FAQ: Was versteht man unter "Darknet"?

Daniel Moßbrucker, Autor der Doku "Das Darknet"
Daniel Moßbrucker, Autor der Doku "Das Darknet"

Anders als viele denken, gibt es eigentlich nicht das eine Darknet, sondern viele verschiedene Darknets, also "dunkle Netze". Es sind Netzwerke, die die Technologie des "normalen" Internets – des sogenannten Clearnets – nutzen und es mit spezieller Zusatz-Software ihren Nutzern ermöglichen, anonym miteinander in Kontakt zu treten. Der Einfachheit halber ist im Text weiter vom Darknet als solches die Rede.

Wie funktioniert das Darknet?

Im "normalen" Internet sind die Server von Anbietern wie Google oder Facebook für jeden erreichbar. Die User brauchen bloß eine Adresse in ihrem Browser eintippen und die Seite wird aufgerufen. Schließlich wollen die Anbieter, dass möglichst viele Menschen ihre Server und damit ihre Angebote und Inhalte finden. Anbieter wie Google oder Facebook sind also darauf angewiesen, dass die IP-Adressen der Server öffentlich bekannt sind.

Im Darknet hingegen wird alles dafür getan, solche Server und ihre IP-Adressen zu verbergen. Die Server dort sind Teil eines riesigen Netzwerkes. Im bekanntesten Darknet, dem Tor-Netzwerk, gibt es beispielsweise mehr als 7.000 Server, die Anfragen zufällig weiterleiten und bei jeder Weiterleitung einen neuen Absender auf die Anfrage schreiben. Die Daten werden so oft hin- und hergeschickt, dass am Ende unklar ist, von wem sie ursprünglich gesendet worden sind. Damit kann man als User beim Surfen seine Identität verbergen.

Datenübertragungen werden zudem mehrfach verschlüsselt. Es ist also für Außenstehende nicht erkennbar, welche Darknet-Website ein Nutzer genau aufrufen will oder welche Nachrichten sich Nutzer untereinander austauschen. Noch dazu achten Betreiber von Darknet-Webseiten häufig darauf, dass nur User auf Seiten zugelassen werden, die sie  bereits (persönlich) kennen. Dieser Dreiklang – miteinander bekannte Teilnehmer, anonymes Surfen, Verschlüsselung – macht es für Außenstehende extrem schwierig, Darknet-Nutzer zu identifizieren.

Wie surfe ich im Darknet?

Im Darknet gibt es keine Suchmaschinen wie Google. Die Websites im Darknet sind zwar häufig Seiten im Clearnet nachempfunden, liegen auf aber auf Servern, die nur anonym angesteuert werden können. Die Adressen der Websites im Darknet sind in Listen mit Links ("Hidden Wiki") zu finden oder werden in persönlichen Chats weitergegeben. Sie sind zudem nur mit einem speziellen Browser aufrufbar und verwenden keine Klarnamen wie etwa DasErste.de. Eine Website im Tor-Netzwerk sieht zum Beispiel so aus: http://3g2upl4pq6kufc4m.onion/. Alle Adressen in Tor enden auf .onion, zu Deutsch Zwiebel, nach dem Logo von Tor. Wo die Seite der Anbieter im Darknet liegen weiß niemand; auch nicht, wer sie betreibt, in welchem Land die dazugehörigen Server stehen und wie man diese abschalten könnte.

Welche sind die wichtigsten Darknets?

Das bekannteste und vermutlich größte Darknet ist das Tor-Netzwerk, das es seit 2002 gibt. Der beliebte Tor-Browser wird von mehreren Millionen Nutzern täglich zum anonymen Browsen im "normalen" Internet genutzt – ermöglicht aber auch den Eintritt ins Tor-Darknet. Ein weiterer bekannter Anbieter heißt Freenet - der aber nichts mit dem Internetprovider zu tun hat. Hier lassen sich zum Beispiel relativ einfach Blogs erstellen, die von niemandem mehr gelöscht werden können. Ebenfalls verbreitet sind der stark anonymisierte I2P-Browser sowie das GNUnet. Untereinander sind die verschiedenen Darknets nicht miteinander kompatibel. Man kann also nicht mit einem I2P-Browser ins Tor-Netzwerk gehen.

Wer nutzt das Darknet?

Grundsätzlich nutzt jeder, der seine Privatsphäre schützen und im Internet anonym bleiben will, das Darknet. Kriminelle bedienen sich des Darknets genauso wie Aktivisten oder Oppositionelle in autoritären Staaten. Betreiber solcher Netze geben häufig an, sich gegen Zensur einzusetzen, denn es ist extrem schwierig bis unmöglich, dort Inhalte löschen zu lassen. Das bedeutet jedoch, dass  auch rechtswidrige Inhalte wie etwa Kinderpornografie genau deshalb dort angeboten werden.

Warum gehen Strafermittler so häufig gegen Darknets vor?

Für Kriminelle ist es verlockend, sich vor Strafermittlern verstecken zu können. Deshalb boomen seit einigen Jahren der Waffen- und vor allem der Drogenhandel über das Darknet. Auch gestohlene digitale Daten wie die von Kreditkarten werden dort häufig angeboten genauso wie Produkte, die es eigentlich gar nicht gibt. Diese Lockangebote dienen nur dazu, Kunden Geld aus der Tasche zu ziehen. Bezahlt wird im Darknet meistens mit der digitalen Währung "Bitcoin", die ebenfalls quasi anonym ist. Einige Mythen über das Darknet sind aber übertrieben: Auftragsmörder bieten nicht an jeder Ecke ihre Dienste an.

Kann ich mich dort umsehen – oder ist das schon illegal?

Wer sich in Darknets umsieht, macht sich nicht automatisch strafbar. Die Faustregel lautet: Was im World Wide Web erlaubt ist, wird nicht illegal, weil es sich plötzlich im Darknet abspielt. Aber was auch sonst illegal ist, bleibt natürlich illegal oder strafrechtlich relevant. Das Problem für Polizei und Justiz ist jedoch, dass Kriminelle eben sehr viel schwerer aufzuspüren sind.

User, die sich im Darknet umsehen, sollten bedenken, dass vielen Seiten vor dem Aufruf nicht anzusehen ist, was für ein Angebot sich hinter der Adresse verbirgt. Sehr viel schneller als im Clearnet kann man auf Seiten landen, die Waffen oder kinderpornografisches Material anbieten. Aber allein der Aufruf eines Drogenshops etwa stellt noch keine strafbare Handlung dar.

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