superstaat geschluckt zu werden – ein britischer Alptraum.

Kette von Missverständnissen und enttäuschten Hoffnungen

Doch als Großbritannien um Aufnahme in die EWG ersuchte, wurde es zunächst von Frankreich zurückgewiesen. Was für ein Affront! Und als sie dann schließlich 1973 beitraten, legten sie schon zwei Jahre später das erste Referendum über den Verbleib nach. Damals stimmten knapp 67 % der Briten dafür.

Dennoch blieb die europäisch-britische Beziehung auch weiterhin eine nicht enden wollende Kette von Rangeleien, Missverständnissen und enttäuschten Hoffnungen – von Beginn an. Immer wieder irritierten die Briten im Laufe dieser Beziehungsgeschichte mit Extrawürsten und Sonderwegen ihre europäischen Partner.

Unerwiderte Liebe und bittere Zurückweisung

Experten, wie der berühmte britische Historiker Timothy Garton Ash und der London-Korrespondent Thomas Kielinger erklären die historischen Hintergründe der britischen Europaskepsis. Britische und deutsche Journalisten und Comedians berichten von ihren Erfahrungen mit Klischees und Vorurteilen.

Eine augenzwinkernde Zeitreise in ein ebenso problematisches wie amüsantes Kapitel europäischer Geschichte – voller Sehnsucht und Stolz, voll unerwiderter Liebe und bitterer Zurückweisung.

Ein Film von Carsten Günther

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Produktion

Diese Sendung wurde vom
Westdeutschen Rundfunk produziert.