SENDETERMIN Mo, 09.10.17 | 22:45 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: Der unbekannte Terrorist

Der unbekannte Terrorist | Video verfügbar bis 09.10.2018

Am Abend des 12. Oktober 2016 wird der Syrer Jaber Albakr erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Zu diesem Zeitpunkt war er Deutschlands wichtigster Gefängnisinsasse – ein mutmaßlicher Terrorist des Islamischen Staates. Sein Anschlagsziel: der Flughafen Tegel in Berlin. Sein Tod: das unrühmliche Ende in einer Serie beispiellosen Behördenversagens.

Bei Verhaftungsversuch entkommen

Das Fahndungsfoto der Polizei. Auf diesem Bild erkannten drei Syrer den Terrorverdächtigen.
Das Fahndungsfoto der Polizei. Auf diesem Bild erkannten drei Syrer den Terrorverdächtigen.

Schon wenige Tage zuvor – beim Versuch ihn zu verhaften – ist er den Polizisten einfach entwischt. Und das, obwohl er als Zeuge möglicherweise unschätzbare Informationen im Hinblick auf zukünftige Anschläge hätte liefern können. Seine Verhaftung verdankte die Polizei schließlich der Geistesgegenwart dreier anderer Syrer.

Nach seinem Tod bleiben viele Fragen: Wann und wo hat er sich radikalisiert? Wurde er gezielt als Flüchtling nach Deutschland eingeschleust? Hat er allein gehandelt oder war er Teil eines Netzwerkes, als er in einer Wohnung 1,5 Kilogramm des hochexplosiven Sprengstoffs TATP zusammenmischte?

Als Zeuge hätte er viele Erkenntnisse liefern können, diese Chance hat der Staat vertan.

Umstände des Todes rätselhaft

Und auch die Umstände seines Todes geben viele Rätsel auf: Dazu gibt es Aussagen, die widersprüchlich sind und teilweise einfach unberücksichtigt blieben. Und selbst das Tatwerkzeug konnte später nicht mehr rekonstruiert werden. So ergibt sich die Frage: Haben sich die Ereignisse in der Justizvollzugsanstalt Leipzig wirklich so abgespielt wie von offizieller Seite dargestellt?  

Widersprüche in der Geschichte

Ismail und Rasmia Albakr, Jabers Eltern beim bislang einzigen Interview mit deutschen Journalisten in Damaskus.
Ismail und Rasmia Albakr, Jabers Eltern beim bislang einzigen Interview mit deutschen Journalisten in Damaskus.

Die Autoren finden zahlreiche Widersprüche in der Geschichte rund um Jaber Albakr. Sie recherchieren in seinem Umfeld und bei den Sicherheitsbehörden, nehmen Einsicht in Ermittlungsakten, treffen Informanten, untersuchen die Geldflüsse und besuchen Aufenthaltsorte Albakrs. Der Weg führt dabei auch nach Damaskus, dem Ausgangspunkt seiner Reise, und ins syrische Idlib, wo sich Albakr vorübergehend aufgehalten hatte.

Fehler der Behörden

Stück für Stück fügt sich so das Puzzle zu einem Krimi zusammen, der sich genau vor einem Jahr mitten in Deutschland abgespielt hat. Klar wird: Die deutschen Behörden haben beim Zugriff, bei der Fahndung und bei der Haft eklatante Fehler begangen.

Originalfoto der Zelle in der JVA Leipzig, in der Albakr starb.
Originalfoto der Zelle in der JVA Leipzig, in der Albakr starb.

Einsätze waren schlecht vorbereitet, die Kommunikation nicht aufeinander abgestimmt und Anordnungen wurden einfach missachtet. So wurde fahrlässig mit wertvollen Informationen und einer völlig unkalkulierbaren Gefahr umgegangen – einer Gefahr, die viele Menschen das Leben hätte kosten können. 

Ein Film von Jan Schmitt, Arndt Ginzel und Tarek Khello

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