SENDETERMIN Di, 17.11.15 | 00:00 Uhr | Das Erste

Honeckers Gastarbeiter – Fremde Freunde in der DDR

Geschichte im Ersten

In Maputo demonstrieren die Madgermanes: Ehemalig Vertragsarbeiter, die sich um ihr Geld betrogen fühlen.
In Maputo demonstrieren die Madgermanes: Ehemalig Vertragsarbeiter, die sich um ihr Geld betrogen fühlen.

In der Zeit des Umbruchs waren ihre Dienste nicht mehr gefragt. Die ostdeutschen Kollegen empfanden sie als lästige Konkurrenten. Man schickte viele von ihnen nach Hause. Oder sie gingen freiwillig ob der zunehmenden rassistischen Gewalt in der einst "solidarischen DDR". Die rassistischen Exzesse vor Ausländerwohnheimen in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen waren der traurige Höhepunkt dieser Entwicklung.

Kontakt zu Einheimischen unerwünscht

DDR-Flagge
Die Flagge der DDR.

Die Dokumentation zeigt, wie die "Gastarbeiter" in der DDR gelebt haben. Die Regeln ihres Aufenthaltes waren in staatlichen Verträgen genau aufgelistet, deshalb hießen sie offiziell "Vertragsarbeiter". Kontakte mit Einheimischen wurden durch die Verträge erschwert, außerhalb offizieller Veranstaltungen waren sie nicht erwünscht. Die DDR-Bürger informierte man kaum. Sie wurden überrascht, wenn plötzlich Hunderte Vietnamesen in der Kaufhalle auftauchten.

Gerüchte machten die Runde. Bis heute glauben manche, dass die "Gastarbeiter" mit Westgeld bezahlt wurden. Mangelnde Informationen und der ungeübte Umgang mit Menschen aus fremden Kulturen führten immer wieder zu rassistischen Ressentiments, mal hinter vorgehaltener Hand, mal offen ausgelebt.

Viele kamen aus Mosambik und Vietnam

Die beiden größten Gruppen – die Mosambikaner und Vietnamesen – werden ihre Zeit in der DDR dennoch mehrheitlich als einen persönlichen Gewinn betrachten. Oft kamen sie aus armen Verhältnissen, die DDR war ihr erster Kontakt mit Europa. Sie verdienten richtiges Geld und konnten ihre Familien in der Ferne unterstützen.

Mai-Phuong Kollath berichtet vom Schicksal der Vietnamesinnen in der DDR. Sie arbeitete in der Großküche des Rostocker Hafens. Heute berät sie ihre Landsleute, aber auch deutsche Unternehmer, die in Vietnam Geschäfte machen wollen.

Die vietnamesischen Vertragsarbeiter waren die größte Gruppe ausländischer Arbeiter in der DDR.
Vietnamesischer Vertragsarbeiter

Jose Alfredo Cossa hatte sich mit seinen mosambikanischen Freunden schon Schlachten mit ostdeutschen Skinheads geliefert. Aber er fürchtet sich vor den Ostdeutschen nicht. In seinem sächsischen Dorf war Cossa beliebt, er spielte in der örtlichen Fußballmannschaft. Zu seiner Verabschiedung kamen Hunderte auf den Sportplatz.

Ein Film von Lutz Rentner und Tom Franke

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Di, 17.11.15 | 00:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Rundfunk Berlin-Brandenburg produziert.