SENDETERMIN Mo, 09.10.17 | 23:30 Uhr | Das Erste

Geschichte im Ersten: Die Geiseln von Mogadischu

Die Geiseln von Mogadischu | Video verfügbar bis 09.10.2018

40 Jahre nach der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" im Oktober 1977 lebt das Drama bei den Insassen von damals fort. Als Geisel palästinensischer Terroristen fünf Tage lang eingepfercht in einer Flugzeugkabine, in der es mit jedem Tag mehr nach Angst, Schweiß und Tod roch – für die meisten der Insassen blieb dies ein Trauma für den Rest ihres Lebens. Viele fanden kaum – manche gar nicht – in ein "normales" Leben zurück. Ihre Bemühungen um therapeutische Hilfe und materielle Entschädigung gerieten zum Spießrutenlauf. Und auch die Familien und Freunde der Geiseln waren nicht selten überfordert vom Trauma, das die Geiseln mit nach Hause brachten von einem Urlaubsflug nach Mallorca.

Das Leben nach der Geiselnahme

Co-Pilot Jürgen Vietor und seine Frau
Co-Pilot Jürgen Vietor und seine Frau auf dem Weg zur Landshut nach Brasilien.

Wie wäre das Leben der früheren "Landshut"-Passagiere wohl sonst verlaufen, wenn sie sich nicht zufällig an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit in einem Flugzeug befunden hätten? Und warum kann das Erlebte eine solche Macht über Menschen haben – selbst mit weitem Abstand von vier Jahrzehnten? Der Film erzählt die weitgehend unbekannte Geschichte der "Landshut"-Insassen 40 Jahre nach ihrer Entführung und Befreiung. Er zeigt, wie Passagiere und Besatzung durch dieses Ereignis für immer Geiseln blieben. Als Protagonisten wirkten die früheren Geiseln Jutta Knauf, Beate Keller und Diana Müll mit, außerdem Gabriele von Lutzau, die als Stewardess auf der "Landshut" war und wegen ihres couragierten Verhaltens als "Engel von Mogadischu" bekannt wurde, sowie Jürgen Vietor, Co-Pilot auf dem entführten Flug.

Eine fatale Entscheidungssituation

Über das Wohl und Wehe der "Landshut"-Geiseln wurde im fernen Bonn entschieden, im kleinen und großen Krisenstab der Bundesregierung unter Leitung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Der damalige Justizminister Hans-Jochen Vogel, ein enger Vertrauter Helmut Schmidts, erinnert noch einmal an die fatale Entscheidungssituation während der dramatischen Entführungstage: Sollen wir – um kurzfristig Menschen zu retten – Terroristen freilassen, von denen weitere schwere Straftaten zu erwarten sind? Und: Darf der Staat sich durch Terror erpressen lassen?

Der Film wirft zudem ein Licht auf die politische und gesellschaftliche Verfasstheit der alten Bundesrepublik. Er beschäftigt sich mit Traumatisierungen, die Menschen in der Folge politischer Ereignisse erleiden. Heute, da der Terrorismus immer öfter in den Alltag jedes einzelnen eingreift, ist das Thema nicht weniger aktuell als vor 40 Jahren.

Ein Film von Martina Treuter und Martin Rupps

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