SENDETERMIN Mo, 30.01.17 | 22:45 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: Der Bus, der Mob und das Dorf

Die Story im Ersten

PlaySchock in der Nacht: Schreiender Mob und weinende Familien in Clausnitz.
Die Story im Ersten: Der Bus, der Mob und das Dorf | Video verfügbar bis 30.01.2018

Es waren schockierende Videosequenzen, die im Februar 2016 den Weg aus dem sächsischen Dorf Clausnitz bis in internationale Nachrichten fanden: Ein Reisebus mit Flüchtlingsfamilien, darunter weinende Frauen und Kinder, wird belagert von einer Menge hasserfüllter Männer, die "Ab nach Hause!" schreien und "Wir sind das Volk!". Die Aufforderung der Polizei, den Weg freizuräumen, quittierten sie mit Hohngelächter. Als ein Beamter den Flüchtlingsjungen Luai aus dem Bus in die vorgesehene Unterkunft zerrt, johlt die Menge. Die nächtlichen Szenen symbolisieren bis heute die hässliche Seite Deutschlands während der Zuwanderungs-Debatte.

Autor Klaus Scherer in Clausnitz
Autor Klaus Scherer in Clausnitz

Was wurde aus Luai, was aus den anderen Flüchtlingen im Bus? Welche Straftaten kann die Justiz den beschuldigten Blockierern nachweisen? Wie bewältigt das Dorf den Konflikt zwischen Helfern, die es auch in Clausnitz gibt, und ortsbekannten Rassisten? Ein Jahr lang gingen Autor Klaus Scherer und Nikolas Migut, Videojournalist, diesen Fragen nach.

Wie ist die Stimmung heute im Dorf?

Ihr behutsamer Film wirft einen zweiten Blick auf den Ort und seine alten wie neuen Bewohner – vom 15-jährigen Luai aus dem Libanon, der inzwischen selbst Polizist werden will, über den parteilosen Bürgermeister, der noch immer Mühe hat, die Lager zu einen, bis zum örtlichen Helferkreis, der die Geflüchteten trotz Einschüchterung von Beginn an im Alltag unterstützte.

Luai Katoun (15) möchte bleiben.
Luai Katoun möchte bleiben.

"Ich habe selten erlebt, dass so viele Menschen selbst anonym die Kamera scheuten, auch wenn sie sich gar nichts vorzuwerfen haben", sagt Scherer. "Anfangs schien es noch, als fehle es auch hier an Zivilcourage. Am Ende waren wir aber nicht mehr sicher, ob die Sorge der Mehrheit vor dem Druck der Rechten nicht tatsächlich begründet ist."   

Erstmals kommen in der Dokumentation Zeugen zu Wort, die den Hergang der Nacht schildern, einschließlich der Drohung eines Dorfbewohners gegenüber einer Helferin, man werde ihr Haus abbrennen. Als oberster Dienstherr der Polizei räumt in dem Film auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière Handlungsbedarf ein, um Hass und Gewalt in Schranken zu weisen. 

Ein Film von Klaus Scherer und Nikolas Migut

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Mo, 30.01.17 | 22:45 Uhr
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Produktion

Diese Sendung wurde vom
Norddeutschen Rundfunk produziert.