SENDETERMIN Mo, 30.04.18 | 20:15 Uhr | Das Erste

Was Deutschland bewegt: Die Schattenseiten des Booms

Folge 1

PlayRainer Mechelke schrieb Hunderte Bewerbungen
Was Deutschland bewegt: Die Schattenseiten des Booms | Video verfügbar bis 30.04.2019 | Bild: MDR

Unter dem Titel "Was Deutschland bewegt" greift Das Erste mit sechs brisanten Dokumentationen relevante Themen auf: ab 30. April 2018, immer montags um 20:15 Uhr.  Dabei wird es unter anderem um soziale Ungleichheit, um das Verhältnis Ost-West, um Gewalt gegen Kinder und um sexuelle Übergriffe im Alltag gehen. Nach Möglichkeit wird das Thema dann von Frank Plasberg bei "hart aber fair" mit seinen Gästen weiterdiskutiert.  

Seit 2005 sinken die offiziellen Arbeitslosenzahlen. Aktuelles Ziel: Vollbeschäftigung 2025. Die Konjunktur läuft auf Hochtouren. Überall werden Arbeitskräfte händeringend gesucht. Doch der Boom hat Schattenseiten. Viele Menschen fühlen sich benachteiligt. Sie arbeiten in prekären Beschäftigungsverhältnissen, kommen aus der Teilzeit nicht in die Vollzeit, werden unter Mindestlohn bezahlt und haben kaum eine Chance darauf, dass es besser wird.

Für viele kommen die Anstrengungen zu spät

Steffen Weißbrodt
Steffen Weißbrodt war lange arbeitslos, jetzt hat er eine Beschäftigung. | Bild: MDR

Die Achillesferse des deutschen Arbeitsmarktes ist seit vielen Jahren die Langzeitarbeitslosigkeit. Die neue Regierung will jetzt das Problem, an dem sie schon in der letzten Legislaturperiode gescheitert ist, erneut angehen. Neue wichtige politische Anstrengungen, die für viele Betroffene aber zu spät kommen. Abgehängte Regionen im Osten und Globalisierungsverlierer im Westen. In der Dokumentation geht es um die betroffenen Menschen. Müssen sie sich mit ihrem Schicksal abfinden? Was wäre notwendig, damit auch sie viel mehr am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben können? Wie schafft man es, dass es wieder aufwärts geht?

Rainer Mechelke aus Ostberlin fand nie den Job für lange Zeit. Er hat sich abgefunden und sagt: "Die lange Zeit der Arbeitslosigkeit hat mich krank gemacht." Der 60-Jährige ist einer von mehr als einer Million Langzeitarbeitslosen. Dem typischen Wendeverlierer Mechelke half es nicht, dass es von 2005 an wieder mehr Jobs gab. War er künftigen Arbeitgebern zu selbstbewusst, einer, der man nicht mit miesen Angeboten kommen konnte? Heute findet er sich durch einen statistischen Trick nicht einmal mehr unter den Arbeitslosen, obwohl er es faktisch noch ist.

Um gerechten Lohn geprellt

LKW Fahrer Jiří Gabrhel
LKW Fahrer Jiří G. arbeitete für einen Subunternehmer der Deutschen Post. | Bild: MDR

Eine brisante Schattenseite des Booms ist der Betrug beim Mindestlohn. Sage und schreibe 2,2 Millionen Arbeitnehmer schuften für Gehälter unterhalb des Mindestlohns. Das fand das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut Anfang des Jahres heraus. Eine unglaubliche hohe Zahl. Wie geht das in Zeiten des Arbeitskräftemangels? Mit Stücklohn, Nichtzahlen von Überstunden und mit anderen Tricks werden Arbeitnehmer um ihren gerechten Lohn geprellt. Die Dokumentation deckt Praktiken auf, wie in bestimmten Branchen gezielt weniger gezahlt wird als gesetzlich vereinbart. Wer schlägt daraus Kapital?

Mittelbar profitieren auch deutsche Großkonzerne ganz ordentlich davon. Weil sein Subunternehmer ihm keinen Mindestlohn zahlte, verklagte Jirí G. aus Tschechien die Deutsche Post als Auftraggeber. Und der gelbe Riese gab nach. Das Unternehmen musste ihm für 10 Monate Arbeit insgesamt 8500 Euro nachzahlen. Nur eine Geschichte, eine mit einem guten Ausgang.

Zwischen Wut und Ohnmacht

Viele andere Arbeitnehmer trauen sich allerdings nicht, ihre Rechte wahrzunehmen. Sie sind zermürbt. Denn der Druck am Arbeitsplatz hat sich in vielen Unternehmen erhöht. Zwischen Wut, Ohnmacht und Resignation. So fühlen sich die Menschen auf der Schattenseite. Viele sind von Altersarmut bedroht.

Rainer Mechelke schrieb Hunderte Bewerbungen
Rainer Mechelke schrieb Hunderte Bewerbungen. | Bild: MDR

Nach der Globalisierung und ihren Folgen für unsere Arbeitswelt geht es in naher Zukunft um neue Herausforderungen. Die Umwälzungen der Digitalisierung werfen ihren Schatten voraus. Mit schlechten Prognosen für viele Arbeitnehmer in Behörden, Ämtern und Verwaltungen. Es wird nicht Regionen am Rande Deutschlands treffen, sondern die Finanz- und Verwaltungszentren, die Landeshauptstädte.

Sind wir darauf vorbereitet? Stehen wir vor einer neuen Massenarbeitslosigkeit, weil Maschinen und Algorithmen den Arbeitstakt bestimmen werden? Auch dieser Frage geht der Film mit Analysen und mit Hilfe von Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern nach. Und nicht zuletzt: Was will die neue Regierung angesichts der Herausforderungen unternehmen?

Ein Film von Knud Vetten

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