SENDETERMIN Mo, 29.01.18 | 22:45 Uhr | Das Erste

Geheimsache Doping: Das Olympiakomplott

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Geheimsache Doping - das Olympiakomplott (Teil eins) | Video verfügbar bis 29.01.2019 | Bild: dpa/Vitaly Belousov

Das weltweite Anti-Doping-Kontrollsystem ist nicht sicher und offenbar manipulierbar. Bei den Recherchen für die Dokumentation "Geheimsache Doping" werden die bisher als absolut sicher geltenden Dopingkontrollbehälter einer eingehenden Untersuchung unterzogen.

Das Ergebnis: Die von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA zugelassenen Gefäße können von unberechtigten Personen geöffnet und wieder verschlossen werden –  ohne, dass dabei Spuren hinterlassen werden. Somit ist ein Betrug, beispielsweise durch einen Austausch der Urinproben, möglich. Unmittelbar vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang ist diese Erkenntnis des zweiten Dokumentations-Teils des Teams um den ARD-Doping-Experten Hajo Seppelt äußerst brisant.

Seppelt - "Die Dopingkontrollen in Pyeongchang sind nicht sicher" | Video verfügbar bis 29.01.2019

Alarmierendes Ergebnis auch für die Sommerspiele

Bereits das Fazit des ersten Teils ist für den Weltsport alarmierend: Schon für die Sommerspiele 2008 in Peking und 2012 in London soll es demnach staatlich organisiertes Doping in Russland gegeben haben. Darauf weisen die Aussagen des Kronzeugen für russisches Staatsdoping, Grigori Rodschenkow, im ARD-Interview hin. Der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors wird von Russland mit internationalem Haftbefehl gesucht und ist im Zeugenschutzprogramm der US-Behörden untergetaucht.

Rodschenkow bestätigt zunächst den Inhalt eines Geheimpapiers, welches ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt zugespielt wurde. Die Doping-Pläne 2008 wurden für die alltägliche Anwendung unter Federführung des Moskauer Anti-Doping-Zentrums entwickelt. In den Unterlagen dazu heißt es: "Vor Dopingtests geschützt durch umfassenden Urinaustausch... Ersatz-Urin kam von anderen Sportlern oder vom Trainer." Für 2012 ist beispielsweise notiert: "Anabolika wurden mit Whisky... oder Wermut... versetzt, so dass sie sich im Körper schneller auflösen... In Serie wurden neuartige Peptidhormone gespritzt. Sportler waren verpflichtet, sauberen eingefrorenen Ersatz-Urin rund um die Uhr jeden Tag bereitzuhalten."

Wie genau nahm man es beim IOC?

Für 2014 in Sotschi, sagt Rodschenkow, wurde das Staatsdoping dann zur Perfektion gebracht. Inklusive Austausch von Urinproben für Russlands Medaillenhoffnungen – laut Rodschenkow vom Inlandsgeheimdienst FSB organisiert. Nachdem der Betrug von Sotschi durch ein Rodschenkow-Interview vom Mai 2016 aufgeflogen war, kündigte Bach an: "Kein russischer Athlet kann an den Olympischen Spielen in Rio 2016 teilnehmen – es sei denn: er oder sie erfüllt einige sehr strenge Kriterien." Eines davon: In Rio sollten nur Sportler starten dürfen, die unabhängig auf Doping getestet worden waren. Heißt vor allem: nicht von russischen Kontrolleuren.

Nun liegt dem ARD-Doping-Experten Seppelt ein USB-Stick mit interner Kommunikation zwischen dem IOC und den Sommersport-Verbänden vor: mit Statistiken, E-Mails, Briefen, auch direkt an den IOC-Präsidenten Bach. Immer wieder ist zu lesen: Es mangelt an Information, Details und Teststatistiken fehlen, es wurde nicht getestet. Dies weckt Zweifel, ob man es mit den öffentlich verkündeten, strengen Zulassungskriterien wirklich so genau genommen hat.

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: "Mit unseren Dokumentationen zu Doping und Sportpolitik haben wir in der Vergangenheit mehrfach sportpolitische Lawinen ausgelöst. Auch diesmal haben sich die Recherchen gelohnt – es ist ein hervorragendes Hintergrundstück mit bemerkenswerten Neuigkeiten. Aufgrund der Brisanz und der aktuellen Entwicklung haben wir uns entschlossen, beide Themenkomplexe heute Abend im Rahmen einer Doppelfolge auszustrahlen."

Dokumentation von Grit Hartmann, Jürgen Kleinschnittger und Hajo Seppelt

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