SENDETERMIN Mo, 11.01.16 | 23:10 Uhr | Das Erste

Ware Mädchen – Prostitution unter Zwang

Die Story im Ersten

PlayWare Mädchen - Auf dem Straßenstrich in Berlin
Die Story im Ersten: Ware Mädchen | Video verfügbar bis 11.01.2017

Etwa 8.000 Frauen bieten allein in Berlin ihren Körper zum Kauf an. Viele von ihnen haben keinen Pass und sprechen kein Deutsch. Es sind Frauen ohne Rechte, eingesperrt und fremdbestimmt. Junge Frauen aus Rumänien, zum Teil Minderjährige, müssen bis zu 15 Männer am Tag mit Sex bedienen, häufig ohne Schutz und ohne Auszeit bei Krankheiten. Besonders junge Mädchen aus Osteuropa werden immer häufiger Opfer skrupelloser Menschenhändler, gehalten wie Sklavinnen.

In Rumänien, wo Prostitution eigentlich verboten ist, gibt es dennoch in allen größeren Städten illegale Bordelle. In diesem Klima blüht auch der Handel mit der Ware "Mädchen".

Ohne Rechte und ohne Ausweg

Mädchen, die in bitterer Armut aufwuchsen und ein leichtes Spiel für Menschenhändler wurden. Zwangsprostitution ist ein Geschäft, das Zuhältern und gewissenlosen Händlern Jahr für Jahr Millionen sichert. Zurück bleiben entrechtete Frauen, die häufig verzweifelt nach einem Ausweg suchen.

"Loverboy-Methode" wude vielen Mädchen zum Verhängnis

Nadya Luer und Jo Goll haben über ein Jahr lang Kontakt zu Opfern von Zwangsprostitution aufgebaut. In langen und vertrauensvollen Gesprächen schildern junge Frauen, wie sie von brutalen Menschenhändlern in der Heimat in die Falle gelockt wurden. Manche mit der sogenannten "Loverboy-Methode", manche mit der Aussicht, im wohlhabenden Deutschland als Kellnerin oder Altenpflegerin arbeiten zu können. Doch diese Träume enden schon an der Grenze. Dort werden ihnen der Pass und damit die Identität genommen.

Einblicke in ein illegales rumänisches Bordell.
Einblicke in ein illegales rumänisches Bordell

Skrupellose Methoden der Bordellbesitzer sind legal

So zeigt die Dokumentation auch, wie skrupellos Berliner Bordellbetreiber junge rumänische Frauen mit Anzeigen im Internet zur Prostitution nach Deutschland ködern – und das ganz legal, seit der Deutsche Bundestag 2002 mit dem Prostitutionsgesetz den Betrieb von Bordellen zur herkömmlichen Dienstleistung erklärt hat. Der Markt verlangt seither nach immer mehr und immer neuen Mädchen – auch weil der freizügige Umgang mit der Prostitution inzwischen Sextouristen aus ganz Europa anlockt.

Das deutsche Prostitutionsgesetz

In Rumänien und Deutschland hat man das Problem erkannt. Behörden und Initiativen versuchen gegenzusteuern, um den schwunghaften "Handel" mit Osteuropäerinnen einzudämmen. Und vor allem den Opfern zu helfen. Seit mehr als anderthalb Jahren ringt die Große Koalition in Berlin unter der Federführung von Familienministerin Manuela Schwesig um die Novellierung des Prostitutionsgesetzes von 2002. Dabei besteht dringend Handlungsbedarf.

Ein Film von Nadya Luer und Jo Goll