SENDETERMIN Mo, 05.03.18 | 23:15 Uhr | Das Erste

Dokumentarfilm im Ersten: Krieg und Frieden

Begegnung deutscher und sowjetischer Truppen an der Demarkationslinie
Begegnung deutscher und sowjetischer Truppen 1939 an der Demarkationslinie | Bild: picture alliance / akg

Deutschland und die Sowjetunion: eine große Geschichte von Krieg und Frieden, Hass und Zuneigung, eine leidvolle und schwierige Geschichte. Sie beginnt vor 100 Jahren – mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Brest-Litowsk, Anfang März 1918. Deutschland und die Sowjetunion: Fast 75 Jahre lang hat ihr Verhältnis die Geschichte beider Länder geprägt – und ihre Bilder wirken bis heute fort.

Diktierter Frieden

Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk war ein diktierter Friede. Mit ihm jedoch erkannte das deutsche Kaiserreich, dessen Tage schon gezählt waren, Sowjetrussland an, einen jungen Staat, den es erst seit wenigen Monaten gab. Und so nahmen die deutsch-sowjetischen Beziehungen ihren Lauf. Nach dem Ersten Weltkrieg waren Deutschland und die Russische Sowjetrepublik international isoliert. Lenins Außenpolitiker setzten alles daran, einen Pakt mit Deutschland zu schließen, und sie erreichten ihr Ziel in Rapallo, wo ein zögerlicher deutscher Außenminister Rathenau einen Vertrag unterzeichnete, den er eigentlich nicht wollte.

Er bezahlte dafür mit dem Leben. Es ist etwas anderes als Verträge und politisches Kalkül, das Rapallo erst ermöglichte: die immer wieder feststellbare Nähe und Sympathie zwischen Deutschen und Russen, die sogar die Gräuel des Zweiten Weltkriegs überdauerten.

Maja Turowskaja, Autorin des sowjetischen Filmklassikers "Der gewöhnliche Faschismus", nennt die beiden großen Kriege "Bruderkriege". Und der deutsche Botschafter von der Schulenburg, dessen größter diplomatischer Erfolg zu seiner eigenen Betrübnis der Hitler-Stalin-Pakt war, mit dem die beiden Diktatoren Europa unter sich aufteilten, sprach verwundert darüber, dass die Liebe zu Deutschland in den Russen "nicht totzukriegen" sei.

Freundschaft oder Feindschaft?

Der Film von Artem Demenok und Andreas Christoph Schmidt erzählt aus der wechselvollen Geschichte beider Länder und der Menschen in ihnen. Einer der beiden Staaten hat vor mehr als einem Vierteljahrhundert aufgehört zu existieren. Trotzdem ist es eine Geschichte mit Nachwirkung bis in die Gegenwart, denn ihre Bilder wirken fort.

Ihre Mythen, Feindbilder und Projektionen prägen immer noch die gegenseitige Wahrnehmung. Eine Geschichte der Ideologien – ihr Kampf gegeneinander ging bis aufs Blut, die Auslöschung des anderen – hier rassistisch, dort politisch-ideologisch begründet – war existenziell gemeint. Es ging um Vernichtung. Dann wiederum, zu anderen Zeiten, um Koexistenz: in freundlicher Feindschaft – feindlicher Freundschaft.

Ein Film von Artem Demenok und Andreas Christoph Schmidt

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