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Putins Meisterwerk – eine WM um Macht und Millionen

Wladimir Putin und Gianni Infantino
Wladimir Putin und Gianni Infantino im Dezember 2017  | Bild: dpa / Kremlin Pool

Es geht nicht nur um Tore, nicht nur darum, wer am 15. Juli den WM-Pokal in den Moskauer Nachthimmel heben wird. Bei dieser FIFA Fußball-WM geht es um Macht, um Millionen, um Deutungshoheit. Wladimir Putin hat das Megaevent längst als politisches Machtinstrument erkannt, in einer Zeit, in der Russland und der Westen gegenseitig Diplomaten ausweisen und Politiker mehrerer Staaten bereits angekündigt haben, die WM nicht zu besuchen.

Auch FIFA-Präsident Gianni Infantino tut alles für einen Erfolg seiner ersten WM – nur so ist die angestrebte Wiederwahl im kommenden Jahr möglich.
So verwundert es wenig, dass Russland 2018 die teuerste Weltmeisterschaft aller Zeiten wird, aber mit Geld allein ist es nicht getan. Es wird vieles über Bord geworfen: Ethik, Fairplay und Skrupel. Für die WM schuften Arbeiter unter härtesten Bedingungen.

Wer profitiert?

Im vergangenen Jahr deckte der Vorgänger von "Putins Meisterwerk – eine WM um Macht und Millionen“", "Putins Generalprobe – Russland, die FIFA und der Confed Cup", auf, dass trotz gegenteiliger Aussagen nordkoreanische Arbeiter unter widrigsten Bedingungen und unter Verletzung von UN-Regularien an den russischen Sportpalästen bauen. An denen wiederum verdienen vor allem Oligarchen kräftig, die Putin nahe stehen. Wie bei Russlands letztem Sportgroßereignis, den Olympischen Winterspielen von Sotschi 2014, kommen die Hauptverdiener aus Putins Machtzirkel. Massiv grassierende Korruption, die Gefahr der Hooligans, Rassismus, Einschränkung von Menschenrechten werden unter den Teppich gekehrt.

"Putins Meisterwerk" zeigt, wie akut diese Probleme in Russland sind, für wen sich das Geschäft mit der WM am meisten lohnt. Und wie sehr der Kreml seit Jahren den Fußball im Land beeinflusst und lenkt. So werden Kritiker mundtot gemacht und ausgeschlossen. In der ARD-Dokumentation geben sie einen Einblick in die Machtstrukturen des russischen Fußballs. Zu Wort kommen auch Hooligans und unter EU-Sanktionen stehende führende russische Politiker mit besten Verbindungen in die Szene.

Die Rolle der FIFA

Die immer größer werdenden Probleme will die neue, angeblich reformierte FIFA am liebsten übersehen. Auch Hinweisen auf Doping in Russlands Fußball wird nur vordergründig nachgegangen. Schließlich garantiert Russland nicht nur steuerfreie WM-Gewinne, sondern hilft auch mit Sponsorenmillionen. Für Gianni Infantino ist das dringend nötig, ist doch das Interesse von westlichen Geldgebern an dem skandalgeplagten Verband überschaubar, in dessen Umfeld weiterhin die Justiz ermittelt. Deren Millionen aber sind wichtig, denn das Geld ist bereits durch seine vollmundigen Wahlversprechen von Millionengaben an die Mitgliedsverbände verplant. Ein Bruch dieses Versprechens wäre ein schnelles Ende der Ära Infantino.

Ein Film von Olga Sviridenko, Robert Kempe und Philipp Sohmer

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