SENDETERMIN Di, 20.12.16 | 00:05 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: Der Silvester-Schock

Die Ereignisse des 31.12.2015 und die Folgen

Die Story im Ersten: Der Silvester-Schock | Video verfügbar bis 20.12.2017

Köln, 31.12.2015, 22.30 Uhr. In der Leitstelle der Polizei in Köln geht ein erster Notruf ein. Eine junge Frau meldet sich: "Man kann am Bahnhof gar nicht mehr durch die Menge gehen. Wir sind schon von ganz vielen angefasst und mit Böllern beschmissen worden. Es ist wirklich grenzwertig und gefährlich." Keiner ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass diesem Notruf noch unzählige folgen werden. Und keiner ahnt, dass diese Nacht von Köln in die Geschichte eingehen wird als eine Nacht, die das Land verändern wird.

Was ist in dieser Nacht geschehen?

Zahlreiche Menschen sind am 31.12.2015 in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs zu sehen. (Archivfoto)
Zahlreiche Menschen sind am 31.12.2015 auf den Vorplatz des Hauptbahnhofs in Köln gekommen.

Rund 500 Anzeigen werden an Silvester und den folgenden Wochen wegen sexueller Übergriffe alleine in Köln aufgegeben. Die AutorInnen dieses Films treffen Frauen, deren Schilderungen das Ausmaß der sexuellen Übergriffe deutlich machen und damit auch die Abgründe, die sich für die Betroffenen in dieser Nacht auftaten. So wie bei Jessica P. Mit ihrem Freund ist sie gerade in Köln am Bahnhof angekommen, als ihr jemand an den Po fasst. Und es werden immer mehr Männer. Sie wird begrapscht, sie fühlt sich bedroht, in die Enge getrieben. Ihr Freund kann nicht helfen, es sind einfach zu viele. Wie kann es sein, dass die Polizei nicht helfen kann?

Die AutorInnen sprechen mit Polizisten, die damals dabei waren. Und sie machen sich auf die Suche nach den Tätern. Bis heute wurden nur zwei von ihnen verurteilt. Einer davon will von den Vorwürfen der sexuellen Nötigung nichts wissen. Beschuldigt das Opfer, die Polizei, den deutschen Staat für das seiner Meinung nach falsche Urteil, das sein Leben zerstört habe. Doch war er wirklich zufällig am Hauptbahnhof, wie er behauptet? Und wenn es keine abgesprochene Aktion vieler Beteiligter war, was war es dann?

Was sind die Folgen?

Zahlreiche Menschen sind am 31.12.2015 in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs zu sehen (Archivfoto)
Der Kölner Hauptbahnhof: Seit Silvester 2015 ist hier einiges anders.

Diese Nacht hat nicht nur das Leben der Opfer verändert. Auch das eines jungen Algeriers. Er war auf dem Bahnhofsvorplatz. Auch er wollte feiern, obwohl er nicht viel zu feiern hat. Seit Jahren reist er durch Europa und sucht einen Ort, der sein Zuhause werden kann. Die Polizei nimmt in dieser Silvesternacht seine Personalien auf. Der Algerier wird verdächtigt, geklaut zu haben und kommt vier Monate in Untersuchungshaft. Erst im Juni wird klar: Der junge Mann ist kein Täter, er ist Opfer. Er ist selbst bestohlen worden in jener Nacht, er ist ins Gefängnis gewandert. Heute sitzt er in einer Unterkunft zusammen mit Obdachlosen. Seine Perspektive? Er hat keine.

Silvester in Köln, das ist auch eine Geschichte des Scheiterns. Der Staat scheint hilflos gegen hunderte, teils alkoholisierte, enthemmte Männer. Täter müssen wieder laufen gelassen werden, weil die Polizei in der Unterzahl ist. Opfer erfahren keine Hilfe. Zusätzliche Kräfte wurden nicht angefordert.

Die Politik scheint ratlos

Und die Politik? Erst nach und nach wird die ganze Dimension dieser Nacht deutlich. Der nordrhein-westfälische Landtag befasst sich seit Februar 2016 mit den Ereignissen der Kölner Silvesternacht. Verstörendes kommt zu Tage, aber auch politisches Kalkül und jede Menge Ratlosigkeit.

"Die Story im Ersten" erzählt minutiös die Geschehnisse dieser Nacht und ihren Folgen - bis heute: Was fühlen die Opfer, was sagen die Täter? Wie bereitet sich die Polizei auf das nächste Silvester vor und welche Konsequenzen zieht die Politik? Und was bedeutet dieses Silvester für unsere Gesellschaft? Markiert diese Nacht wirklich einen Stimmungsumschwung - von der Willkommenskultur zu einer Kultur der Ablehnung und der Furcht?

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