Ex-VW-Chef: Keine Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen

Interview mit Ex-VW-Chef Hahn | Video verfügbar bis 24.07.2018

Carl Horst Hahn, Jahrgang 1926, gehört zu den Industrie-Ikonen des deutschen Wirtschaftswunders in der Nachkriegszeit. Schon als junger VW-Chef in den USA fabrizierte der Spross einer Autofabrikanten-Familie sein Meisterstück: Den statusfixierten Amerikanern bot er mitten im protzigen Straßenkreuzer-Boom der 50er- und 60er-Jahre ausgerechnet den schmucklosen Käfer an – und machte VW zur meistverkauften ausländischen Automarke in der neuen Welt.

Er ist einer der Manager, die die VW-Tochter in Brasilien zum Erfolg führten. In den ersten acht Jahren der brasilianischen Militärdiktatur (1964 bis 1985) reiste er regelmäßig nach São Paulo. Von 1964 bis 1972 war er Vertriebschef in Wolfsburg und saß im Aufsichtsrat von VW Brasilien.

"Der Mann mit Benzin im Blut"

1982 wurde Hahn Konzernchef, eroberte als erster westlicher Autobauer China, übernahm Seat und Skoda, machte Audi zur Premiummarke - und Volkswagen zum Global Player. Dabei pflegte der Manager in Wolfsburg eine fast schon legendäre Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften. Der "Mann mit Benzin im Blut" - so nannte ihn der Unternehmer Ferry Porsche - galt als moderner, visionärer und weltoffener Konzernchef.

Vertreter der Wirtschaftselite der alten Bundesrepublik

Heute hingegen wirkt er wie aus der Zeit gefallen, wenn er sich zu den jüngsten VW-Skandalen äußert: Sei es zur Abgasaffäre, die "man in zehn Jahren ganz anders bewerten werde" oder zur Verantwortung von VW für Menschenrechtsverletzungen in Brasilien: "Wir haben versucht, Automobile zu bauen und unabhängig von der Regierung, die in einem Lande herrscht. Das überlassen wir den Eingeborenen, den Menschen dieser Länder." Zudem könne er dazu nichts sagen, weil er darüber nichts wisse. "Wir sind nie auf die Idee gekommen, dass in unseren Betrieben in irgendeiner direkten oder indirekten Art und Weise Menschenrechte zu kurz gekommen wären oder nicht respektiert worden wären. Das war jenseits unserer Vorstellungskraft“, so Carl Hahn gegenüber NDR, SWR und "Süddeutscher Zeitung".

Ausführliches Interview zu Menschenrechtsverletzungen bei VW Brasilien

Für die Dokumentation "Komplizen?  VW und die brasilianische Militärdiktatur" hat Carl Hahn der Autorin Stefanie Dodt ein ausführliches Interview gegeben. Davon bieten wir hier eine Langfassung an. Das Interview mit dem inzwischen über 91-Jährigen Manager bietet einen seltenen Einblick in die Denkweise und in das Weltbild der Wirtschaftseliten der alten Bundesrepublik. Eine Verantwortung des Konzerns für die Menschenrechtsverletzungen streitet Hahn in dem Gespräch ab.

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