SENDETERMIN Mo, 18.11.13 | 23:45 Uhr

Die Hardenbergs

Was für eine Familie: Sie waren Staatsreformer, Dichterfürsten und Widerstandskämpfer. Sie berieten Könige und bekamen dafür Schlösser, Unternehmungen und Ländereien geschenkt. Doch in den Wirren des 20. Jahrhunderts drohten ihnen die Nazis mit der völligen Vernichtung ihrer Existenz, die Familie war in den Attentatsversuch auf Hitler verwickelt.

Die sich anschließende deutsche Teilung nahm den Hardenbergs Schloss und Familiendomizil, fast allen Grundbesitz und einen Teil ihrer eigenen Geschichte. Doch mit dem Fall der Mauer kamen sie unter aufmerksamer Beobachtung der Öffentlichkeit zurück.

Alte Burgruine

Die alte Burgruine der Familie Hardenberg in Nörten-Hardenberg. Das Gebäude wurde bis ins 18. Jahrhundert bewohnt.

Die Hardenbergs sind eine der ältesten Dynastien Deutschlands. Ihr Wappen wählten sie bereits im 11. Jahrhundert, vor fast eintausend Jahren. Ein Keiler, ein ausgewachsenes Wildschwein, das der Sage nach die Urahnen vor dem Überfall einer benachbarten Rittertruppe warnte.

Ihr bekanntester Urahn, Carl August, der Staatskanzler, beriet den preußischen König Friedlich Wilhelm III., er setzte die nach ihm benannten Reformen Preußens durch. Der Ort, an dem er residierte, erhielt den Namen seiner Familie: Neuhardenberg – ein Ort in Brandenburg, der die Geschichte der Familie und auch Deutschland in Zukunft auf sehr eigenwillige Weise begleiten wird.

Ein Mann von großer Integrität

Urenkel Carl Hans Graf von Hardenberg ist ein Mann von großer Integrität und politischer Moral, er schließt sich den Verschwörern um Graf Stauffenberg an und stellt sein Schloss für konspirative Treffen zur Verfügung. Nach dem gescheiterten Putsch misslingt ein Selbstmordversuch, Hardenberg wird schwer verletzt ins KZ Sachsenhausen gebracht.

Der Graf überlebt, wird von den Russen befreit und kehrt zurück auf sein Schloss. Doch die von der Roten Armee eingesetzte kommunistische Verwaltung vertreibt ihn und seine Familie, wie alle von den Kommunisten als Junker geschmähten "Großgrundbesitzer". Neuhardenberg heißt jetzt Marxwalde und wird, dem neuen Namensgeber folgend, ein sozialistisches "Musterdorf".

Schloss Neuhardenberg aus der Luft.

Bauwerk in Brandenburg: Schloss Neuhardenberg aus der Luft.

Nach dem Mauerfall ist die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Grafen von Hardenberg zurückkehren. Jede adelig anmutende Siegergeste wird vermieden. Eine Enkeltochter des Widerständlers, Clarita von Müller, erinnert sich, wie ihre Mutter betont schlicht im Ort auftrat, um keine Ressentiments auszulösen.

Wie eine Erscheinung vom anderen Stern

Eine junge von Hardenberg erinnert sich, wie sie anfangs in der Schule als junge Wessi-Gräfin wie eine Erscheinung vom anderen Stern beobachtet wurde. Und auch Cousine Tita von Hardenberg konzidiert, dass sie damals den Pioniergeist ihres Vetters Gebhard bewundert hatte, der sich in den schwierigen Nachwendezeiten in den Osten zur alten Familienstätte aufmachte.

Heute ist die strahlende Attraktion der Landschaft das 2005 als Ost-West-Begegnungsstätte wiedereröffnete Schloss Neuhardenberg. Die Familie Hardenberg hatte es dem Sparkassenverband verkauft, da es die eigenen Möglichkeiten überstieg, das Schloss für eigene Zwecke zu benutzen. Ein durchaus geschichtsträchtiger Besitzerwechsel – immerhin hatten die Sparkassen in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts ihren Geschäftsbeginn auch den Hardenbergschen Reformen zu verdanken, die das Geldverleihen erleichtern halfen.

Filmemacher Claus Räfle begegnet ganz unterschiedlichen Mitgliedern der Familie Hardenberg in Ost-, West- und Süddeutschland. Sie sind heute Landwirte, Manager oder Medienmacher, gemeinsam bemühen sie sich um den Erhalt des jahrhundertealten Erbes der Dynastie. Die Familie Hardenberg will preußische Tradition im besten Sinne verkörpern, "Üb immer Treu und Redlichkeit" könnte ihr tägliches Lebensmotto sein.

Ein Film von Claus Räfle

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Diese Sendung wurde vom
Rundfunk Berlin-Brandenburg produziert.