SENDETERMIN Mo, 11.07.16 | 23:45 Uhr | Das Erste

Hitlers Geldwäscher – Wie Schweizer Banken den Krieg finanzierten

Geschichte im Ersten

Schweizerische Nationalbank Bern.
Über viele Jahre profitierte das Schweizer Bankensystem von fragwürdigen Geschäften mit den Nationalsozialisten.

Als die Wehrmacht in Polen einmarschierte, war die deutsche Staatskasse leer. Ein gewaltiger Raubzug begann in den besetzten Ländern: Gold, Kunstwerke, Bankkonten – überwiegend in jüdischem Besitz – wurden konfisziert und zu Geld gemacht, Nationalbanken wurden buchstäblich geplündert. Die neutrale Schweiz bot sich als Wechselstube an. Die Geschäfte liefen bis 1945; die Alliierten wussten davon. Doch alle Versuche, Druck auf die Schweiz auszuüben, diese Form der Geldwäsche zu beendeten, führten zu nichts. Die daraus gewonnenen Devisen dienten den Nazis zur Beschaffung wertvoller Rohmaterialen für ihre Rüstungsindustrie und verlängerten den Krieg.

Ein lahmer Kompromiss

Goldbarren in Schweizer Tresoren.
Goldbarren in Schweizer Tresoren

Für beide Seiten war es ein lukratives Geschäft, ein Geschäft, das bei Schweizer Bankiers kein Schuldgefühl hervor rief – obwohl ihnen die Herkunft des Raubgoldes bekannt war. Als Vertreter der Schweiz 1946 wegen finanzieller Kompensationen nach Washington zitiert wurden, kam es nach 68 Tagen erbitterter Verhandlungen zu einem lahmen Kompromiss: Gegen einen Betrag von 250 Millionen Schweizer Franken war man zu einer abschließenden Regulierung bereit, einem "freiwilligen Schweizer Beitrag zum europäischen Wiederaufbau". Peanuts!

Die staatlichen Goldreserven aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern, hatten einen Wert von Milliarden. Dazu kamen Vermögensbestände der Opfer des NS-Terrors, die auf mehrere hundert Millionen Franken geschätzt wurden. Im Namen der Schweizer Neutralität, im Namen des heiligen Bankgeheimnisses verleugneten die Schweizer ihre unselige Rolle in diesem schmutzigen Geschäft. Sie kamen gut dabei weg …

Tipp:

Damals und heute

Bundeshaus in Bern.
Das Bundeshaus in Bern

Der Film folgt zahlreichen Spuren und Wendungen – von den 1930er Jahren bis heute. Er deckt die Verbindungen zwischen NS-Deutschland und Schweizer Banken ebenso auf, wie die Frage, wie und wodurch die Schweiz und ihr Bankensystem so lange von diesen Geschäftsverbindungen profitiert haben und worin noch heute das Interesse der Schweiz besteht, keinen Schlussstrich zu ziehen.

Ein Film von Xavier Harel

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